Für Fernando Alonso ist Jenson Button in der WM kaum noch zu stoppen

Formel 1 2009

— 04.06.2009

Alonso: "Jenson war mit Abstand der Beste"

Fernando Alonso erwartet in Istanbul kein Renault-Wunder und spricht stattdessen Jenson Button und Brawn ein großes Lob aus

Elf Punkte aus sechs Rennen sowie der siebente WM-Zwischenrang sind nicht das, was sich Fernando Alonso im Vorfeld der Saison 2009 ausgerechnet hatte. Der Renault-Pilot versucht aber, sich mit dem Leben als Mittelfeldfahrer abzufinden, und respektiert die Leistungen der aktuell dominierenden Formel-1-Supermächte Jenson Button und Brawn.

Frage: "Fernando, habt ihr für dieses Wochenende weitere Verbesserungen?"
Fernando Alonso: "Es gibt einige neue aerodynamische Teile, vor allem einen neuen Frontflügel. Wir werden sehen. Wir wissen, dass unsere Konkurrenten wahrscheinlich auch neue Teile dabei haben, also erwarten wir keine große Revolution hinsichtlich unserer Position. Die wird mehr oder weniger gleich bleiben. Wir geben aber nicht auf und arbeiten weiter. Istanbul ist eine herausfordernde Strecke. Nach Monaco ist es gut, hierher zu kommen und zu sehen, wo wir wirklich stehen. Das werden wir am Samstag herausfinden. Wir arbeiten hart und werden dieses Wochenende hoffentlich Fortschritte sehen."

Neues Leben abseits der Spitze

Frage: "Es gab in der spanischen Presse Kommentare, wonach es dich frustrieren soll, nur im Mittelfeld herumzufahren..."
Alonso: "Das wurde nicht gut übersetzt. Es ist aber nicht einfach, nach sechs Rennen im Mittelfeld zu stecken, wenn du drei Jahre lang - 2005, 2006 und 2007 - an der Spitze gefightet hast. Ich konnte Rennen gewinnen und um die Weltmeisterschaft kämpfen. Im Vorjahr und in den ersten sechs Rennen der aktuellen Saison fahre ich nur im Mittelfeld mit und muss für ein oder zwei Punkte alles geben. Das ist ein anderes Gefühl, aber ich muss mich daran gewöhnen, weiterhin hart arbeiten und die Situation hoffentlich so schnell wie möglich ändern."

Frage: "Wie siehst du die Form von Ferrari? Glaubst du, die können Brawn hier den Sieg streitig machen?"
Alonso: "Es wird für Ferrari schwierig, um den Sieg zu kämpfen, denn ich vermute, Brawn gibt in den Rennen nicht 100 Prozent. Sie kontrollieren die Rennen ziemlich gut. An den Rundenzeiten kann man ablesen, wenn sie wirklich pushen. Brawn hat also noch etwas in petto. Red Bull sollte man auch nicht vergessen. Monaco war für sie ein schwieriges Rennen, weil die Strecke für ihr Auto nicht ideal ist. Hier in der Türkei sollten sie aber ernsthafte Herausforderer sein. Das wird für Ferrari und für uns nicht einfach."

Frage: "Brawn scheint auf allen Strecken schnell zu sein. Glaubst du, dass ihr Erfolgsgeheimnis mehr ist als nur der Diffusor?"
Alonso: "Ja, ganz sicher. Das ist das beste Auto, kein Zweifel. Es ist aerodynamisch und mechanisch sehr gut, hat guten Grip. Sie können über die Randsteine attackieren. Sie haben ein starkes Auto und waren immer mit beiden Autos im Ziel. Sie starten sehr gut. Ich sehe bei denen keine Schwächen. Sie sind die Besten in jedem Bereich. Das ist beeindruckend."

Frage: "Bist du besorgt, dass die Saison bald gelaufen sein könnte, wenn Jenson Button weiterhin gewinnt?"
Alonso: "Ja, absolut. Wenn Jenson weiterhin gewinnt, dann kann die Meisterschaft mathematisch gesehen schon nach zwölf oder 13 Rennen entschieden sein - für uns leider sogar noch viel früher."

"Das ist gut für ihn, aber andererseits auch schade, weil die letzten zwei Weltmeisterschaften jeweils im letzten Rennen entschieden wurden. Das war gut für den Sport und für die Zuschauer, denn die Leute lieben solche Kämpfe. Ich sage nicht, dass die aktuelle Saison langweilig ist, aber am Ende soll der Beste gewinnen. Jenson war im ersten Saisonabschnitt mit Abstand der Beste. Wenn er auf diesem Niveau weiterfährt, wird er schon sehr bald Weltmeister sein."

Button konstanter als Barrichello

Frage: "Warum glaubst du, dass Jenson im gleichen Auto so viel besser aussieht als Rubens Barrichello?"
Alonso: "Ich weiß es nicht. Im Moment läuft es für Jenson einfach optimal. Vielleicht sieht es in der zweiten Saisonhälfte anders aus. Rubens war ein bisschen weniger konstant, hatte mehr Ups und Downs dabei. Jenson war da konstanter. Er verdient diese Pole-Positions und Siege, denn er ist ein sehr starker Fahrer."

Frage: "Die Zeitabstände sind dieses Jahr so klein wie noch nie, als Fahrer brauchst du aber trotzdem eines der zwei besten Autos, um Rennen gewinnen zu können. Ist es nicht frustrierend, dass der Einfluss des Fahrers nicht größer ist?"
Alonso: "Du kannst immer etwas bewirken. Die Positionen oder Rundenzeiten von Teamkollegen variieren manchmal sehr stark. Selbst wenn es derzeit die engste Weltmeisterschaft von den Rundenzeiten her ist, liegen Brawn, Red Bull, Toyota und so weiter vorne. Es geht Team für Team nach unten."

"Da haben die neuen Regeln also nichts bewirkt, denn auch wenn die Zeiten sehr eng beisammen liegen, gibt es weiterhin eine klare Hackordnung der Teams. Die Fahrer und Teams sind nicht durchgemischt, wie das im Vorjahr der Fall war, als einmal McLaren ein Rennen gewonnen hat, dann Ferrari und dann BMW. Am Ende kämpften Kubica, Hamilton und Massa um den Titel - drei Fahrer aus drei verschiedenen Teams. Dieses Jahr ist es ein Kampf unter Teamkollegen. Das finde ich nicht so spannend."

Frage: "Dieses Jahr könnte die Formel 1 zum letzten Mal nach Silverstone kommen. Wie stehst du dazu?"
Alonso: "Es ist schade, dass wir nicht mehr auf Strecken wie Silverstone oder Imola fahren. Die stellen die Geschichte der Formel 1 dar. Wenn du in die Formel 1 kommst, willst du auf den besten Strecken fahren, die wir als Kinder im TV gesehen haben. Die verschwinden nach und nach. Jetzt fahren wir in China, Abu Dhabi. Das sind sehr schöne Anlagen und tolle Strecken, aber es ist gut, eine Kombination aus beiden Welten zu haben. Hoffentlich werden nicht zu viele dieser tollen Strecken gestrichen."

Fotoquelle: xpb.cc

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