Jenson Button hat bisher ausnahmslos fehlerlose Fahrten im Jahr 2009 hingelegt

Formel 1 2009

— 08.06.2009

Der filmreife Aufstieg des Jenson B.

Der aktuelle Formel-1-Dauersieger Jenson Button im Portrait: In zehn Jahren vom Williams-Playboy zum Brawn-Gentleman

"Es ist der Stoff für einen erstklassigen Film" - so beschreibt Jenson Button seinen schnellen Aufstieg vom Honda-Hinterherfahrer zum Brawn-Dauersieger innerhalb von nur fünf Monaten. "Hollywood müsste nicht einmal etwas dazudichten. Alle Zutaten sind bereits vorhanden", erklärt der aktuelle Dominator der Formel 1 im britischen 'Guardian'. Die Filmindustrie dürfte bei einem solchen Projekt allerdings nicht nur die vergangenen Monate betrachten, sondern die Geschichte startet eigentlich bereits im Winter 1987.

Jenson Button lebt gemeinsam mit seinem Vater John, seiner Mutter Simone und drei älteren Schwestern in Somerset. Papa Button ist Gebrauchtwagenhändler und hat seinem Sohn bereits kurz nach der Geburt einen Teil seiner motorsportlichen Leidenschaft mitgegeben. Der Vorname Jenson wurde in Anlehnung an die Sportwagenschmiede Jensen gewählt, auch wenn die Mutter des Hauses anfangs nicht einverstanden war.

Das erste Kart vom Papa

Kurz vor seinem achten Geburtstag trennen sich Buttons Eltern. "Seitdem bekam ich immer doppelt Weihnachtsgeschenke", sagt der schnelle Filius der Familie und dreht selbst dieses Negativerlebnis in eine positive Richtung. Weihnachten 1987 brachte tatsächlich ein Geschenk, welches die Welt des fast achtjährigen Jungen nachhaltig verändern sollte. John Button schenkte seinem Sohn ein Kart.

Das neue Gefährt wurde am ersten Weihnachtsfeiertag ausprobiert. "Wir fuhren auf einen Parkplatz. Da drehte ich einige Runden. Doch nach einigen Minuten wurde mir langweilig", erinnert sich der heute 29-jährige Formel-1-Star. "Danach ging es auch einem verlassen Flugfeld weiter. Auch dort wurde mir schnell langweilig. Dann fuhren wir auch eine Kartbahn in Yeovil. Ich fuhr dort und sagte: 'Papa, das macht Spaß, aber es wird mir langweilig. Irgendetwas fehlt.' Dann stand für meinen Vater fest, dass ich Rennen fahren muss."

"So kam es dann auch ein paar Wochen später. Ich kam als Erster über die Ziellinie und rief: 'Papa, das ist unglaublich. Jetzt ist mir überhaupt nicht langweilig. Ich liebe das.' Genau das war es, was mir die ganze Zeit gefehlt hatte: der Wettbewerb", erzählt Button von seinen ersten Erfahrungen im Rennsport, die ihn schließlich nicht mehr losließen. Mit elf Jahren gewinnt er alle 34 Saisonrennen der British Open Kart Championship - sensationell.

Es folgen weitere große Erfolge. Mit 17 wird er der jüngste Sieger der europäischen Super-A-Meisterschaft, ein Jahr später wechselt er in den Automobilsport und holt sich prompt den Titel in der britischen Formel-Ford-Meisterschaft. Es folgt anschließend ein Jahr in der Formel 3, bevor er im Jahr 2000 mit Williams in die Formel 1 aufsteigt und dort sofort überzeugt.

Jenson Button ist das neue Wunderkind der Königsklasse. Die Frage ist nicht, ob der Formel-1-Rennen gewinnen wird, sondern nur, wann er endlich gewinnen wird. Was damals niemand ahnt: Es soll sehr lange dauern, bis zum August 2006. Der Regen am Hungaroring beschert dem damaligen Honda-Piloten den ersten Grand-Prix-Sieg. "Der Pokal ist wunderschön", blickte Button bei 'Premiere' zurück. "Ich musste diesen Sieg damals richtig genießen, denn unser Auto war damals nicht wirklich siegfähig."

Erst Toptalent, dann Loser

Wer dachte, dass dieser erste Rennerfolg der Beginn eines Siegeszuges werde, lag völlig falsch. Button saß einfach meist im falschen Auto, hatte kaum realistische Chancen auf weitere Siege. Die Saison 2007 schließt er auf Platz 15 ab, ein Jahr später kommt er in der Endabrechnung sogar nur auf Rang 18. Noch schlimmer. "Ich war gerade am Flughafen, als ich einen Anruf von meinem Manager bekam: 'Jenson, es gibt schlechte Nachrichten. Honda hat sich aus der Formel 1 zurückgezogen'. Ich konnte es nicht glauben."

"Ich musste schlucken, am anderen Ende der Leitung war es ganz still. Dann sagte er: 'Tut mir leid, ich habe keinen anderen Weg gefunden, es dir mitzuteilen'. Ich saß also am Flughafen Gatwick, musste eine Stunde lang auf meine Koffer warten. Ich fragte mich die ganze Zeit, was ich nun tun sollte", beschreibt Button die negativen Entwicklungen im Winter 2008. "Ich dachte, die Karriere sei vorbei", sagt er. Doch der Racer wollte sich nicht so einfach abspeisen lassen.

Button fuhr sofort ins Werk nach Brackley, um die Stimmung der anderen Teammitglieder zu prüfen. Er stellte sich vor die Mechaniker und Ingenieure. "Ich wurde total emotional", beschreibt Button, dem damals die Tränen über die Wangen kullerten. "Mit war es etwas peinlich. Ich stand dort und wollte den Leuten mit auf den Weg geben, dass sie positiv denken sollen, dabei fiel es mir selbst sehr schwer. Aber dann sagten sie zu mir, dass sie weitermachen. Wir wussten, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir allen zeigen, dass wir uns den Hintern aufreißen."

"Bei diesem Team zu bleiben, war die beste Entscheidung, die ich in meiner Karriere getroffen habe. Das sehen wir ja jetzt", erklärt Button lächelnd. Dennoch ist im stets bewußt, dass die Karriere eine genau gegenteilige Wendung hätte nehmen können. Er wollte diesen Kampf noch einmal aufnehmen. Vielleicht gerade deswegen, weil ihn einige Briten schon abgeschrieben hatten. "Jenson hatte seine Chance. Es kommt keine weitere", hatte Nigel Mansell gesagt. "Muss ich dazu was sagen?", so die Reaktion von Button.

Das gesamte Team um Ross Brawn ringt um eine Zukunft. Immer im Hinterkopf die Überzeugung, dass man in den zurückliegenden Monaten ein perfektes Auto für 2009 gebaut hat. Drei Wochen vor dem Saisonstart erst wird klar, dass der Teamchef das Ruder übernehmen kann, die Finanzierung gesichert ist. Seither nutzt Button die Qualitäten des Brawn BGP 001 konsequent aus. Makellos fährt er in sieben Rennen zu sechs Siegen, wird von vielen Beobachtern schon als sicherer Weltmeister 2009 gesehen.

Vater und Freundin als Unterstützung

"Sebastian Vettel ist in diesem Jahr ein ganz starker Gegner", mahnt Button. "Es ist ein harter Kampf. Er ist der einzige Fahrer, der außer mir in diesem Jahr schon gewonnen hat. Daher ist klar, dass er einer meiner härtesten Konkurrenten ist - gemeinsam mit meinem Teamkollegen Rubens Barrichello. Sebastian ist in diesem Jahr allerdings schon einige Male abgeflogen, wie in Monaco. Wenn du Weltmeister werden willst, musst du konstant sein. Ich weiß, dass er das weiß."

Die Siegesserie zum Start in die aktuelle Saison ist ein Rekord. Kaum vorstellbar, dass Brawn in den verbleibenden Rennen in der Versenkung verschwindet und sich die Butter noch vom Brot nehmen lässt. Button hat sich in den vergangenen Wochen selbst seine Stärke bewiesen, geht nun mit großer Gelassenheit an die weiteren Aufgaben. Und mit viel Humor.

Nach seinem Monaco-Sieg fand er nicht die Einfahrt zum Parc Fermé und musste schließlich über die Strecke joggen. "Ich war noch nie gut beim Einparken, das ist bei uns eine Familienkrankheit", lacht der WM-Leader. "Ich musste dann durch Monaco rennen, um aus den Händen von Prinz Albert von Monaco den Pokal entgegennehmen zu können. Ich finde, jeder Monaco-Sieger sollte das so machen. Es ist gigantisch, wenn die Fans jubeln hört - man spürt sie förmlich. Es ist ein bisschen peinlich, aber es war auch eine ganz besondere Art, den Monaco-Grand-Prix zu gewinnen."

Nach einem weiteren Erfolg in Istanbul geht Button nun als souveräner Führender in der Gesamtwertung an sein Heimspiel in Silverstone. Wie immer an seiner Seite: Vater John Button, der die Karriere mit de, geschenkten Kart zu Weihnachten 1987 in Gang gebracht hatte. "Er kommt zu jedem Rennen. Aber er kommt nicht, um mir zu sagen, was ich machen soll. Er kommt einfach nur, um Spaß zu haben. Die Formel 1 ist für meinen Vater das Leben. Er ist sehr emotional und er hat die guten und die schlechten Zeiten mitgemacht. Jetzt genießt er die guten Zeiten."

Aber der Brawn-Star teilt seine Erfolge nicht nur mit dem Vater. Freundin Jessica Michibata ist an seiner Seite. Nicht nur als hübsche Begleitung, sondern auch als Glücksbringer. "Immer, wenn sie da war, stand ich auf Pole und habe gewonnen. Sie ist eine wunderbare Frau", erklärt Button, der sich zuvor sein Playboy-Image durch Beziehungen mit Starlet Louise Griffiths und der Sportlerin Emma Davies erarbeitete. Jessica spiele allerdings in einer anderen Liga: "Ich bin komplett verliebt."

Fotoquelle: xpb.cc

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