Montezemolo droht in Le Mans erneuert mit dem Ausstieg von Ferrari

Formel 1 2009

— 13.06.2009

Montezemolo: "Das Problem wird sich so oder so lösen"

Luca di Montezemolo hat in einem klaren Statement zum Ausdruck gebracht, dass die FOTA keinen Schritt zurückweichen will: Formel-1-Reform oder Ausstieg

Luca di Montezemolo weilt gegenwärtig in Frankreich, am Circuit de la Sarthe, um genau zu sein. Der Ferrari-Präsident nutzte die Stippvisite bei den berühmten 24 Stunden von Le Mans, wo heute der Start des berühmten Langstreckenklassikers erfolgte, um seiner Position Nachdruck zu verleihen und die Entschlossenheit der FOTA-Teams im schwelenden Formel-1-Krieg zu demonstrieren.

"In ein paar Jahren wird das Problem mit der Formel 1 gelöst sein. Entweder dahingehend, dass die FIA verantwortungsbewusst und vernünftig sein wird, das wäre unser Wunschszenario oder, wie es in anderen Sportarten geschieht, indem wir unsere eigene Meisterschaft austragen", erklärte der Italiener der versammelten Presse. "Wenn man Motor, Getriebe, Marken, Technologien, Organisationen und Eigenkapital hat, ist das keine schwierige Sache. Das Problem wird sich demnach so oder so erledigen, ich hoffe sehr bald."

Der Ferrari-Präsident betonte dabei, dass er sich nichts lieber wünschen würde, als seine roten Flitzer weiterhin in der Formel 1 an den Start zu schicken, machte aber gleichzeitig jedoch klar, dass dies nicht um jeden Preis geschehen soll. Eine direkte Ausstiegsdrohung wollte er zwar nicht aussprechen, tat es aber dann indirekt doch.

Formel 1 soll nicht zu einer Formel 3 verkommen

"Wir können nicht jeden Tag wiederholen, dass wir an der nächsten Formel-1-Meisterschaft unter diesen Regeln nicht teilnehmen wollen wenn die Rechte von Ferrari missachtet werden. Daher würde ich heute gerne nicht allzu viel über die Formel 1 sprechen, weil hier die Gesprächsatmosphäre noch recht gut ist." In Le Mans dominiert momentan eben der Sport und weniger die Politik.

Gerade aufgrund der extrem langen Grand-Prix-Tradition von Ferrari ist ihm an einer Fortsetzung der Partnerschaft so gelegen, Ferrari und Formel 1 sind heute zwei nahezu untrennbare Begriffe geworden: "Ich hoffe persönlich sehr stark, dass wir unsere Probleme aussortieren können, weil ich schon seit 1973 als Teammanager bei Ferrari gearbeitet habe. Wir sind der einzige Hersteller, der von Anbeginn an in der Formel 1 ohne Unterbrechungen involviert war. Die Formel 1 ist für Ferrari ein Teil des Lebens, das Blut, die DNA."

"Ich bin nicht sehr glücklich", fuhr Montezemolo fort. "Wir alle sind unglücklich. Wir sind unglücklich darüber, dass die Situation so ist, wie sie ist, besonders wegen der Öffentlichkeit, den Zuschauern. Wir wollen nicht, dass die Formel 1 zu einer Formel 3 verkommt. Wir wollen die gegenwärtige DNA der Formel 1, den Technologiestand, die Innovationen und den Wettbewerb nicht nur erhalten, sondern auch ausbauen und verbessern."

Montezemolo hofft auf Einsicht der FIA

"Wir wollen die Kosten entscheidend senken, alle wollen das und ich denke, dass die FOTA eindrücklich demonstriert hat, dass sie in der Lage ist, die Kosten für Motor und Getriebe um 50 Prozent zu senken, wie es 2009 geschah", sagte der Ferrari-Präsident mit Hinblick auf das Budget-Cap von FIA-Präsident Max Mosley.

"Wir wollen in dieser Richtung weitermachen. Wir stehen zusammen und wir wollen eine Lösung finden. Ich bin sicher, in der FIA gibt es genug Leute, die über hinreichend Vernunft verfügen, zu verstehen, dass es jetzt keinen Sinn macht, Probleme aufzuwirbeln und die Formel 1 zu zerstören, sondern das Problem zu lösen."

Es gibt in der Tat mittlerweile einige Fans, die sich im immer undurchsichtiger werdenden Regeldschungel verlaufen haben und daraus das Interesse an der Formel 1 verloren haben. Montezemolo wünscht neben mehr Mitspracherecht bei Regeländerungen besonders auch ein stabiles Regelwerk: "Jedermann sieht, was in der Formel 1 gegenwärtig so passiert. Ich verstehe die Gründe dafür nicht. Unsere Bedingungen sind konstruktiv und eindeutig: Ein stabiles Regelwerk. Die Leute verstehen keine Regeln mehr, die sich alle sechs Monate ändern.

Im Falle eines Ausstiegs: Ferrari wieder in Le Mans?

"Mal ist es KERS, an einem anderen Tag wieder ein Einheitsmotor. Wir müssen nach vorne sehen und dabei auch den Zusammenhang zwischen Kosten und Regeländerungen betrachten, um neue Partner anzulocken. Ich bin sehr für neue Teams, allerdings meine ich damit Formel-1-Teams, keine Formel-3-Teams." Damit meint der Italiener die Neuankömmlinge von Campos und Manor.

Natürlich wurde Montezemolo im Rahmen des 24-Stunden-Rennens von Le Mans, ob dieser Langstreckenklassiker nicht mal wieder etwas für Ferrari wäre. Doch laut dem Italiener ist es "nicht möglich, in so vielen Serien gleichzeitig am Maximum zu operieren. Es gibt die Formel 1, es gibt Rennen wie Le Mans und den amerikanischen Rennsport. Alle sind jeweils sehr fordernd."

Doch sollte Montezemolo seine Drohung wahrmachen, dann könnte Ferrari nach Le Mans zurückkehren: "Wir wollen alles daransetzen, in der Formel 1 weitermachen zu können, sollten die richtigen Bedingungen herrschen. Sollte das nicht der Fall sein, betone ich vor all unseren Tifosi auf der ganzen Welt nahe stehen: Der Lebenssaft von Ferrari heißt Wettbewerb. Sollten wir aus der Formel 1 aussteigen, werden wir etwas anderes machen und mit Sicherheit wird einer unserer ersten Hauptaugenmerke auf Le Mans liegen."

Fotoquelle: xpb.cc

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