Mit der Erfahrung von fast 300 Rennen: Rubens Barrichello bleibt entspannt

Formel 1 2009

— 04.06.2009

Barrichello: Entspannt in den Brawn-Zweikampf

Rubens Barrichello rechnet sich beim anstehenden Grand Prix in der Türkei gute Chancen aus: "Red Bull und Ferrari werden stark sein"

Frage: "Rubens, in Barcelona und Monaco war es eher langweilig. Wird man hier auf dieser Strecke wieder Überholmanöner sehen können?"
Rubens Barrichello: "Ja. Es hilft, dass es hier einen lange Gerade gibt, die zu einer recht engen Kurve führt. Du kannst auf der Geraden gut den Windschatten nutzen und eigentlich voraussichtlich am Ende der Geraden recht einfach vorbeifahren. Schade ist nur, dass die Strecke ausgerechnet in der Bremszone recht schmal ist, viel Platz bleibt dort nicht. Aber wenigstens kann man hier ordentlich kämpfen. Ich würde diese Strecke bezüglich der Überholchancen zu den Top-5 zählen."

Frage: "Freust du dich auf Kurve acht?"
Barrichello: "Ja, sehr sogar. Man braucht dort Grip und eine gute Balance. Wir werden versuchen, die Kurve auch in diesem Jahr mit Vollgas zu nehmen. Das sollte sogar möglich sein."

Frage: "Wird es für euch hier etwas schwieriger, weil Red Bull und Ferrari Druck machen?"
Barrichello: "Red Bull war auch im vergangenen Jahr hier sehr gut. Ich erinnere mich, dass Mark Webber die Kurve acht ganz locker voll fahren konnte. Deren Balance passt anscheinend immer schon ganz gut. Wir konnten mit den Hondas damals keineswegs dort voll auf dem Gas bleiben. Red Bull wird hier stark sein. Ferrari ist auch wieder dran. Ich denke, sie sind das Team, welches es zu schlagen gilt. Denn die haben in den vergangenen Jahren hier immer gewonnen. Dennoch: Ich bin sicher, das auch unser Auto wieder gut sein wird."

Frust hält sich bislang in Grenzen

Frage: "Du bist oftmals vom Speed her gut unterwegs, aber trotzdem gewinnt immer dein Teamkollege. Wie frustrierend ist das?"
Barrichello: "Ich hätte in diesem Jahr schon ein Rennen gewinnen müssen, daher ist es schon etwas frustrierend. Mit meiner Erfahrung belastet mich das aber nicht allzu sehr. Ich gehe anders heran. Für mich ist wichtig, was ich für Träume habe. Ich habe immer noch den Traum, Champion zu werden. Das ist ja auch noch möglich. Zum Glück wird die Meisterschaft nicht durch die Anzahl der Siege entschieden. Sonst hätte ich wohl schlechte Karten. Dann hätte Jenson den Titel schon in der Tasche."

"Ich glaube, dass der Wagen in den ersten vier Rennen eher ihm entgegen kam, seit wir das Update am Wagen haben, habe ich etwas aufgeholt. In Barcelona hatte ich Pech beim Boxenstopp und in Monaco hatte ich eigentlich alles im Griff, bis Jenson im Qualifying diese phänomenale Runde hingezaubert hat. Das war unschlagbar. Auch meine Runde war richtig gut. Er hat das Rennen dort durch das unglaubliche Qualifying gewonnen. Es gibt aber noch reichlich Rennen in diesem Jahr. Ich habe es schon oft beschrieben: Vor vier Monaten habe ich zuhause noch davon geträumt, überhaupt ein Cockpit zu bekommen. Jetzt habe ich eins und träume vom Titel. Das ist doch auch machbar."

Frage: "Musst du nicht jetzt möglichst schnell ein Rennen gewinnen, damit es nicht teamintern schon entschieden ist? Kannst du hier siegen?"
Barrichello: "Natürlich kann das passieren. Am liebsten sofort, das ist doch klar. Man muss eines klar sehen: Jenson hat zwar fünf Siege auf dem Konto, alles dreht sich um ihn und jubelt ihn hoch, aber trotzdem bin ich gerade einmal 16 Punkte zurück. Das zählt für mich, denn das zeigt, dass es machbar ist. Ich arbeite gut mit Jenson zusammen, er macht einen tollen Job. Das kann man gar nicht oft genug betonen. Aber ich war nie allzu weit weg von ihm. Die Realität ist natürlich, dass er fünf Rennen gewonnen hat und ich keines. Ich muss also am besten die nächsten fünf Rennen gewinnen. Auch auf dieser Strecke werden wir sicherlich wieder eng beisammen liegen."

Verhältnis zu Button durchweg positiv

Frage: "Wie schätzt du eure Chancen in Silverstone ein? Jenson macht sich schon Sorgen, dass du ihm das Heimspiel vermiesen könntest..."
Barrichello: "Ja, es ist nun einmal so, dass Silverstone mein Lieblingsrennen ist. Dort habe ich immer den meisten Spaß. Ich finde die Strecke und den ganzen Event einfach toll. Umso mehr schmerzt es mich, dass Silverstone im kommenden Jahr nicht mehr im Kalender sein wird. Kanada ist schon schlimm, aber Silverstone ist noch schlimmer. Die Strecke ist aus meiner Sicht schnell und gleichzeitig doch sehr sicher. Genau das wollen wir doch. Wir wollen keine künstlichen Bremszonen mit Schikanen."

Frage: "Aber kannst du Jenson verstehen, dass er dieses Rennen unbedingt für sich entscheiden will?"
Barrichello: "Ja, natürlich. Das gleiche gilt für mich in Brasilien doch auch. Aber auf der anderen Seite hat dieses Thema Heimrennen gewissermaßen die Emotionen verloren. Wenn man siegt, dann siegt man. Und wenn man die Chance auf den Sieg hat, dann sollte man sich nicht zweimal bitten lassen. Das geht Jenson ganz genau so. Es gibt da keinerlei Stress. Wir gehen nicht nur an und auf der Strecke nett miteinander um, sondern wir gehen auch privat zusammen zum Essen. Ihr könnt ihn ja fragen: Er würde auch in Brasilien zum Sieg fahren, ohne sich dabei Gedanken über mich zu machen."

Frage: "Fernando Alonso hat gesagt, dass Jenson dir gegenüber einen Vorteil hat wegen seiner Konstanz. Siehst du das auch so?"
Barrichello: "Wenn man mal das Qualifying zur Grundlage nimmt, dann war ich fünf Mal hinter ihm und ein einziges Mal vor ihm. Allerdings mit wenig Benzin in Q2 war es genau andersherum. Mit wenig Sprit bin ich schneller, er ist mit einem schweren Auto dann etwas schneller. Er ist immer in den Rennen schnell, immer schon. Aber das ist auch meine Stärke. Er hat in den ersten vier Rennen jeweils einen Vorsprung herausfahren können, weil er eine bessere Balance mit einem schweren Wagen gefunden hatte. Jetzt geht es für mich besser, aber er hat natürlich diese Erfolge im Rücken."

Frage: "Wer wird denn nun hier euer stärkster Gegner sein?"
Barrichello: "Das kann ich nicht sagen, es kann wohl Überraschungen geben. In Monaco war ich zum Beispiel absolut verblüfft darüber, dass Toyota plötzlich so weit weg war. Aber wenn ich mich mal festlegen soll: Red Bull und Ferrari gehören genauso zu den Favoriten hier wie wir selbst auch."

Fotoquelle: xpb.cc

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