Rollentausch: Im vergangenen Jahr saß Lewis Hamilton als Favorit dort

Formel 1 2009

— 18.06.2009

Hamilton 2009: Andere Ansprüche, andere Art

Lewis Hamilton in der Silverstone-Pressekonferenz: Die Erfolge von Jenson Button, die Probleme mit dem Auto und seine Entwicklung als Mensch

Frage: "Lewis, was hast du seit dem Grand Prix in Istanbul gemacht?"
Lewis Hamilton: "Ich hatte reichlich zu tun. Als das Rennen in der Türkei vorbei war, bin ich sofort nach Deutschland geflogen und habe mit den Leuten bei Mercedes gearbeitet. Das war ein anstrengender Tag. Am Dienstag bin ich nach Hause gekommen. Seitdem habe ich jeden Tag geschuftet, nur am Sonntag hatte ich einen Tag frei. Ich war die meiste Zeit in der Fabrik und ich habe an der Eröffnung der Mercedes-Benz-Pilotenakademie in Brooklands teilgenommen. Es war schön, dort Teil der Initiative zu sein."

"Gestern war auch ein toller Tag. Ich war gestern bei der 'Kids Company' von Vodafone. Dort werden Kinder wieder eingeliedert, die ihr Leben auf der Straße verbracht haben mit vielen Problemen, ohne Familie, ohne ausreichend Nahrung und anderen Sorgen. Nun kommen sie dort zurück ins Leben. Das war toll, vor allem war es schön, das Lächeln in den Gesichtern der Kids zu sehen. Was habe ich denn noch gemacht?"

Silverstone mit besonderen Emotionen

Frage: "Dein Auftritt im britischen Unterhaus?"
Hamilton: "Ach ja, ich musste dort vor dem britischen Unterhaus eine Rede halten. Das war ein wenig beängstigend. Ich habe mich intensiv darauf vorbereitet, was viel Arbeit war. Ich konnte seit Istanbul eigentlich nicht einen Tag richtig trainieren."

Frage: "Wie denkst du über Silverstone? Viele Fahrer verbinden sehr viel mit der Strecke und wollen sie gern im Kalender halten. Wie denkst du darüber, gerade unter dem Aspekt, dass es dein Heimrennen ist?"
Hamilton: "Es ist eine tolle Strecke mit umfangreicher Geschichte. Hier haben wir schon als Kinder tolle Sieger und großartige Weltmeister fahren sehen. Es ist immer wieder schön, hierher zu kommen und sich auf die Spuren früherer Sieger zu begeben. Man will hier für ganz Großbritannien siegen."

"Die Fans sind im Vergleich zu anderen Austragungsorten erstklassig. Man hat hier die meisten Emotionen, es liegt regelrecht etwas in der Luft. Es kann hier Gewitter geben, stark regnen oder sonst irgendwelches Wetter sein. Die Leute bleiben auf ihren Sitzen und spannen höchstens einen Regenschirm auf. Die Fans bieten einem unendliche Unterstützung. Ich tue im Gegenzug alles dafür, dass es auch weiterhin einen britischen Grand Prix gibt, wo immer der auch stattfinden wird."

Frage: "Welche Hoffnungen verbindest du mit dem kommenden Wochenende?"
Hamilton: "Ich glaube, vor allem Jenson Button versteht ganz genau, was es bedeutet, wenn man einfach nicht das passende Material zur Verfügung hat, um die richtigen Resultate einfahren zu können. Man holt dennoch immer das Beste auf der jeweils aktuellen Grundlage heraus. Jenson hat im vergangenen Jahr immer alles gegeben und er tut das nun in unveränderter Form. Das gleiche gilt für mich. Ich versuche, aus dem mir zur Verfügung stehenden Auto das Maximum herauszuholen."

"Ich will möglichst alle Rennen ins Ziel bringen und das Team nach vorne pushen. Für mich wird es hier ein schwieriges Rennen, weil es ein schneller Kurs ist. Aber wir haben auch Fortschritte gemacht. Wir haben zwar nicht allzu viele neue Teile im Gepäck, aber beim Setup haben wir Anpassungen, die sich hoffentlich auszahlen werden. Wir werden es aber erst morgen wirklich wissen. Ich glaube nicht, dass ich Jenson folgen kann, aber ich gebe mein Bestes."

Der Wunsch nach Regen?

Frage: "Im vergangenen Jahr hast du hier im Regen gewonnen. Wünschst du dir also auch am kommenden Wochenende Regen?"
Hamilton: "Im vergangenen Jahr hatte ich mir Regen gewünscht und genauso kam es dann. Eigentlich ist es mir an diesem Wochenende ziemlich egal. Im Trockenen können wir natürlich mehr Dinge ausprobieren und eher eine Richtung erkennen, in welche wir entwickeln müssen. Je mehr Informationen für eine Analyse wir bekommen, desto besser ist es. Sollte es regnen, hätte man gerade auf dieser Strecke hier bessere Möglichkeiten. Im Vergleich zu anderen Strecken kann man hier im Regen richtig viel gutmachen, das käme mir vielleicht entgegen."

Frage: "Wie siehst du die Karriere von Jenson, der nach langen erfolglosen Jahren nun von Sieg zu Sieg fährt?"
Hamilton: "In den neun Jahren hat er zwar oft nicht das Material für erstklassige Resultate gehabt, aber er hat in all dieser Zeit ganz sicher sehr viel gelernt. Das beweisen seine Leistungen in diesem Jahr. Er hat in diesem Jahr bisher einen fantastischen Job gemacht. Ich bin sicher, dass ihn eventuelle Fehler und Pannen der Vergangenheit nur noch stärker gemacht haben. Er hat nun endlich das passende Auto und er fährt genauso gut wie zuvor, wenn nicht sogar noch besser. Das ist doch großartig für ihn."

"Ich wünsche mir für mich gar keinen anderen Verlauf. Ich habe meine Karriere bisher genossen. Ich habe gute und schlechte Zeiten erlebt. Ich hatte einige gute Jahre - sagen wir mal die vergangenen vier Jahre. Nun kommt eben eine Phase, wo es nicht ganz so gut läuft. Das gehört zum Lernprozess und ist ein Teil des Lebens. Die Erfahrungen aus schlechten Zeiten prägen einen Menschen und bilden den Charakter. Mit gefällt diese Erfahrung, ich nehme sie dankbar an und wie daraus so gestärkt wie nur möglich hervorgehen."

Frage: "Du hast eben gesagt, dass du alles für den Erhalt des Grand Prix in Großbritannien tun willst. Was kannst du denn tun? Willst du Silverstone oder Donington kaufen?"
Hamilton: "Nein, das ist natürlich nicht möglich. Aber ich möchte - wie Jenson auch - alles in meiner Macht stehende tun. Ich will mich gemeinsam mit dem BRDC und den anderen Fahrern einsetzen, in meiner Rolle als Weltmeister die Aufmerksam erzeugen, die nötig ist, damit der Grand Prix Unterstützung erfährt. Viele Leute schauen sich wahrscheinlich den Grand Prix an und realisieren gar nicht, was wir alle daran haben. Sie merken nicht, was wir verlieren würden."

"Wir müssen klarmachen, wie der Motorsport ohne den Grand Prix aussehen würde. Wir müssen das verstehen, erkennen und dann entsprechend handeln. Wir arbeiten alle zusammen. Wir brauchen aber auch die Unetrstützung der Regierung. Wir brauchen Hilfe von anderer Seite, woher auch immer. Es sind ja nicht nur wir Fahrer davon betroffen. Es geht um ganz viele Jobs, die indirekt mit dem Grand Prix verbunden sind. Es sind tausende Menschen darin involviert. Es wäre eine Schande, wenn man das aufs Spiel setzt."

Als Fahrer gefordert, als Mensch gereift

Frage: "Wie hat sich deine Situation verändert, seit du im vergangenen Jahr als großer Favorit hier gesessen hast? Nun sitzt Jenson hier in der Position, die du im vergangenen Jahr inne hattest..."
Hamilton: "Wir sitzen sogar auf den gleichen Plätzen. Im vergangenen Jahr war auch noch David Coulthard bei der Pressekonferenz. Aber nun gut: Es fällt mir gar nicht einmal so schwer. Ich bin stolz auf das, was Jenson in diesem Jahr schon erreicht hat. Ich bin froh, dass er die britische Fahne hochhält und uns an der Spitze repräsentiert."

"Es ist nun einmal so, dass wenn ich es selbst nicht schaffen kann, dann soll es wenigstens ein Landsmann packen. Wir haben doch großes Glück, dass Jenson das leisten kann. Ich selbst sitze hier, habe eine tolle Startnummer auf dem Auto und allein deswegen schon ein gutes Gefühl. Ich bin stolz auf meinen Erfolg und arbeite genauso hart weiter wie bisher. Ich bin da, kämpfe noch und gebe alles. Hoffentlich können wir das noch ein paar Jahre so weitermachen."

Frage: "Lewis, dein gesamtes Auftreten hat sich seit deinem Gewinn der Weltmeisterschaft verändert. Du trägst die Verantwortung eines Champions und hast viele PR-Termine zu erledigen. Du hast gesagt, die aktuelle Situation würde dich als Mensch weiterbringen. Aber hilft sie dir tatsächlich dabei, dein Auftreten im Rahmen der Formel 1 anzupassen und dich wohler zu fühlen?"
Hamilton: "Ja. Ich denke, das ist aber ein Teil der ganz normalen Entwicklung. Man wächst eben immer weiter und lernt hinzu. Das ist doch bei jedem so. Ich erinnere mich an mein Treffen mit Nelson Mandela. Der sagte mir, er lerne heute noch Tag für Tag hinzu - und er ist 90 Jahre alt! Ich habe mir das zu Herzen genommen und mir ist es wichtig, in jedem Jahr, an jedem Tag weiter zu lernen."

"Es war ein harter Start in die Saison, weil uns klar war, dass wir nicht um Siege kämpfen können und es war genauso hart, es dann auch tatsächlich in der Realität so zu erleben. Du musst aber auch in solchen Situation immer weiter pushen, damit du Fehler aufdeckst, analysieren kannst. Man muss seine Emotionen in gewisse Bahnen kanalisieren, in die passende Richtung arbeiten - all diese Dinge. Daran habe ich gearbeitet, aber natürlich war es bisher bestimmt kein leichtes Jahr."

"Ich werde erwachsener und lerne mit Situationen umzugehen und positiv zu bleiben, damit ich das Team voranbringen kann. Ich glaube, da obliegt mir eine große Verantwortung und ich bin stolz, dass ich das tun darf. Umso schöner, wenn man diese Entwicklung tatsächlich an mir bemerkt."

Fotoquelle: xpb.cc

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