Nick Heidfeld rechnet erst am Nürburgring mit großen Fortschritten

Formel 1 2009

— 18.06.2009

Heidfeld und der Formel-1-Streit: "Ich stehe im Wald"

Nick Heidfeld hat genug von den Streitereien in der Formel 1: "Es geht Leuten auf den Geist" - Neuer Frontflügel soll BMW Sauber F1.09 schneller machen

Frage: "Nick, wie siehst du den anhaltenden Streit zwischen der FIA und den Teams der Vereinigung FOTA?"
Nick Heidfeld: "Ich stimme mit der Ansicht überein, dass es jetzt schon zu lange dauert. Jetzt beginnt langsam die Phase des Streits, wo es der Formel 1 richtig schadet. Ich habe mit so vielen Leuten gesprochen, die mir sagten, dass sie eine solche Situation nicht wollen. In einem gewissen Maße ist es sogar verständlich, dass es unterschiedliche Standpunkte gibt."

"Es ist schwierig, da eine Lösung zu finden. Aber wenn das noch länger anhält, dann wird der Sport Schaden nehmen. Es geht doch schon los, dass es Leuten auf den Geist geht, die sich nicht sonderlich stark für die Formel 1 interessieren."

Der Streit richtet Schaden an

Frage: "Wie bewertest du denn die Standpunkte von Max Mosley auf der einen Seite und den FOTA-Teams auf der anderen?"
Heidfeld: "Das ist nicht einfach zu beantworten, weil ich selbst auch nicht alle Hintergrundinformationen habe. Ich weiß nicht, worum es im Detail geht und was im Hintergrund noch diskutiert wird. Dem entsprechend kann ich nicht allzu viel dazu sagen. Von außen betrachtet meine ich, dass die Grundansätze von beiden Seiten verständlich sind."

"In den wichtigsten Dingen stimmt man eigentlich überein. Das macht es noch schwieriger zu verstehen, warum das solch ein großes Problem ist, dort weiterzukommen. Max und die Hersteller sind dafür, die Kosten zu senken. Das ist mit der wichtigste Punkt. Ich hätte nicht erwartet, dass es so schwierig ist, auf einen Nenner zu kommen."

Frage: "Falls es zur Abspaltung der FOTA-Teams kommt. Bleibst du dann beim BMW Sauber F1 Team oder bleibst du in der Formel 1?"
Heidfeld: "Erstens kann ich das jetzt gar nicht sagen, weil ich mich bezüglich meines Vertrages bislang nicht darum gekümmert habe. Zweitens müsste man erst einmal genau abschätzen können, was passieren wird. Man müsste mal schauen, welche Teams letztendlich in welcher Serie mitfahren. Deswegen kann ich das zurzeit gar nicht genau beantworten."

"Wie ich schon in Istanbul sagte: Das Ziel aller Rennfahrer ist es, in der höchsten Klasse zu fahren, mit den besten Teams und den besten Piloten. Dafür steht die Formel 1 zurzeit. Das ist genau das, was die FOTA meint, wenn man von der DNA der Formel 1 spricht. Entscheiden könnte ich mich erst dann, wenn klar ist, wo die besten Teams vertreten sind."

Frage: "Ihr Piloten seid doch in Istanbul von den Teamchefs über die Situation informiert worden. Wie lief das ab?"
Heidfeld: "Hauptgrund für das Meeting war der Austausch von Informationen. Das ging von den Fahrern zu den Teams, aber noch mehr von der FOTA zu den Fahrern. Wir haben dort ein Update bekommen. Natürlich hat sich seither täglich immer wieder etwas geändert. Auf Details zu diesem Austausch möchte ich nicht weiter eingehen."

Das Ende des Disputs ist völlig offen

Frage: "Meinst du, es gibt eine Lösung?"
Heidfeld: "Ich habe keine Ahnung, ich wäre von nichts überrascht morgen. Am meisten überrascht wäre ich, wenn es noch einmal eine Fristverlängerung gibt, also noch einmal einen Aufschub. Aber sogar das könnte ich mir vorstellen. Ich bin mir überhaupt nicht sicher. Im Moment steht man ein bisschen im Wald. Ich glaube auch, dass nicht einmal die Beteiligten jetzt wissen, wie es morgen endet."

Frage: "Kommen wir mal zur sportlichen Situation. Ihr werdet hier einen neuen Frontflügel am Auto haben. Erwartet ihr mehr Balance?"
Heidfeld: "Der Frontflügel sollte uns je nach Strecke etwas weiterbringen. Hier könnte er etwas mehr helfen, das Auto besser auszubalancieren. Wir werden es erst morgen wissen, wie groß der Unterschied ist. Es ist zwar ein ganz neuer Flügel, aber kein völlig anderes Konzept. Wie wir alle wissen: Auf der Strecke passieren manchmal Sachen, die man kaum vorhersagen kann."

"Wie immer kommt es auch darauf an, wie die Updates bei den anderen Teams greifen. Wenn man sich so umschaut, dann haben offenbar viele Teams größere Pakete mit an diese Strecke gebracht. Bei uns steht erst wieder am Nürburgring ein größeres Update an."

Frage: "Fährt ihr mit oder ohne KERS?"
Heidfeld: "Wir fahren hier wieder ohne KERS."

Frage: "In Istanbul hattet ihr erstmals den Doppeldiffusor. Ihr habt damit zwar einen Fortschritt gemacht, aber allzu groß fiel der nicht aus. Habt ihr die Szenerie analysiert?"
Heidfeld: "Im Nachhinein ist man immer schlauer. Es gab in meinen Augen keinen speziellen Casus Knacktus, den man finden konnte, der in Monaco da war. Da lief ja gar nichts. Dort hatten wir zwei, drei grundlegende Ideen, woran es hätte liegen können. In Istanbul war es auch eine Lernphase mit dem neuen Paket, wir mussten auch Feintuning betreiben. Aber es ist nicht so, dass wir eventuell ganz vorne stünden, wenn wir jetzt dorthin zurückgehen würden."

"Es ist nach wie vor so eng. Zwei oder drei Zehntelsekunden, dann bist du plötzlich ganz vorne dabei. Dann sieht die Welt wieder anders aus. In Istanbul gab es einen deutlichen Fortschritt, aber es fehlen immer noch ein paar entscheidende Zehntelsekunden, um konstant in die Punkte fahren zu können."

Testen von Neuteilen ist komplizierter

Frage: "Wie groß ist der Druck bei der Suche nach dem passenden Setup, wenn Kleinigkeiten gleich über so viele Positionen entscheiden?"
Heidfeld: "Es ist noch wichtiger geworden, aber erhöhten Druck spüren wir deswegen nicht. Zumindest habe ich an meiner Herangehensweise nichts geändert. Das macht keinen Unterschied."

Frage: "Kann man schonmal in Panik geraten, wenn schon am Freitag so gar nichts läuft?"
Heidfeld: "Egal, was sich da für Befindlichkeiten einstellen: Es ändert nichts an der Strategie oder am Konzept."

Frage: "Hat sich beim Entwickeln denn die Methodik verändert, weil man keine Testfahrten mehr hat?"
Heidfeld: "Da sind alle noch ein wenig in einer Lernphase. In dieser Saison stellt sich immer die Frage, ob man mehr als eine Komponente gleichzeitig ändern sollte. In der Vergangenheit hat man eine Sache verändert, dann Vergleichsfahrten gemacht und bekam eine klare Antwort. Uns fehlt für so etwas ganz einfach die Zeit und auch die Reifen reichen nicht für solche Vergleichsfahrten. Man probiert dann manchmal zwei neue Sachen gleichzeitig aus, bei Dingen, die man anhand der Daten präzise aufschlüsseln kann."

"Die Vergangenheit hat aber gezeigt, wenn ein Teil bei der ersten Fahrt besser ist, dann bleibt es auch besser. Da kannst du so viele Vergleichsfahrten machen wie du willst. Man muss nun sofort entscheiden, ob etwas gut ist oder nicht. Man muss extremer entscheiden. Bisher waren bei uns in fast allen Bereichen die Ergebnisse immer eindeutig. Wenn etwas nicht eindeutig ist, dann legt man es zur Seite. Man hat einfach nicht die Zeit, es im Detail auszutesten."

Fotoquelle: xpb.cc

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