Niki Lauda ist Formel-1-Experte und sitzt bei seiner Airline schon mal selbst am Steuer

Formel 1 2009

— 10.06.2009

Lauda: "Ich bin ein detailbesessener Mensch"

Als Rennfahrer lernte Niki Lauda die Höhen und Tiefen des Sports kennen, um anschließend als Geschäftsmann buchstäblich in die Luft zu gehen

In seiner langen Karriere hat Niki Lauda schon vieles erlebt. Mit Ferrari holte sich der Österreicher in den 1970er-Jahren seine ersten Titel in der Formel 1, überstand einen Horrorunfall auf dem Nürburgring und kämpfte sich anschließend wieder bis an die WM-Spitze durch. Doch auch nach seinem endgültigen Abschied aus dem Rennsport suchte Lauda immer wieder neue Herausforderungen und fand diese an Bord von Flugzeugen und als Chef seiner eigenen Airline.

So hat sich der 60-Jährige über die Jahre eine ganz eigene Unternehmensphilosophie zurecht gelegt, wie er im Interview mit der 'ZEIT' erläuterte. "Man muss schneller reagieren als die anderen", sagte Lauda. "Zeitverlust ist einer der größten Fehler, den Manager heute zulassen. Man lässt die Dinge gerne vor sich hin plätschern, obwohl schon klar zu erkennen ist, dass ein Sturm naht. In meinem Büro kümmere ich mich nicht um das, was funktioniert, sondern um das, was nicht klappt."

Auf seinen Lorbeeren ausruhen möchte sich Lauda aber nicht. "Ich bin auf nichts stolz. Ob ich nun schon die zweite Airline betreibe oder ob ich zuvor dreimal Weltmeister war, ist mir vollkommen egal. Es ist mein Job, ich versuche das Beste daraus zu machen", ließ Lauda, Formel-1-Champion in den Jahren 1975, 1977 und 1984, verlauten und fügte im Hinblick auf seine Person an: "Ich bin ein sehr detailbesessener Mensch, mir fallen Dinge auf, die andere nicht sehen wollen."

"Ich bemerke, wenn sich in einem Aschenbecher Reste einer Zigarette befinden. Ich sehe das einfach, und es quält mich den ganzen Tag. Ich sehe, wenn jemand bei einem Flieger Öl nachgefüllt hat. Mir fallen die kleinsten Spuren am Öldeckel auf. Man müsste ihn nur mit einem Lappen abwischen, dann wäre alles in Ordnung", nannte der frühere McLaren-Pilot einige konkrete Beispiele und sieht gerade in dieser pedantisch wirkenden Haltung den Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere.

"Warum ist Michael Schumacher so gut? Weil er sich sieben Jahre lang seine Weltmeisterschaften immer wieder neu erarbeiten musste", stellte Lauda heraus. "Ein Spitzensportler kann sich nicht zurücklehnen, auch wenn er bereits auf dem höchsten Level Autorennen fährt. Eines gilt im Sport ebenso wie im Wirtschaftsleben: Wer eine Niederlage einstecken musste, sollte konsequent die Gründe analysieren. und diese immer zuerst bei sich selber suchen", meinte Lauda.

Eben das stößt Lauda auch im Zuge der schwierigen Wirtschaftslage sauer auf - der 60-Jährige hat mehr und mehr den Eindruck, dass die wahren Gründe nur verschleiert werden. "Ich halte nichts davon, wenn Manager bei der Ursachenforschung gerne auf die Weltwirtschaftskrise oder den hohen Ölpreis verweisen", sagte der Österreicher. "Übrigens, all dies kann ich Ihnen hier erzählen, nicht weil ich so gescheit bin, sondern weil mir das alles passiert ist, weil ich es selber so gemacht habe."

Fotoquelle: xpb.cc

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