FIA-Präsident Max Mosley nimmt die Teams offenbar immer noch nicht ernst

Formel 1 2009

— 19.06.2009

Mosley: "Piratenserie" wird nicht passieren

Max Mosley bleibt Hardliner, nimmt den Abspaltungsbeschluss von acht Teams nicht ernst und glaubt, dass es nicht zur "Piratenserie" kommen wird

Die Teamvereinigung FOTA hat heute Morgen offiziell bekannt gegeben, dass ihre acht Mitglieder 2010 eine "Piratenserie" ohne die FIA gründen werden. Das wäre ein Szenario, das niemand haben will, aber alleine durch die zugehörige Pressemitteilung sollte klar sein, wie angespannt die Lage im Moment ist. Nur Max Mosley nimmt weiterhin alles auf die leichte Schulter.

"Ich nehme das nicht so ernst wie manche andere, denn ich weiß, dass hier nur posiert wird", relativiert der FIA-Präsident in einem 'BBC'-Interview. "Das alles wird zwischen jetzt und dem ersten Rennen der nächsten Saison im März 2010 aufhören. In den nächsten neun Monaten wird ja nichts passieren, da kann man leicht große Sprüche klopfen. Aber wir alle wissen, dass in Melbourne 2010 alle Teilnehmer der Formel-1-Weltmeisterschaft der FIA sein werden."

Gehen die Hersteller sowieso?

Mosley kann sich lediglich vorstellen, "ein bis drei" Herstellerteams zu verlieren, doch diese wären seiner Meinung nach sowieso ausgestiegen und nutzen den aktuellen Streit nur als billigen Vorwand: "Sie können in der Krise nicht Regierungsgelder annehmen und gleichzeitig hunderte Millionen in die Formel 1 pumpen." Aber: "Die großen Traditionsteams - und dazu zähle ich auch Ferrari - müssen dabei bleiben und werden dabei bleiben. Es wird sich eine Lösung finden."

"Ich bin mir da sicher, denn eine Einigung liegt im Interesse aller", so der Brite. "Es liegt im Interesse der Teams, Teil der Formel-1-Weltmeisterschaft zu sein, und es gibt keinen fundamentalen oder wichtigen Grund, der dagegen spricht. Es geht nur um Persönlichkeiten und Macht und darüber, wer was von wem haben kann. Das ist leicht, wenn nichts auf dem Spiel steht, aber wenn das erste Rennen näher kommt, dann werden sie da sein."

Eines gibt er jedoch ganz offen zu: "Es muss einen Kompromiss geben, denn sie können es sich nicht leisten, nicht Teil der Formel-1-Weltmeisterschaft zu sein, während wir nur sehr ungern eine Formel-1-Weltmeisterschaft ohne sie veranstalten würden. Mit sie meine ich die acht Teams." Zu diesen "Rebellen" zählen alle derzeitigen Formel-1-Teams exklusive Williams und Force India, wobei Force India eigentlich auch eher der FOTA-Front zuzuordnen ist.

FIA verklagt Ferrari und die FOTA

In einer Reaktion auf die Drohung der FOTA, eine "Piratenserie" ins Leben zu rufen, kündigte die FIA rechtliche Schritte gegen die FOTA und besonders Ferrari an. Außerdem wird morgen wider Erwarten nicht die finale Nennliste für die Weltmeisterschaft 2010 veröffentlicht. Das kann sich die FIA nicht leisten, denn: Nach aktuellem Stand würden darauf die fünf bisher bestätigten Teams plus acht weitere Neueinsteiger aufscheinen.

Doch angenommen es kommt doch noch zur von Mosley erwarteten Einigung mit den FOTA-Teams, dann hätte die FIA keine Startplätze mehr im Angebot. Also wird die Nennliste vorerst auf sich warten lassen. Sollten die Startplätze vergeben und den Neulingen dann doch wieder weggenommen werden, könnte die FIA verklagt werden. Außerdem will die FIA Ferrari und die Red-Bull-Teams aufgrund alter Verträge anführen, doch Ferrari und Red Bull wehren sich dagegen.

Interessant ist auch ein weiterer Aspekt des heutigen Tages: Seit der Androhung der "Piratenserie" ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr neue Teams angenommen werden, gestiegen. Prompt zogen Lola und N.Technology ihre Einschreibungen zurück - fast so, als hätten sie sich nur eingeschrieben, als noch kein Risiko bestand, tatsächlich ein Formel-1-Team auf die Beine zu stellen. Oder laufen einige der Bewerber nun gar zur FOTA über?

Die Chronologie des FIA/FOTA-Streits:

5. März 2009: Die FOTA stellt in Genf ihre Sparpläne für die Formel-1-Saison 2010 vor. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen die Kosten halbiert und gleichzeitig die Show verbessert werden.

17. März: Der Motorsport-Weltrat der FIA beschließt für die Saison 2010 eine freiwillige Budgetobergrenze von 33 Millionen Euro und will den Teams, die sich dieser Grenze unterwerfen, größte technische Freiheiten gewähren. Damit gäbe es zwei unterschiedliche Reglements innerhalb der Formel 1, womit die Teams überhaupt nicht einverstanden sind.

30. April: Der Weltrat erhöht die Budgetgrenze auf knapp 45 Millionen und schließt unter anderem Fahrergehälter sowie die Kosten für Motoren und für Marketingmaßnahmen explizit aus. Das Zweiklassenreglement bleibt dagegen in der Planung.

12. Mai: Der Ferrari-Vorstand droht offiziell mit dem Ausstieg aus der Formel 1, falls die FIA die Regeln für 2010 wie geplant umsetzt. Auch Red Bull, Toyota und Renault denken öffentlich über einen Abschied nach.

20. Mai: Ein französisches Gericht weist einen Eilantrag von Ferrari ab, mit dem die Italiener die vom Automobilweltverband geplante Einführung einer Budgetobergrenze stoppen wollten. Die Scuderia hatte vergeblich auf ein Vetorecht bei Regeländerungen aus einem separaten Vertrag mit der FIA gepocht.

22. Mai: Am Rande des Grand Prix von Monaco diskutieren Vertreter von FOTA und FIA mehrere Stunden lang, kommen aber zu keiner Einigung.

25. Mai: Williams schreibt sich als erstes aktuelles Team bei der FIA für die WM 2010 ein und wird danach vorläufig aus der FOTA ausgeschlossen.

29. Mai: Am letzten Tag der von der FIA gesetzten Einschreibefrist melden die FOTA-Teams für die Saison 2010, verknüpfen ihre Einschreibung aber mit Bedingungen.

5. Juni: Force India verzichtet auf die gesetzten Bedingungen und wird wie Williams vorläufig aus der FOTA ausgeschlossen.

7. Juni: Die Fahrergewerkschaft GPDA sichert der FOTA ihre Unterstützung zu.

11. Juni: Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali warnt die FIA, die Scuderia auf die offizielle Starterliste zu setzen, ohne die Bedingungen zu akzeptieren.

12. Juni: Die FIA gibt 13 Teilnehmer für die Saison 2010 bekannt. Dabei nennt der Verband Ferrari, Red Bull und Toro Rosso gegen deren ausdrücklichen Willen als Teilnehmer ohne Bedingungen. Die fünf übrigen FOTA-Teams BMW, Brawn, McLaren-Mercedes, Renault und Toyota werden als vorläufige Starter eingestuft und aufgefordert, bis zum 19. Juni (Geschäftsschluss) ihre Bedingungen zurückzuziehen. Noch am Abend fordert die Vereinigung europäischer Automobilhersteller (ACEA) Reformen innerhalb der FIA.

13. Juni: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo erneuert in Le Mans den Ferrari-Standpunkt, ohne das Akzeptieren der Bedingungen die Formel 1 zu verlassen.

15. Juni: Die FIA wirft in einer Pressemitteilung "einem Element" in der FOTA vor, ohne Rücksicht auf den Sport jegliche Einigung verhindern zu wollen.

16. Juni: Die FIA beschuldigt die FOTA, die Macht in der Formel 1 an sich reißen zu wollen, und bezeichnet ein Treffen mit der Finanzgruppe der FOTA als ergebnislos.

17. Juni: Die FOTA unternimmt einen letzten Versuch, einen Kompromiss mit der FIA zu finden, bietet Mosley in einem Brief einige Zugeständnisse an und regt eine Verlängerung der Frist bis zum 1. Juli an. Mosley beharrt allerdings auf der Frist zur Rücknahme der Bedingungen und bietet lediglich Nachverhandlungen an.

19. Juni: Die FOTA-Teams ziehen ihre Einschreibung für die WM 2010 zurück und wollen eine eigene Serie gründen. Die FIA erklärt, sie sei enttäuscht, aber nicht überrascht von diesem Schritt.

Fotoquelle: xpb.cc

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