Ob es wirklich 2010 Formel 1 in Donington geben wird, steht noch in den Sternen

Formel 1 2009

— 25.05.2009

Donington: Der Druck auf Gillett wird stärker

Donington-Boss Simon Gillett soll bereits 2005 ein ähnliches Projekt vor die Wand gefahren haben - Viele Parallelen zum aktuellen Kampf um den Grand Prix

Seit Bernie Ecclestone den britischen Grand Prix ab 2010 an Donington vergeben hat, geht es mit der vielleicht zukünftigen Formel-1-Rennstrecke steil bergab. Der Streckenchef wurde entlassen, die PR-Firma verabschiedete sich und einer der Hauptgeldgeber wendete sich von Donington ab. Hinzu kam kürzlich die rechtliche Auseinandersetzung mit den Donington-Besitzern Wheatcroft über angebliche Mietausstände in Höhe von 2,5 Millionen Pfund (umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro).

Donington-Boss Simon Gillett erklärte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass er das Projekt trotz aller Hürden umsetzen könne, doch aktuelle Informationen zeigen, dass er an einem ähnlichen Vorhaben vor einigen Jahren bereits einmal gescheitert ist. Gillett war Direktor und Teilhaber einer Firma, welche letztlich mit Ausständen in Höhe von rund 227.000 Euro bankrott ging. Dieses Unternehmen scheiterte im Jahr 2005. Gillett betont zwar, er habe mit den Entwicklungen nichts zu tun, doch das stimmt nicht ganz.

Großer Motorsportpark in Wales geplant

Der Donington-Betreiber erklärte, dass er sich bereits ein Jahr vor dem Kollaps aus dem Unternehmen zurückgezogen habe. Doch die Akten und Schriftstücke belegen etwas anderes: Gillett verkaufte seine Anteile niemals und zog sich erst ein halbes Jahr vor dem Ende als Direktor zurück. Gillett wollte damals gemeinsam mit Partnern einen Motorsportpark in Wales aufbauen, ähnlich wie es nun in Donington geschehen soll.

Vor sechs Jahren war Gillett die treibende Kraft hinter einem Projekt, welches ein 160 Hektor großes ehemaliges Minengelände in Wales zum Motorsportpark samt Hotel und Kongresszentrum machen sollte. Auch in Donington plant der Brite ähnliche Entwicklungen. Dort könnten sich die Pläne jedoch am 30. Juni zerschlagen. Falls die Familie Wheatcroft wegen der ausstehenden Mietzahlungen die Unterschrift unter ein wichtiges Dokument verweigert, könnte man in Donington die Baugenehmigung verlieren - und letztlich sogar den Grand Prix.

Auch in Wales scheiterte man vor vier Jahren an der Baugenehmigung. Gillett war damals Gründer, Direktor und später lange Zeit Mitbesitzer der Firma Innovate Motorsport. Man wollte insgesamt rund 23 Millionen Euro zur Umsetzung des Wales-Projektes auftreiben. Die Genehmigung zur Umsetzung der Pläne scheiterte jedoch an einem Lärmschutzgutachten und an befüchteten Auswirkungen auf ein anliegendes Weltkulturerbe in Wales.

Auch Nicky Grist einer der Teilhaber

Die finanziellen Trümmer, die Innovate Motorsport hinterließ, werden nach wie vor aufgeräumt. Das Unternehmen war im Januar 2004 gegründet worden und hatte als Firmensitz Gilletts Privatadresse. Die Firmenunterlagen zeigen, dass Gillett bereits einen Monat nach der Gründung 50 Prozent an den Motorrad-Offroad-Promoter Garteh Hockey verkaufte. Wenige Wochen später kam auch Nicky Grist, der frühere Copilot von Rallyelegende Colin McRae, mit an Bord. Grist zog sich jedoch bereits acht Monate später entnervt zurück.

"Wales entpuppte sich schnell als nicht realisierbar, daher schaute man sich nach anderen Örtlichkeiten um. Ganz schnell war Donington das Ziel", erklärte die Sprecherin vom Donington Park. Sobald sich das Interesse von Gillett nach Großbritannien verschoben hatte, landete das Wales-Projekt an der Wand. Die Gläubiger von Innovate Motorsport schickten das Unternehmen im August 2005 schließlich in die Liquidation. "Aus Gründen der hohen Verbindlichkeiten muss die Firma aufgelöst werden", hieß es in den Dokumenten.

Den Schulden in Höhe von rund 227.000 Euro stand nur ein Vermögen von 18.000 Euro gegenüber, es ergab sich also eine Lücke von fast 200.000 Euro. Hauptgläubiger war Rechtsberater Clarke Willmott, der fast 70.000 Euro von Innovate forderte. Auch das Medienunternehmen Haymarket und der Motorsport-Ausrüster Sparco zählten zu den Gläubigern. Die Liquidation dauert bis heute an, soll aber innerhalb der nächsten neun Monate abgeschlossen werden.

Wann zog sich Gillett tatsächlich zurück?

Nach Aussage der Donington-Sprecherin soll Teilhaber Hockey bereits im März 2004 das Ruder bei der Innovate Motorsport übernommen haben. Angeblich soll Gillett ihm alle weiteren Anteile verkauft haben. "Simon war bereits ein Jahr vor der Liquidation nicht mehr involviert", hieß es. Und weiter: "Simon übergab das Geschäft an Gareth, um das Unternehmen zum Jahresende zu verlassen. Bis dorthin übernahm er keine aktive Rolle mehr, sondern konzentrierte sich bereits auf Donington."

Die Sprecherin betonte noch einmal, dass "die Schulden des Unternehmens nichts mit Simon Gillett zu tun haben, weil er sich bereits ein Jahr zuvor herauszog". Sie ergänzte: "Sollte sich in den Dokumenten etwas anderes finden, dann muss es sich wohl um fehlerhafte Dokumente handeln." Allerdings gibt es diese Differenzen tatsächlich. "Nicht nur der Inhalt der entsprechenden Papiere weist auf einen anderen Ablauf hin, sondern einige wichtige Dokumente tragen sogar Gilletts Unterschrift.

Am 26. Januar 2005 unterschrieb Gillett ein Schriftstück, welches ihn eindeutig als 50-Prozent-Teilhaber von Innovate ausweist. Es geht ebenso daraus hervor, dass Gillett niemals seine Anteile komplett an Hockey verkauft hat. Auf dieses Schriftstück angesprochen, gab die Donington-Sprecherin nur noch kleinlaut "Kein Kommentar" von sich.

Im Dezember 2004 zog Gillett um und nahm den Unternehmenssitz gleich mit. Warum sollte er bei einem privaten Ortswechsel eine Firma mitnehmen, mit welcher er angeblich nichts mehr zu tun hatte? Letztlich kommen noch weitere Akten hinzu, die eindeutig nachweisen, dass Gillett die Innovate-Fäden noch länger in der Hand hielt. Ein wichtiges Schriftstück belegt eindeutig, dass er erst am 14. Februar 2005 als Innovate-Direktor zurücktrat - also nicht einmal ein halbes Jahr vor der Liquidation.

Fotoquelle: xpb.cc

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