Mark Webber hat bereits fast 130 Formel-1-Rennen auf seinem persönlichen Tacho

Formel 1 2009

— 31.05.2009

Webber: Aus der Abstellkammer ins Topauto

Mark Webber über seinen schwierigen Weg in die Formel 1, die neue Situation für Jenson Button und die Chancen mit Red Bull

Mark Webber hat gleich sein allererstes Formel-1-Rennen genutzt, um sich nachhaltig in die Herzen seiner australischen Fans zu fahren. 2002 sorgte der damals 25-Jährige im hoffnungslos unterlegenen Minardi mit Platz fünf in Melbourne für eine Sensation. Australien stand Kopf, viele Formel-1-Fans weltweit waren sich sicher: Da kommt einer, der Rennen gewinnen wird. Doch darauf wartet Webber sieben Jahre später immer noch.

Der aktuelle Red Bull RB5 bietet dem Australier beste Möglichkeiten, endlich den Traum vom Grand-Prix-Sieg zu erfüllen - auch wenn er ihn längst auf dem Konto haben könnte. 2007 im regnerischen Rennen von Fuji war Webber nahe dran. Diverse Zwischenfälle hätten ihn in dem spektakulären japanischen Wolkenbruch auf Platz zwei nach vorne gespült. "Ich wusste, dass Lewis Hamilton vor mir auf Nummer sicher gehen würde, weil er den Titel im Blick hatte. Das war meine große Chance", so der Pechvogel im Interview mit der 'Times'.

Doch es lief nicht wie gewünscht. Webber wurde zum tragischen Helden eines verrückten Rennens. Bei einer Saftey-Car-Phase vollzog Hamilton ein seltsames Manöver an der Spitze, Webber musste ausweichen, Sebastian Vettel knallte ihm ins Heck und beendete den Traum. "So leer habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt", erinnerte sich der heute 32-Jährige, der sich damals auch noch während der Fahrt in den Helm hatte übergeben müssen.

Der Karrierestart: Konsequent pleite

"Ich fragte mich, ob ich all mein Glück aufgebraucht hatte", beschrieb Webber seine Gedanken. Glück hatte er in jungen Jahren viel gehabt. Die ersten Jahre im Motorsport waren geprägt von wenigen sportlichen Erfolgen und großen finanziellen Nöten. Eine gewisse Ann Neal half ihm damals als Managerin aus der Patsche. Es entwickelte sich letztlich eine feste Partnerschaft der beiden daraus.

"Wir konnten ihn nicht wegen seiner tollen Erfolge anpreisen", erinnerte sich Neal in der 'Times', "denn er hatte kaum welche auf dem Konto. Daher sind wir in ein Fotostudio gegangen, haben ihn nett dargestellt und ihn aufgrund seiner netten Optik verkauft. Alles nach dem Motto: 'Dieser Junge hat eine große Zukunft'. Wir präsentierten einen Karriereplan von der Formel Ford bis zur Formel 1. Das kam gut an."

Fortan sicherten Sponsoren die weitere Karriere zumindest in Grundzügen ab. Der Weg führte Webber an der Seite seiner damaligen Managerin in deren Heimat Großbritannien. "Es war alles so grau dort", beschrieb der Australier seine ersten Eindrücke von der Insel. "Und es gab unglaublich wenig Platz. Ann brachte mich in einer Art Abstellkammer unter. Ich habe mich echt gefragt, wie man überhaupt solch kleine Häuser bauen kann."

Reise nach England: Wenig Raum

Auf engstem Raum entwickelte sich aus der geschäftlichen Beziehung zu Ann Neal schließlich Liebe. Nur so konnten die großen Hürden in der Formel-3-Zeit überwunden werden. "Wir hatten überhaupt kein Geld", so Webber. "Wir hatten Schulden ohne Ende und guter Rat war teuer. Der kam dann von Peter Windsor, der damals bei Williams war. Er sagte: 'Probiert es bei Campo'." Der australische Ex-Rugby-Star David Campese ("Campo") war sofort zur Stelle.

"Mein Vater fuhr bei ihm zuhause vorbei und erklärte unsere Situation. Er bot sofort Hilfe an und gab uns 54.000 Pfund zinslos. Das war unglaublich. Nur so konnte ich überhaupt überleben", beschrieb Webber emotional. Vier Jahre später war der Durchbruch geschafft. Der Australier durfte in Australien in der Formel 1 debütieren und hielt sich fortan mit guten Leistungen - und auch mit Glück im Unglück.

Im vergangenen Winter stand die Karriere auf des Messers Schneide. Nach seinem Fahrradunfall drohte der Cockpitverlust bei Red Bull, gab Webber im Nachhinein zu. "Dietrich Mateschitz rief mich an: 'Mark, so etwas darf nicht passieren', sagte er. Aber er versicherte mir, dass die Mannschaft hinter mir steht, wenn ich es rechtzeitig zurück ins Cockpit schaffe." Dieser Test war für den 9. Februar vorgesehen - nur elf Wochen nach dem doppelten Beinbruch. Es klappte: Der Test lief gut, das Bein hielt. Karriere gerettet.

Die große Chance: Der Red Bull RB5

Und es kam noch viel besser. Der Red Bull RB5 entpuppte sich als schneller Wagen, der an der Spitze mithalten kann. Aber nun hat Webber einen gewissen Vettel an der Seite. "Ich war daran gewöhnt, meine Teamkollegen zu putzen, aber der jetzige stellt mich auf eine harte Probe", gab der erfahrene Pilot zu. "Aber es ist einfach toll, ein solch gutes Auto zu fahren. Wenn man jetzt im Training einem Konkurrenten begegnet, machen viele Leute schnell Platz, weil sie wissen, dass ich schneller bin."

Nur an den Brawn-Boliden kommt Webber im Red Bull nur selten vorbei. Vor allem Jenson Button legt die Messlatte hoch. "Der Wagen ist unglaublich, keine Frage. Jenson ist in der vergangenen Saison oft überrundet worden, jetzt zieht er an allen vorbei. Dabei hat er selbst kaum etwas verändert", erklärte Webber den Aufstieg des Briten. "Wir sind alle mit Talent gesegnet. Man muss einfach seine Gelegenheiten nutzen."

"Es ist ein bisschen wie bei einem 50-Meter-Sprint beim olympischen Schwimmfinale. Der Teilnehmer auf Bahn acht ist ein phänomenaler Schwimmer. Die Jungs auf Bahn vier und fünf sind gerade einmal einen Hauch schneller. Jenson musste in den vergangenen Jahren immer 60 Meter schwimmen, er hatte also keine Chance. Jetzt sind es nur noch 45 Meter. Das sind für ihn unbekannte Gewässer, aber er geht toll damit um", streute Webber seinem Konkurrenten Rosen.

Fotoquelle: xpb.cc

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