Die FOTA-Teams haben den FIA-Delegierten die Sorgen erklärt

Formel 1 2009

— 13.06.2009

Die Mosley-Entmachtung wird vorbereitet

Die Teamvereinigung FOTA zeigt dem FIA-Weltrat und dem Senat die Fehler des Präsidenten auf: Max Mosley in der Schusslinie

In einem ausführlichen Brief an den FIA-Senat und an den Motorsport-Weltrat hat die Teamvereinigung FOTA ihre Sicht der aktuellen Dinge ausführlich dargelegt. In dem dreiseitigen Schreiben, welches die Unterschriften aller acht FOTA-Teamchef trägt, wurde die Vermutung geäußert, dass die Delegierten möglicherweise von den Verhandlungen, Entscheidungen und Absichten ihres Präsidenten zu wenig mitbekämen. Auch die Zielsetzungen der FOTA wurden noch einmal genauestens erläutert, um bei Weltrat und Senat Verständnis zu erwirken.

Dem Brief war umfangreiches Material beigefügt, welches die Positionen der Teams noch einmal deutlich darlegt und Max Mosley geradezu an den Pranger stellt. So enthielt der Anhang unter anderem eine Liste von Regeländerungen für das Jahr 2010, die ohne Absprache mit den Teams durchgesetzt worden sind. Aufgezählt wurden unter anderem die "Festlegung der Einschreibefrist ohne Einhaltung der normalen Prozeduren", oder die "Einführung von zwei parallelen Regelwerken".

Mosley kann Regeln fast im Alleingang machen

Den Hauptkritikpunkt in diesem Teil formulierte die FOTA deutlich: "Es ist derzeit nicht notwendig, dass Änderungen der sportlichen oder technischen Regeln vorab in Arbeitsgruppen bearbeitet werden. Die FIA kann diesen Ablauf einfach umgehen." Genau jener Missstand hatte den Streit erst eskalieren lassen. Mosley hatte alle Regelvorschläge der FOTA ignoriert und am 17. März seine eigenen Regeln samt Budgetgrenze vom Weltrat absegnen lassen.

Anscheinend stellten sich die sogenannten "Rebellenteams" eine ganz entscheidene Frage: Haben die Mitglieder des FIA-Senats oder des Weltrates die Vorschläge der FOTA überhaupt jemals zu Gesicht bekommen? Um dies wenigstens nun sicherzustellen, fügten die Teams ihrem Schreiben eine entsprechende Liste mit Ideen zu Kostensenkung, zur Förderung von Neueinsteigern und zur Verbesserung der Show in der Formel 1 noch einmal hinzu.

"Es ist unklar, ob die Budgetgrenzen-Teams die Vorschäge der FOTA nicht vielleicht ebenso akzeptiert hätten", heißt es in dem viele Seiten umfassenden Schreiben. Und weiter: "Unsere Vorschläge umfassen zum Beispiel homologierte Getriebe, Einschränkungen bei der Aerodynamikarbeit, Verbannung einiger Materialien und viele weitere Ideen." Man stellte außerdem dar, welche Fortschritte bereits aufgrund von FOTA-Initiativen gemacht worden seien: "Motorenkosten um 50 Prozent gesenkt, kostengünstige Getriebelieferungen, dramatische Senkung der Testausgaben,..."

Den größten Zündstoff birgt sicherlich der Anhang mit dem Titel "Annex 3 - Schedule 9 to 2009 Concorde Agreement - Governance" in sich. Darin führt die FOTA ihre präzisen Vorstellungen eines künftigen neuen Vertrages zwischen FIA, Vermarkter FOM und den Teams auf. Enthalten sind viele Paragraphen, die eindeutig in eine Richtung zielen: Entmachtung des FIA-Präsidenten. Ob das bei den Mitgliedern von Senat und Weltrat gut ankommt, ist fraglich.

Concorde Agreement ist der Schlüssel

Natürlich werden einige Delegierte großes Verständnis dafür aufbringen können, dass die Teams ihre Forderung nach einem stabilen Regelwerk und einer transparenten FIA-Führung Ausdruck verleihen. Aber auf der anderen Seite ist in dem Dokument klar formuliert, dass der Weltrat in seinen Kompetenzen beschnitten werden woll. Die FOTA fordert wieder den alten, bewährten Weg zur Verabschiedung von Regeln: Erst Arbeitsgruppe, dann Grand Prix Kommission, schließlich FIA-Weltrat.

Das mächtige World Motor Sport Council (WMSC) würde auf einem solchen Weg in seinem Einflussbereich deutlich eingeschränkt. Sollten unter solch einem Concorde Agreement zukünftig Regelvorschläge von den Arbeitsgruppen über die Grand Prix Kommission zum Weltrat zur Entscheidung gegeben werden, könnte der Weltrat nur zustimmen oder ablehnen. Eigenmächtige Anpassungen von Regeln hätten endgültig ein Ende.

Interessant ebenso: Die Teams sollen mit einem Vertreter im FIA-Weltrat vertreten sein. Dies werde bis auf Weiteres ein Mitglied von Ferrari sein, heißt es in dem Schriftstück. Dies bedeutet: Man wird Ferrari das von der FIA versprochene Vetorecht wohl entziehen wollen und die Italiener durch einen Sitz im FIA-Weltrat samt Stimmrecht dafür entschädigen. Sollte es zu strittigen Entscheidungen des FIA-Berufungsgerichts kommen, sollen diese Fälle in Zukunft vor dem obersten Sportgerichtshof CAS geklärt werden.

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Nico Rosberg: Die schönsten Jubelfotos

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Formel-1-Live-Ticker: Der Sonntag in der Chronologie

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.