Viel Erfahrung: Patrick Head ist ein Urgestein der Formel-1-Szene

Formel 1 2009

— 28.05.2009

Head: "Niemals einen Gegner unterschätzen"

Williams-Teilhaber Patrick Head über die Probleme für Neueinsteiger, mögliche Hilfestellungen und die Kooperation mit Toyota

Williams hat zum geplanten Alleingang angesetzt. Die Traditionsmannschaft aus Grove schrieb sich bereits am Montag für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2010 ein und löste sich damit aus dem Verbund der zehn aktuellen Teams. Konsequenz: Williams wurde aus der Teamvereinigung FOTA verbannt - vorübergehend zumindest. Vertragliche Verpflichtungen zwangen das Team zu dem Schritt, wobei sich nicht wenige Beobachter die Frage stellen, warum Williams nicht bis kurz vor Ende der Einschreibefrist abgewartet hat.

Die Verantwortlichen des Teams erklärten mehrfach, dass man mit dem grundsätzlichen Ansinnen der FOTA und deren Forderung nach deutlichen Anpassungen im Regelwerk für 2010 übereinstimme. Immerhin unterschrieb man einen Brief mit allen Forderungen an FIA-Chef Max Mosley nur einen Tag vor der Einschreibung. Williams teilt sogar ansatzweise die Meinungen von Flavio Briatore und Luca di Montezemolo, wie Patrick Head im Gespräch offen zugab.

Frage: "Patrick, wie schwierig wird es 2010 für neue Teams, überhaupt konkurrenzfähig zu sein?"
Petrick Head: "Man sollte niemals einen Gegner unterschätzen, denn das wäre ein Fehler. Ich bin davon überzeugt, dass einige GP2-Teams zwar ihr derzeitiges Geschäft sehr gut machen. Aber man muss bedenken, dass die GP2-Teams alle Teile von der Serienorganisation kaufen. Also etwas übertrieben gesagt besteht deren Fabrikhalle aus einem Ersatzteillager und ein paar Werkzeugkästen. Das ist eine ganz andere Geschichte."

"Sie haben sicherlich gute Dateningenieure, die am Laptop etwas simulieren können. Wenn es aber um Design und Bau von Teilen oder gar eines gesamten Fahrzeuges geht, dann müssen sie sich Leute aus der Formel 1 holen, die sich damit auskennen. Ich denke, es ist ein Vorteil, dass sie für kleines Geld Motoren und Getriebe kaufen können, denn eine Neuentwicklung wäre sehr aufwendig. Trotzdem wird es ohne viele Tests für die Teams schwierig."

Lola als abschreckendes Beispiel

"Sie müssen zwangsläufig auf erfahrene Leute aus der Formel 1 zurückgreifen. Nur dann können sie vielleicht sofort den Speed mitgehen. Es ist erstaunlich, was alle Formel-1-Teams - inklusive Williams - eigentlich leisten. Die Leute nehmen das als selbstverständlich hin, weil alle das leisten. Force India ist ein fantasisches Team, die lassen drei Windkanäle gleichzeitig laufen. Die haben fantastische Ingenieure und Designer. Die verwenden den Motor und das Getriebe von McLaren-Mercedes. Es gibt keine schwachen Teams in der aktuellen Boxengasse."

"Man hat doch am Beispiel von Lola schon einmal gesehen, wie man die Formel 1 unterschätzen kann. Als die beim letzten Mal in den Grand-Prix-Sport kamen, hatten sie einen großen Abstand zum Rest des Feldes. Es gibt natürlich gute Leute, die Interesse haben. Ich kenne zum Beispiel Ray Mallock sehr gut (RML-Besitzer; Anm. d. Red.), aber bin nicht sicher, ob er sich tatsächlich einschreiben wird. Er hat eine tolle Firma und leistet bei den Tourenwagen tolle Arbeit. Aber der Sprung in die Formel 1 ist riesig."

Frage: "Inwieweit könntet ihr einen Neuzugang unterstützen, mit jemandem kooperieren?"
Head: "Das ist noch gar nicht klar. Es gibt zurzeit deutliche Beschränkungen bei allen den Dingen, die man möglicherweise irgendwo zukaufen könnte. Das muss man respektieren. Wir haben im Detail noch nicht darüber gesprochen."

Frage: "Aber man könnte sich zum Beispiel Prüfstände teilen?"
Head: "Ja."

Toyota ist reiner Motorenlieferant

Frage: "Wie sieht eure Kooperation mit Toyota im Details aus? Gibt es viele Bereiche der Zusammenarbeit?"
Head: "Es geht eigentlich nur um den Motor. Sie haben jederzeit ein offenes Ohr, wenn es um die Triebwerke geht. Aber es geht kaum darüber hinaus. Wir hatten im vorletzten Jahr den Fall, dass wir bei Getriebeentwicklung zusammengearbeitet haben, aber das haben wir nicht so wirklich weiter fortgeführt."

Frage: "Nehmen wir das Beispiel Toyota. Die waren in Bahrain in der ersten Reihe und sind nun im Niemandsland. Ferrari ist nun vorne, die waren aber vor zwei Rennen noch weit hinten. Ist das nicht verwirrend?"
Head: "Es zeigt zunächst einmal, dass die Strecken völlig unterschiedliche Dinge von einem Auto fordern. Es zeigt aber auch, welches Team das beste Auto für alle Arten von Rennstrecken gebaut hat. Man darf niemals vergessen, dass die Strecke ein ganz wichtiger Faktor in der Formel 1 ist. Ich sehe da kein Problem."

Frage: "Ist das Feld der Formel 1 zu sehr aufgemischt in diesem Jahr? Gibt es zu viele Verschiebungen?"
Head: "Nein, es ist doch alles konstant: Jenson Button gewinnt ständig (lacht)."

Fotoquelle: xpb.cc

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