Felipe Massa und Istanbul, das ist eine große Formel-1-Liebesgeschichte...

Formel 1 2009

— 03.06.2009

Istanbul: Ferrari wittert den ersten Sieg

Ferrari hat in Istanbul erst einmal nicht gewonnen, weshalb vor allem Felipe Massa auf den ersten roten Grand-Prix-Sieg der Saison hofft

Pole-Position, schnellste Rennrunde und Sieg: Felipe Massa schaffte dieses Kunststück 2008 in der Türkei bereits zum dritten Mal hintereinander und krönte sich damit zum König von Istanbul. Deshalb und wegen der starken Performance in Monte Carlo, wo Kimi Räikkönen Dritter und Massa Vierter wurde, wittert Ferrari beim siebenten Saisonrennen endlich wieder einen Sieg.

Als Teamkollege von Michael Schumacher feierte Massa im Otodrom 2006 seinen ersten Formel-1-Triumph: "Wir wollen so schnell wie möglich wieder Rennen gewinnen", sagt der 28-Jährige. "Es wäre fantastisch, wenn wir schon in der Türkei wieder ganz vorne mitfahren könnten. Ich habe in Istanbul die letzten drei Rennen gewonnen. Erklären kann ich das nicht. Wir hatten hier einfach drei fantastische Wochenenden und das Auto lief von der ersten Session an gut."

Istanbul ist neben São Paulo eine von zwei Strecken, auf denen gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. Auf diesen beiden Strecken hat Massa fünf seiner insgesamt elf Grand-Prix-Siege gefeiert. Zufall? "Wer weiß? Vielleicht bin ich durch Linkskurven einfach besser als andere", grinst der Brasilianer, der in der Weltmeisterschaft mit acht Punkten an zehnter Stelle liegt und 43 Punkte Rückstand auf Gesamtleader Jenson Button hat.

Massa & Istanbul: Es funkt einfach

"Ich fühle mich in Istanbul wohl, aber genau festmachen, warum mir die Strecke besser liegt als andere, kann ich nicht", sucht er nach einer Erklärung. "Generell habe ich schnelle und flüssige Strecken am liebsten. In Istanbul liegen mir einfach alle Kurven und es reicht auch nicht, nur in einem Streckenabschnitt schnell zu sein. Außerdem habe ich in den vergangenen Jahren ein gutes Basissetup gefunden."

Laut Ferrari können diese Daten trotz der umfassenden Regeländerungen weiterhin verwendet werden - ein gutes Omen für das kommende Wochenende. Massa konzentriert sich vor allem auf das Qualifying: "In den vergangenen Jahren musste ich ja nicht überholen, doch so eng, wie das Feld momentan beisammen liegt, wird es ein interessanter Samstag. Es gibt aber Überholmöglichkeiten. Lewis hat 2008 auf eine Dreistoppstrategie umgestellt und ist dadurch an mir vorbeigekommen."

Seit die Formel 1 wieder in Europa ist, scheint Ferrari langsam den Anschluss zu den Topteams Brawn und Red Bull zu finden. Auf das große Update für Barcelona folgte ein weiteres für Monte Carlo. Für Istanbul gibt es weitere Aerodynamikverbesserungen, allen voran eine neue Spezifikation des Doppeldiffusors. Laut Teamauskunft handelt es sich dabei um "einen kleinen Fortschritt", der bei weitem nicht so signifikant ist wie das Barcelona-Update.

Massa: "Die Plätze drei und vier in Monaco sind endlich mal etwas Positives. Natürlich sind wir bei Ferrari an Siege gewöhnt und wir geben uns auch nicht mit weniger zufrieden, aber angesichts der Tatsache, dass wir am Saisonbeginn noch so weit hinten waren, haben wir nun allen Grund, für die nächsten Rennen optimistisch zu sein", so der Brasilianer, der bereits in Monte Carlo "einen weiteren Schritt nach vorne" ortete.

Aufwärtstrend in Monte Carlo

"Ich hatte das Gefühl, gleich vom ersten Training am Donnerstag an gut dabei zu sein", erinnert sich Massa an den Klassiker im Fürstentum. "Leider hatte ich im Qualifying Verkehr, ansonsten hätte ich mit viel Benzin unter die ersten Drei kommen können. Dann wäre das Rennen vielleicht anders ausgegangen, denn mit einem Top-3-Startplatz und mehr Benzin als die anderen kann es gut laufen." Zumindest Rang zwei wäre dann seiner Meinung nach möglich gewesen.

So musste er sich sogar Räikkönen geschlagen geben, der ebenfalls schöne Erinnerungen an Istanbul hat: 2005 gewann der Finne den Grand Prix der Türkei, wenn auch damals noch auf McLaren-Mercedes. Seither ist Ferrari beim westlichsten asiatischen Grand Prix der Saison ungeschlagen. Aber Räikkönen sagt: "Brawn hat 2009 fünf von sechs Rennen gewonnen und ist Favorit. Wir geben aber alles, um wieder nach vorne zu kommen."

"Es war toll, in Monaco auf dem Podium zu stehen", so der Weltmeister von 2007. "Monaco war ein großer Fortschritt, aber wir müssen geduldig sein. Ich weiß, dass uns unsere Fans gewinnen sehen wollen, aber realistisch gesehen dauert das noch ein bisschen. Wir sind näher dran als am Saisonbeginn, wir arbeiten hart und wir bringen auch in die Türkei ein paar Updates, aber man darf nicht vergessen, dass die anderen auch nicht Däumchen drehen."

"Istanbul ist eine konventionellere Rennstrecke als Monaco. Dort wird sich eher zeigen, wo wir im Moment stehen. Die Strecke ist anspruchsvoll. Ich mag sie. Es gibt alle möglichen Kurventypen, blinde Bremspunkte - eben alles, was man für ein tolles Rennen braucht. Die Autos haben jetzt weniger Downforce, dafür aber Slicks. Ich bin schon sehr gespannt, wie es sich in dieser Konfiguration durch Kurve acht fährt", sagt Räikkönen.

Faszination Kurve acht

Apropos Kurve acht: "Das ist eine erstaunliche Kurve", findet Massa. "Dort spürst du die höchsten Fliehkräfte der ganzen Saison und der Nacken wird enorm belastet. Außerdem gibt es in der Mitte eine große Bodenwelle, die das Auto instabil werden lässt. Es ist eine wirklich schwierige Stelle mit mehreren möglichen Linien. Manchmal hat man zu viel Untersteuern, manchmal Übersteuern in der Mitte. All das macht die Kurve zu einer Riesenherausforderung!"

Schnelle Kurven wie diese erfordern naturgemäß viel Downforce, was derzeit eigentlich eher das Spezialgebiet von Brawn und Red Bull ist. Ferrari erwartet vor allem Red Bull in Istanbul besonders stark. Doch für Räikkönen steht sowieso die positive Gesamtentwicklung im Vordergrund: "Ja, wir müssen natürlich weiter auf Brawn und Red Bull aufholen, aber es geht schon in die richtige Richtung", gibt der 29-Jährige zu Protokoll.

"Ich bin jetzt optimistischer als am Saisonbeginn, vor allem wegen der Fortschritte der vergangenen zwei Rennen", so Räikkönen. "Wir wissen, dass weitere Verbesserungen geplant sind, was mich für die Zukunft positiv stimmt. Wenn jemand wie Button fünf von sechs Rennen gewinnt, dann ist er in einer exzellenten WM-Situation, aber die Weltmeisterschaft ist noch nicht vorbei. Alles kann passieren, auch wenn es sich dafür sehr schnell drehen muss."

Unabhängig von den technischen Fortschritten hat sich Ferraris Logistikabteilung für Istanbul 2009 etwas Neues einfallen lassen: Das Team ist nicht mehr in einem Hotel in der europäischen Hälfte der Stadt untergebracht, sondern in der asiatischen. Das bedeutet, dass sich die Teammitglieder am Morgen gut 30 Minuten später aufstehen können, weil sie nicht über die im Regelfall extrem stauende Bosporusbrücke müssen...

Fotoquelle: xpb.cc

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