Fernando Alonso würde sich nach Serien außerhalb der Formel 1 umsehen

Formel 1 2009

— 18.06.2009

Alonso: "Ich würde die Kategorie wechseln"

Hoffen auf eine Einigung: Die neue Formel 1 kommt für Fernando Alonso nicht in Frage, Indianapolis oder Le Mans wären schon eher ein Thema

Sportlich spielt Ex-Weltmeister Fernando Alonso mit seinem unterlegenen R29 an diesem Wochenende in Silverstone nur eine Nebenrolle, doch politisch zählt der Spanier zu den interessiertesten Piloten im Feld. Als solcher verfolgt er die Geschehnisse hinter den Kulissen ganz genau. Sollte es zwischen FIA und FOTA zu keiner Einigung kommen, würde er zumindest seine Formel-1-Karriere beenden, wie er heute im Fahrerlager erklärte.

Frage: "Fernando, gut möglich, dass dieses Jahr zum letzten Mal in Silverstone gefahren wird. Wirst du die Strecke vermissen?"
Fernando Alonso: "Ja. Alle werden Silverstone vermissen, denn es ist eine großartige Strecke. Ein Teil der Formel-1-Geschichte hat hier stattgefunden und große Fahrer haben hier gewonnen. Wir alle genießen es, hier zu fahren, aber so ist es nun mal."

Liebhaber der Traditionsstrecken

"Wir haben auch schon Imola, Magny-Cours, Montréal verloren. Stattdessen gehen wir in neue Länder: Abu Dhabi, China, Singapur. So entwickelt sich die Formel 1 eben seit ein paar Jahren. Ich finde das schade, denn ich werde Silverstone vermissen, aber Donington wird für alle eine neue Herausforderung. Hoffentlich werden wir auch dort unseren Spaß haben."

Frage: "Wirst du dieses Wochenende neue Teile am Auto haben? Erwartest du einen großen Schritt?"
Alonso: "Wir haben neue Teile, aber ich erwarte ehrlich gesagt keinen großen Schritt. Wir führen einen neuen Heckdiffusor mit einigen Modifikationen ein. Auch der Frontflügel ist ein bisschen verändert. Wir hatten den auch schon in der Türkei, aber dort hat er nicht funktioniert. Hoffentlich funktioniert er hier."

"Im Vergleich zur Türkei erwarten wir einen Sprung um eine halbe bis eine Zehntelsekunde. Das wird unsere Position nicht dramatisch verändern, sondern wir werden in etwa bleiben, wo wir sind. Wir werden aber weiterhin arbeiten. In den nächsten zwei Grands Prix können wir hoffentlich einen größeren Schritt machen als diesen."

Frage: "Wie kannst du dich angesichts der politischen Streitereien, die im Hintergrund stattfinden, überhaupt auf das Rennen hier konzentrieren?"
Alonso: "Wenn du im Auto sitzt, kriegst du davon nichts mit, denn in dem Moment, in dem du das Visier runterklappst und aus der Boxengasse fährst, bist du komplett auf den Grand Prix konzentriert. Du spürst das Adrenalin und bist motiviert. Im Rennen steckst du deine ganze Energie nur ins Fahren. Es stimmt aber, dass du abends im Hotel natürlich über diese Dinge nachdenkst. Hoffentlich finden sie eine Lösung. Wir alle wollen nächstes Jahr in der Formel 1 fahren, daher hoffe ich, dass es morgen eine Lösung geben wird."

Frage: "Glaubst du, dass es morgen zu einer Lösung kommen wird?"
Alonso: "Ich bin immer optimistisch. Ich hoffe wirklich, dass sie eine Lösung finden werden. Es sind schwierige Zeiten, die Formel 1 befindet sich in einer kritischen Situation. Wir müssen für alle möglichen Entscheidungen bereit sein."

Frage: "Wenn es morgen wieder keine Entscheidung gibt, wie würde sich das aus Fahrersicht auf den Rest des Wochenendes auswirken?"
Alonso: "Es würde sich schon auswirken, denn wenn wir erfahren, dass wir nächstes Jahr nicht mehr Formel 1 fahren werden, dann würde das schon einiges verändern. Es wäre nicht mehr das Gleiche. Wir wissen, dass wir auf jeden Fall in irgendeiner Serie fahren werden, aber es wäre anders."

Frage: "Aber wie würde es dich mental beeinträchtigen, deine Arbeit im Cockpit, wenn es wieder nicht zu einer Entscheidung kommt?"
Alonso: "Für uns ist die Entscheidung schon gefallen, denn wir sind aus dem WM-Rennen raus (grinst; Anm. d. Red.)! Man hofft immer auf einen Podestplatz, auf einen Sieg, aber das ist nicht gut genug. Es ist gar nicht so einfach, immer alles zu geben, wenn man nicht um die Meisterschaft kämpft. Wir werden sehen."

"Ich hoffe wirklich, dass es morgen gute Neuigkeiten gibt. Ich für meinen Teil unterstütze die FOTA-Teams, denn die haben in den vergangenen paar Jahren einen tollen Job gemacht und viel für die Formel 1 bewegt. Wir alle haben Verträge mit unseren Teams, daher werden wir auch zu unseren Teams stehen."

Neue Formel 1 ohne Hersteller kein Thema

Frage: "Heißt das, dass du nächstes Jahr in einer etwaigen FOTA-Alternativmeisterschaft an den Start gehen würdest?"
Alonso: "Natürlich! Für mich wäre die neue Formel 1 mit den kleinen Teams und ohne Fahrer nicht attraktiv. Wir wollen mit einem Maximum an Technologie gegen die besten Teams der Welt antreten. Wir wollen gegen die besten Fahrer kämpfen. Darum geht es doch in der Formel 1: um Wettbewerb. Sollte es den nächstes Jahr nicht mehr geben, dann würde ich die Kategorie wechseln."

Frage: "Glaubst du, dass du mit der FOTA-Serie dann auch wieder hier in Silverstone fahren würdest?"
Alonso: "Keine Ahnung."

Frage: "Angenommen, es kommt zu keiner Einigung und die FOTA stellt auch keine Alternativserie auf die Beine, würdest du dann zurücktreten?"
Alonso: "Nein, das nicht. Ich würde an einer anderen Meisterschaft teilnehmen. In der neuen Formel 1 mit den kleinen Teams werde ich jedenfalls sicher nicht fahren. Das ist für mich keine Technologie, das ist keine Formel 1, nicht die Kategorie, die wir seit 60 Jahren lieben. Es gibt andere Kategorien. Wir werden eine attraktive Kategorie außerhalb der Formel 1 - oder sogar außerhalb Europas - finden. Ich werde weiterhin Rennen fahren, schließlich bin ich erst 27 Jahre alt."

Frage: "Im Vorjahr sah es hier auch nicht besonders gut für dich aus, aber ein paar Rennen später hast du wieder gewonnen. Wenn man bedenkt, dass die Abstände dieses Jahr so knapp sind, hältst du das dann auch diesmal wieder für möglich?"
Alonso: "Ja, es ist möglich. Das ist die Hoffnung, die alle im Team haben. Nach dem Comeback am Ende der Meisterschaft im Vorjahr sind wir guter Dinge, dass uns dieses Jahr ein ähnliches Kunststück gelingen kann."

"Wir wissen, dass wir jetzt nicht konkurrenzfähig sind, aber wir wissen auch, dass wir eines der besten Teams in der Formel 1 sind. Wenn ein Team dazu in der Lage ist, sich zu erholen und am Jahresende wieder Rennen zu gewinnen, dann Renault. Wir werden bis zum Schluss kämpfen."

Frage: "Wie erklärst du dir, dass die großen Teams mit all ihrem Geld nicht an Brawn und Red Bull herankommen?"
Alonso: "Es ist erst ein Saisondrittel vorbei, sieben Rennen. Früher oder später wird Ferrari wieder Rennen gewinnen oder Brawn zumindest stärker unter Druck setzen. Ich glaube, dass die Diffusordiskussion dieses Jahr eines der Probleme ist. Die Topteams haben vor sechs Monaten ein Auto nach anderen Regeln entwickelt. Diese sechs Monate müssen wir jetzt aufholen. Das ist nicht einfach, denn man muss das Auto komplett redesignen, man muss die Aerodynamik umkrempeln. Das dauert eben. Aber früher oder später werden die Topteams wie gesagt wieder gewinnen."

Frage: "Warst du in Le Mans? Und würde dich das für nächstes Jahr als Alternative zur Formel 1 reizen?"
Alonso: "Nein, ich war nicht dort. Mir kam in letzter Minute etwas dazwischen und ich konnte nicht hinfliegen. Aber es gibt viele andere Kategorien - wie gesagt nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika. Es gibt dort nette Wettbewerbsfelder: Le Mans, Indianapolis, einige andere. Ich möchte mir da alle Türen offen lassen. Dennoch hoffe ich morgen auf gute Neuigkeiten."

Fotoquelle: xpb.cc

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