Felipe Massa bereitete den F60 samt Neuteilen in Fiorano vor

Formel 1 2009

— 17.06.2009

Ferrari: Gelingt in Silverstone der große Sprung?

Bei Ferrari setzt man große Hoffnungen in den runderneuerten F60: Neuer Flügel, neue Aufhängung, neue Chancen?

Für Ferrari hat das Grand-Prix-Wochenende bereits am Montag begonnen. Weil Testpilot Marc Gené sich nach seinem großartigen Le-Mans-Sieg am Wochenende eine Pause verdient hatte, sprang Vizeweltmeister Felipe Massa in Fiorano in den Wagen, um die neuesten Verbesserungen auszutesten. Auf der Geraden der Ferrari-Piste wurden unter anderem ein neuer Frontflügel und eine veränderte Aufhängungsgeometrie erstmals ausprobiert.

"Es ist zwar nicht besonders interessant für einen Fahrer, wie ein Roboter immer nur die Gerade auf und ab zu fahren, doch es war wichtig für das Team und für die Entwicklung des Autos", erklärte Massa, der an Testeinsätze während der Saison gar nicht mehr gewöhnt war. "Man kann bei einem solchen Geradentest nicht viel Feedback an die Ingenieure geben, aber man kann die Flügeleinstellungen verändern, die Daten aufzeichnen und sie mit den Werten aus dem Windkanal vergleichen. Stimmen die Werte überein, dann ist man auf einem guten Weg."

Viele neue Teile am F60

Massa wird in Silverstone erstmals ebenfalls ein leichteres Chassis zur Verfügung haben, welches Teamkollege Kimi Räikkönen bereits seit einigen Wochen benutzt. Neben einem veränderten Frontflügel, weiteren Aerodynamikteilen, und einer neuen Radbefestigung, hat man die Aufhängung überarbeitet. Konsequenz: Der F60 verlagert seinen Schwerpunkt nach vorne, das Handling sollte dadurch merklich besser werden. Angeblich hat man in Großbritannien auch ein leichteres KERS neuester Bauart im Gepäck.

"Die Strecke in Silverstone ist jener in Istanbul recht ähnlich, wo wir nicht besonders konkurrenzfähig waren", erklärte Massa. "Auch die kommende Strecke hat zu Beginn schnelle, flüssige Passagen und am Ende enge Kurven. Außerdem bekommen wir die gleichen Mischungen von Bridgestone. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass wir wieder Probleme bekommen werden. Die neuen Teile sollten uns in Silverstone schneller machen."

Außerdem habe man die Probleme aus Istanbul ausführlich analysiert und letztlich verstanden. "Wir sind übers Wochenende dort immer schlechter geworden. Wir sind sicher, dass es an den steigenden Temperaturen lag. Wir hätten unseren Heckflügel steiler stellen müssen, denn durch die Hitze haben wir an Haftung verloren. Das hätten wir durch mehr Abtrieb kompensieren müssen", erklärte der Brasilianer. "Der Fehler lag weniger am Auto als an unserer Herangehensweise."

Ähnlich wie vielen seiner Kollegen fällt auch Massa der Abschied aus Silverstone schwer. "Ich bin dort immer gern gefahren, auch wenn ich dort nicht allzu erfolgreich war. Man erinnere sich nur an meinen schlechten Auftritt im Regen im vergangenen Jahr", gab der Vizechampion ehrlich zu. 2008 hatte sich Massa in Silverstone zum Dreherkönig des Rennens gemacht. "Ich hoffe, dass der nächste Schauplatz des britischen Grand Prix ähnlich interessant sein wird."

Massa sieht "Piratenserie" als Alternative

Der Brasilianer ist bereits am Dienstag bester Laune nach London aufgebrochen. Dort stand eine PR-Aktion mit Sponsor Shell auf dem Programm. Am Donnerstag folgt die Weiterreise nach Silverstone. "Was auch immer sportlich am Wochenende passieren mag, die politischen Schlagzeilen werden sicher wieder dominant sein", klagte Massa. "Wenn ich im Auto sitze, denke ich nicht daran, sondern konzentriere mich ausschließlich auf meinen Job."

"Abseits des Cockpits denke ich aber sehr wohl darüber nach, weil es meine Zukunft und die Zukunft der Formel 1 betrifft", äußerte der 28-Jährige. "Ich verfolge die Situation sehr genau, weil sie sich auf mein persönliches Umfeld niederschlägt. Mir selbst sind leider die Hände gebunden: Es liegt an den Leuten der FIA und der Teams. Wir müssen auf jeden Fall wieder den Sport in den Vordergrund rücken, denn in den vergangenen Monaten gab es viel zu viele unsinnige Kämpfe."

Man solle seine Kräfte gefälligst so einsetzen, sodass der Sport für die Fans, die Teams, die Sponsoren und für die Fahrer besser werde. "Diese Kämpfe braucht niemand", betonte der Ferrari-Pilot. "Im Moment sieht es düster aus, aber wenn man eine Einigung findet, dann könnte es in eine gute Zukunft gehen. Wenn nicht, dann müssen wir die beste Variante wählen. Da die Teams sich einig sind, könnte es dann am besten sein, wenn man sich etwas anderes sucht, was für den Sport besser ist."

Während Massa seine Haltung im aktuellen Disput zwischen FIA und Teamvereingung FOTA klar und deutlich zum Ausdruck brachte, wollte Räikkönen mit diesen Streitereien gar nichts zu tun haben. Dem Finnen geht es ausschließlich um die sportlichen Aspekte. "Es ist oft windig in Silverstone und auch im Sommer regnet es oft dort", sagte der Weltmeister von 2007 mit Blick auf den anstehenden Grand Prix. Wegen der wechselnden Bedingungen sei es immer schwierig, ein passendes Setup zu erarbeiten.

Räikkönen hofft auf Podestplatz

"Wenn man in der Meisterschaft vorne liegt, dann hofft man immer auf stabile Bedingungen", so Räikkönen. "Bei uns ist das in diesem Jahr anders. Wir sehen die wechselnden Bedingungen als Teil des Spaßes beim Rennfahren in England. Erstmals fahren wir nach Silverstone ohne vorherige richtige Tests. Wir haben einige neue Lösung an Bord, die wir am Freitag erst einmal gründlich austesten müssen. Noch nie war es so wichtig, in den drei Freien Trainings möglichst viel zu erledigen."

Man erwarte zwar Fortschritte mit dem neuen Updatepaket, doch Wunder dürfe man sich nicht erhoffen. "Wir müssen geduldig sein. Wir entwickeln uns zwar konstant weiter, aber an einen Sieg gegen Brawn ist nicht zu denken", so Räikkönen. "Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in ein paar Wochen die Lücke zur Spitze geschlossen haben werden. Wir wissen, was die Fans erwarten. Wir geben alles, um erfolgreich zu sein."

Um die Erwartungshaltung bei den Ferraristi nicht zu hoch werden zu lassen, fügte der Finne hinzu: "Es wird ein schwieriger Grand Prix. Ein Podestplatz wäre ein tolles Resultat." Auch Räikkönen nannte Silverstone eine wichtige Station seiner Karriere: "Für mich war diese Strecke immer wichtig. Sie war im Grunde Ausgangspunkt meiner internationalen Karriere in den kleinen Formelklassen. Deswegen bin ich beim Abschied aus Silverstone etwas traurig, aber ich muss zugeben, dass ich Donington auch mag: Dort habe ich auch schon gewonnen..."

Fotoquelle: xpb.cc

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