Patrick Head sieht die Hybridtechnik nicht mehr durch eine rosarote Brille

Formel 1 2009

— 27.05.2009

Williams: KERS noch nicht in Sicht

Das als innovativ gefeierte Williams-KERS lässt weiter auf sich warten: Probleme mit dem Schwungrad - Patrick Head: "Einsatz nicht ausgeschlossen"

Williams wollte eigentlich zum Vorreiter im Bereich KERS werden. Die Briten entschieden sich frühzeitig für ein System mit Schwungrad. Man gründete einen neuen Geschäftszweig in der Hoffnung, das Hybridsystem erfolgreich an den Markt bringen zu können. Doch bislang hat man von der innovativen Lösung nichts gesehen. Während Ferrari und McLaren-Mercedes konsequent mit KERS fahren, hält sich Williams zurück.

"Die Entwicklung geht weiter voran", beruhigte Williams-Teilhaber Patrick Head die Gemüter. Man habe sich allerdings eine Menge Arbeit aufgelastet. "Wir konnten uns nicht einfach ein anderes System kaufen. Überall, wo wir angefragt haben, forderte man zehn Millionen Euro oder mehr von uns. Dieses Geld hatten wir nicht. Daher haben wir uns dafür entschieden, ein eigenes System zu entwickeln und dabei auf die Flywheel-Technologie zu setzen."

"Gemeinsam mit der Universität und anderen Leuten haben wir ein System aufgebaut, welches minimal klein ist, aber erst einmal auf dem Prüfstand laufen muss", sagte Head zum aktuellen Stand der Dinge. "Wir machen Fortschritte, hatten aber beim Flywheel auch Probleme. Dabei ging es vor allem um den Einbau in ein Fahrzeug, welches Vibrationen erzeugt. Es gab dort Probleme mit der Befestigung des Schwungrades, welches nicht rund auf der Nabe lief. Diese Probleme lösen wir und es geht voran. Unser System wiegt 35 Kilogramm und ist leistungsfähig."

Die Probleme sind aber anscheinend derart schwerwiegend, sodass man eventuell in diesem Jahr keine ernsthaften Versuche in Grands Prix mehr fahren könnte. "Erst im kommenden Jahr können wir es wohl ohne Zugeständnisse bei der Gewichtsverteilung verwenden", gab Head zu. "Wir schließen nicht aus, dass wir es noch in diesem Jahr einsetzen. Aber es wird schwierig, es in den Boliden zu bauen und gleichzeitig ein gutes Setup für das Auto zu finden."

"Um es optimal nutzen zu können, müssen wir auf die schmaleren Vorderreifen 2010 warten. Es kann aber sein, dass wir es in diesem Jahr noch einmal probieren", sagte der Brite weiter. "Auf Strecken mit vielen langsamen Kurven hast du den Schwerpunkt ohnehin weiter hinten. Wir suchen uns also vielleicht eine solche Strecke aus und probieren es im Verlauf des Jahres aus. Montréal wäre optimal dafür, aber der Kurs ist nicht mehr im Kalender."

Die Grunddaten eines KERS versprächen Vorteile, die allerdings mehrfach überschätzt worden seien, so Head. "McLaren-Mercedes und Ferrari fahren mit dem System und beide sind vorne dabei. Die machen einen guten Job. Manch einer sagt, dass man mit den aktuellen KERS eine halbe Sekunde finden könnte. Unsere Simulationen können das derzeit nicht belegen. Vielleicht sind drei Zehntelsekunden drin, was nicht allzu viel ist."

Schon zum kommenden Jahr könnten die Rahmenbedingungen für KERS wieder anders sein. Sollte das Regelwerk der FIA umgesetzt werden, gäbe es neue Möglichkeiten. "Wer einen Allradantrieb umsetzen möchte, muss entweder Motoren in den Vorderrädern haben, oder eine Antriebswelle installieren. Das ist aus Ingenieurssicht nicht so einfach", sagte Head über die möglichen technischen Freiheiten ab 2010. "Auch wenn das Gewichtslimit im kommenden Jahr um 15 Kilogramm angehoben wird, es würde mindestens 25 zusätzliche Kilogramm bringen, wenn man KERS an der Vorderachse einbaut. Wenn man sich die Simulationen anschaut, dann sollte man es allerdings wirklich vorne einbauen."

Fotoquelle: xpb.cc

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