Nick Heidfeld ist optimistisch, dass der neue Diffusor sein Team nach vorn bringt

Formel 1 2009

— 04.06.2009

Heidfeld: Doppeldiffusor stimmt zuversichtlich

Nick Heidfeld hat Monaco abgehakt, hofft durch das neue Aeropaket in der Türkei auf einen Sprung nach vorn - KERS in Istanbul nicht an Bord

Das schwarze Monaco-Wochenende hat BMW Sauber F1 Fahrer Nick Heidfeld hinter sich gelassen. In der Türkei setzt sein Team auf ein neues Aeropaket, das vor allem mit einem Doppeldiffusor für einen Sprung nach vorn sorgen soll. Im Fahrerlager von Istanbul erklärte Heidfeld den Reportern, was er sich von diesem Wochenende erhofft, warum er sich Sorgen um die Formel 1 macht und einen Ausstieg nicht ausschließt und warum er davon träumt, eines Tages wieder in Le Mans zu fahren:

Frage: "Nick, wie wichtig ist das Wochenende für euch?"
Nick Heidfeld: "Ich denke, es ist - ähnlich wie in Barcelona - wichtig für uns, herauszufinden, wie gut unsere Neuentwicklungen funktionieren. Es gibt keine Tests mehr. Zwar haben wir Daten aus dem Windkanal und manchmal auch Daten von Straight-Line-Tests, aber bevor wir nicht auf der Strecke waren, können wir uns nicht sicher sein. Es ist wichtig, dass wir hier einen Schritt nach vorn machen. Ich bin aber recht zuversichtlich, dass wir eine Steigerung sehen werden. Wie immer ist natürlich auch die Frage, wie sehr sich die anderen verbessert haben. Doch wir werden einen Schritt nach vorn machen und wir arbeiten an weiteren Dingen, die wir für die kommenden Rennen noch in der Pipeline haben."

"Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass Monaco ein einmaliger Fehltritt war. Das ist natürlich keine Ausrede, denn es ist wirklich nicht schön, wenn man in Monaco solch massive Probleme hat. Aber ich glaube dennoch nicht, dass das eine repräsentative Strecke ist. Wir sollten hier besser aufgestellt sein und ich glaube auch, dass es bei Toyota ähnlich sein wird."

Frage: "Hat das Team schon eine klare Idee davon, was in Monaco schief gelaufen ist?"
Heidfeld: "Ich glaube, wir haben inzwischen ein klareres Bild davon. Wir haben ein paar Gedanken und Ideen dazu. Aber man kann sich natürlich nur schwer sicher sein, ob man die wahren Gründe gefunden hat. Wir können ja jetzt nicht zurück nach Monaco fahren und es noch einmal versuchen, ob es besser laufen würde. Aber ich denke, dass wir ein paar der Probleme jetzt kennen."

Frage: "Lag es an den Reifen?"
Heidfeld: "Das war wohl eines der größten Probleme. Es gibt aber auch noch ein oder zwei andere Bereiche, in denen wir einen besseren Job hätten machen können."

Frage: "Wie viele Neuerungen habt ihr aus dem Windkanal mit nach Istanbul gebracht?"
Heidfeld: "Ich kann da keine genaue Zahl nennen. Es ist nicht nur der Doppeldiffusor, sondern noch ein paar andere neue Teile. Sie sorgen dafür, dass der Diffosur besser funktioniert, vergrößern die Downforce aber auch ganz allgemein. Es sollte eine klare Steigerung bringen."

Frage: "Mit welcher Performance wärst du hier zufrieden?"
Heidfeld: "Ich habe mir noch keine Gedanken über konkrete Positionen gemacht. Wir geben einfach unser Bestes und schauen, was passiert."

Frage: "Kommt diese Strecke dem Auto entgegen?"
Heidfeld: "Das weiß ich nicht. Mir fällt es immer schwer zu sagen, welche Strecken einem Auto liegen. Klar war Monaco in diesem Jahr nicht unsere Strecke, aber die Änderungen, die wir in diesem Jahr haben, könnten auch das Verhalten des Autos auf den einzelnen Strecken verändern. Es ist also schwer zu beurteilen."

Frage: "Werdet ihr morgen Doppeldiffusor und KERS zusammen einsetzen?"
Heidfeld: "Nein, wir haben uns entschieden, hier ohne KERS zu fahren. Wie schon in Barcelona werden wir uns hier auf das neue Aeropaket konzentrieren. Dann werden wir entscheiden, ob wir KERS bei den kommenden Rennen einbauen oder nicht."

Frage: "Wird der Doppeldiffusor morgen schon an beiden Autos eingesetzt? Bist du schon gespannt, welchen Vorteil er bringt?"
Heidfeld: "Ja, an beiden Autos. Ich denke nicht, dass wir es als Test betrachten. Wir bauen ihn dran und solange es sich nicht in irgendeiner Art komisch anfühlt, werden wir ihn auch dran lassen. Bei dem wenigen Training haben wir nicht die Zeit, das Auto wieder völlig umzubauen. Wie gesagt: Ich bin recht zuversichtlich und wir glauben alle daran, dass uns dieses Paket nach vorn bringt. Und wenn alles normal läuft, behalten wir es."

Frage: "Ferrari hat einen großen Sprung nach vorn gemacht. Ist es ermutigend, wenn man sieht, dass es Teams in dieser Phase der Saison noch gelingt, sich so zu steigern?"
Heidfeld: "Es ermutigt vielleicht, dass so etwas funktioniert, aber man muss es selbst schaffen. Doch ich denke, dass wir in Barcelona ebenfalls einen Schritt nach vorn gemacht haben. Den größten Schritt hat Ferrari gemacht, aber auch wir konnten uns deutlich steigern. Natürlich sind ein siebter Platz und zwei Punkte nicht das, was wir uns ursprünglich vorgenommen hatten, aber vor Barcelona lag so etwas für uns noch außer Reichweite. Es ist beeindruckend, wie sich Ferrari zurückgemeldet hat. Im Internet war zu lesen, dass sie ziemlich davon überzeugt sind, hier ein ganz starkes Ergebnis holen zu können."

Formel-1-Ausstieg nicht ausgeschlossen

Frage: "Derzeit gibt es viel Unsicherheit, was die Zukunft der Formel 1 angeht. Neue Teams haben gemeldet und so weiter. Wie sehr machst du dir als Fahrer darüber Gedanken?"
Heidfeld: "Es ist eine seltsame Situation. Vor allem möchte ich hier den bestmöglichen Job abliefern und mich ganz auf das Fahren konzentrieren. Aber in der jüngsten Zeit gab es extrem viel Politik in der Formel 1, vor allem, was die Zukunft des Sports angeht. Ich verfolge das sehr genau. Ich hoffe nur, dass eine Lösung gefunden wird, mit der die Formel 1 das bleibt, was sie ist, mit den besten Teams und den besten Fahrern. Dann würde ich hier auch gern bleiben. Aber ich glaube, dass ich nicht der einzige Fahrer bin, der sich Sorgen macht und der auch andere Optionen in Erwägung ziehen würde, falls sich die Formel 1 dramatisch verändern sollte.""

"Ich bin hier, um in der Königsklasse des Motorsports zu fahren. Im Moment kann man nicht ausschließen, dass das künftig nicht mehr der Fall sein könnte. ich hoffe wirklich, dass hier eine gute Lösung gefunden wird."

Frage: "Bist du schon einmal bei den 24 Stunden von Le Mans angetreten?"
Heidfeld: "Ja, ich war schon einmal mit Mercedes dort (1999 Anm. d. Red). Leider haben wir in diesem Jahr dann zurückgezogen. Le Mans ist etwas, was ich mir durchaus für mich vorstellen könnte. Vielleicht noch nicht im nächsten Jahr, aber definitiv in der Zukunft. Damals hat mich Mercedes gebeten, dort zu fahren und ich war eigentlich nicht allzu begeistert davon. Ich dachte mir 'okay, sie wollen es, also mache ich es'. Aber als ich dann dort war, war ich einfach begeistert. Die Atmosphäre war fantastisch, die Strecke hat großen Spaß gemacht. Seitdem habe ich immer im Hinterkopf, dass ich dort eines Tages wieder fahren will."

Frage: "Wäre das dann die Königsklasse des Motorsports?"
Heidfeld: "Man kann jetzt noch unmöglich sagen, was passieren wird. Noch macht es wenig Sinn, über so etwas zu reden."

Erinnerungen an Silverstone

Frage: "Blicken wir schon einmal voraus auf Silverstone. Es wird vielleicht das letzte Rennen in Silverstone, spürst du da ein bisschen Wehmut?"
Heidfeld: "Ja, da habe ich schon gemischte Gefühle. Im Internet war jedoch zu lesen, dass Silverstone vielleicht nicht komplett verschwinden wird. Für mich persönlich ist Silverstone die Strecke, auf der ich zum ersten Mal ein Formel-1-Auto gefahren bin. Als ich bei McLaren-Mercedes war, habe ich dort unheimlich viel getestet. Ich mag die Strecke wirklich und für mich ist sie ein bisschen die Heimat des Motorsports. Auf der anderen Seite ist es auch immer schön, wenn man auf neue Strecken kommt und ich freue mich immer darauf."

Frage: "Ist es für einen Fahrer dort nicht schwieriger zu arbeiten als auf anderen Strecken? Die Einrichtungen dort sind ja teilweise schon recht antiquiert..."
Heidfeld: "Ich finde die Strecke schön und ich habe nicht den Eindruck, dass dort alles veraltet ist. Es gibt dort genügend Platz. Klar war früher vor allem der Verkehr rundherum ein Desaster, aber das hat sich gebessert. Aber an der Strecke selbst zu sein und dort zu fahren - was für einen Piloten das Wichtigste ist - ist immer noch fantastisch. Es gibt viele Highspeed-Kurven. Ich habe Silverstone nie als alte Strecke mit unzeitgemäßen Einrichtungen empfunden."

Fotoquelle: xpb.cc

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