Die FIA will am Freitag die endgültige Teilnehmerliste für 2010 herausgeben

Formel 1 2009

— 10.06.2009

EU-Recht: Schießt die FIA ein Eigentor?

Der 50-Millionen-Euro-Treueschwur der Hersteller ist der FIA ein Dorn im Auge: Verstößt die Absprache gegen geltendes EU-Recht?

Im Zuge der anhaltenden Streitereien um die Zukunft der Formel 1 haben die Hersteller innerhalb der Teamvereinigung FOTA ein festes Bündnis geschlossen. Ferrari, Renault, Mercedes, BMW und Toyota unterzeichneten einen Vertrag, welcher sie zu enger Zusammenarbeit verpflichtet. Steigt ein Hersteller aus, werden je 50 Millionen Euro Strafe an alle anderen vier Hersteller fällig. Ein Dokument der FIA zeigt nun, dass deren Anwälte der Ansicht sind, dass dieser Bund der Hersteller angeblich gegen das Wettbewerbsrecht der EU verstößt.

In einer sogenannten "Legal Opinion" stellen die Rechtsanwälte der FIA nicht nur dar, dass die Hersteller nach ihrer Ansicht gegen geltendes EU-Recht verstoßen, sondern es werden auch gleich mögliche Strafen für ein solches Handeln aufgeführt. Dieses geheime Kartell drohe nicht nur finanzielle Strafen an, sondern auch den Ausschluss aus der FOTA und das Ende möglicher Zuliefererverträge, heißt es in dem FIA-Schriftstück.

Es handele sich ebenso möglicherweise um Wettbewerbsverzerrung, wenn die Hersteller mit einem kollektiven Boykott oder einer gemeinsamen Kündigung von Verträgen drohten, wie es im Zuge der Einschreibung für 2010 nun geschehe. "Solche Praktiken werden als illegale Kartells in der Regel von den Wettbewerbshütern verurteilt. Von der Europäischen Kommission ebenso wie von der britischen Handelsaufsicht OFT und dem deutschen Bundeskartellamt", so die Einschätzung der FIA-Juristen.

Die FOTA-Absprache: Drohen harte Strafen?

Die drohenden Konsequenzen im Falle einer Verurteilung seien hart, hieß es: "Es werden Strafen in Höhe von 10 Prozent des Jahresumsatzes einer Gruppe fällig." Dies gelte somit nicht nur für die Geschäftstätigkeiten der Formel-1-Teams, sondern für die gesamten Konzerne im Hintergrund. In der "Legal Opinion" wurde ebenso klargestellt, dass es in solchen Fällen auch bereits Haftstrafen für die Drahtzieher gegeben habe. Man müsse ebenso davon ausgehen, dass Schadensersatzzahlungen an FIA oder FOM fällig werden könnten.

Die Expertise der FIA-Juristen birgt weiteren Zündstoff. Es wird darauf hingewiesen, dass solche Kartelle in vielen Nationen und auch von der EU mit aller Schärfe verfolgt würden. In Großbritannien sei es an der Tagesordnung, dass man Insider mit Belohnungen von bis zu 100.000 Pfund (umgerechnet rund 116.000 Euro) locke, damit solche Machenschaften aufgedeckt werden können.

Das Schriftstück der Anwälte liegt bei der FIA, die allerdings offenbar bislang keinen Gebrauch davon gemacht hat. Und das hat vermutlich einen guten Grund: Max Mosley könnte damit vielleicht eine Zündschnur in Richtung Hersteller legen, aber es bestünde allerhöchste Gefahr, dass der Sprengsatz vor seiner eigenen Haustür großen Schaden anrichtet.

Mosley kann es sich in der aktuellen Situation kaum leisten, die EU-Kommissare zu alarmieren. Seine jüngsten Regeländerungen haben sich nicht allein auf den sportlichen und sicherheitsrelevanten Bereich niedergeschlagen, sondern Themen wie zum Beispiel Budgetlimit und Zwangsbetriebsferien der Teams gehen eindeutig in den kommerziellen Bereich. Solches Handeln sieht die EU nicht gern.

Schneidet Mosley sich ins eigene Fleisch?

Die Wettbewerbsaufsicht in Brüssel hat der FIA und der FOM in den vergangenen Jahren schon mehrfach auf die Finger geklopft. Man forderte eine eindeutige Trennung zwischen dem kommerziellen und dem sportlichen Bereich in der Königsklasse. Sollte Mosley also nun tatsächlich gegen ein angebliches Hersteller-Kartell vorgehen wollen, würde er selbst wohl ins Zentrum der EU-Prüfungen rücken. Das weiß Mosley, daher wurde mit den Herstellern bislang nicht über dieses Thema kommuniziert. Die Teams sind ohnehin sicher, dass bei ihrem Treueschwur alles mit rechten Dingen zugeht. Toyota-Chef John Howett sagte, er gehe davon aus, dass die FIA "ein altes Dokument" gelesen habe.

Interessant ist, wie dieser Pakt entstanden ist. Die Teams der FOTA arbeiten bereits seit Ende vergangenen Jahres an einer solchen Vereinbarung, die die FOTA auf Dauer zusammenhalten soll. Man hatte anscheinend Angst, dass Ferrari - wie schon 2005 bei der geplanten GPWC - ausscheren und das System nachhaltig schwächen könnte.

Bei den Verhandlungen für den Vertrag, der letztlich vor wenigen Wochen in Monaco endgültig unterzeichnet wurde, saßen alle FOTA-Teams mit am Tisch. Die 50-Millionen-Euro-Strafe gilt jedoch nur für die Hersteller, die den Privatteams damit ein Versprechen zum Zusammenhalt geben wollten. Die FIA bekam erst auf den allerletzten Drücker Wind von der Aktion. Die Frage ist, auf welchem Weg. Fakt ist: Bei den Verhandlungen über den Pakt saßen Williams und Force India mit am FOTA-Tisch, nun sind sie der FIA nähergerückt...

Fotoquelle: xpb.cc

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