Mark Webber ein bisschen sauer, der Rest happy: Qualifying in Silverstone

Formel 1 2009

— 20.06.2009

Vettel stiehlt den Briten im Qualifying die Show

Die "Local Heroes" Jenson Button (6.) und Lewis Hamilton (19.) wurden im Qualifying in Silverstone schwer geschlagen - Pole-Position für Sebastian Vettel

Aus der von den Briten erträumten Pole-Position eines "Local Heroes" beim letzten Grand Prix in Silverstone ist heute nichts geworden; stattdessen sicherte sich ausgerechnet ein Deutscher den ersten Startplatz auf der Insel: Sebastian Vettel (Red-Bull-Renault) wird morgen zum dritten Mal in dieser Saison als Erster in ein Formel-1-Rennen gehen.

Vettel hatte auf dem Weg zur Pole-Position eigentlich nur einen Gegner, nämlich seinen Teamkollegen Mark Webber, der ihn im ersten Segment sogar noch geschlagen hatte. Webber lag auch nach dem ersten Run im Top-10-Finale mit einer Zeit von 1:20.040 Minuten noch klar in Führung, konnte sich im Finish aber nur noch um knapp zwei Zehntel steigern, während Vettel fast eine Sekunde fand und die Bestzeit auf 1:19.509 Minuten herunterschraubte.

Neue Teile bewähren sich

"Ein tolles Wochenende", strahlte Vettel. "Ich hatte nicht ein Problem und die neuen Teile funktionieren gut. Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne. Es war aber nicht einfach, sondern ich hatte da und dort mit Verkehr und mit dem Wind zu kämpfen. Meine beiden Runs in Q3 waren sehr gut, vor allem der letzte - das war meine beste Runde des Wochenendes! Ich konnte die Reifen perfekt nutzen und habe es auf den Punkt gebracht. Letztendlich hat es gereicht."

Übrigens mit ein bisschen Schützenhilfe von Kimi Räikkönen (9./+ 1,206), denn der Ferrari-Pilot machte sich in der Bremszone vor Stowe vor Webber breit - nicht gerade eine böswillige Blockade, aber doch genug, um Webber ein bisschen von der Ideallinie abzubringen. "Kimi stand im Weg - keine Ahnung, ob er geträumt hat oder eine Flasche Wodka intus hatte", schimpfte Webber. "Aber egal: Ich hätte gerne mehr rausgeholt, bin aber trotzdem Dritter."

Zwischen den beiden reihte sich Rubens Barrichello (Brawn-Mercedes/+ 0,347) ein, der auf einer seiner Lieblingsstrecken wieder einmal über sich hinauswuchs: "Ich bin sehr zufrieden", freute sich der Silverstone-Sieger von 2003. "In Q3 bin ich wirklich ins Extrem gegangen. Ich habe die Luft angehalten und eine sehr gute Runde hingelegt. Wir haben eine gute Balance. Es wird schwierig, die Red Bulls zu schlagen, aber ich werde es versuchen."

Barrichello in Topform

Barrichello hat damit ausgerechnet in dessen Heimat den umjubelten Lokalmatador Jenson Button geknackt, der sich nur für den sechsten Startplatz qualifizierte. Das Brawn-Team hatte nicht den Funken einer Chance gegen den runderneuerten Red-Bull-Renault mit der breiten Nase - Button fehlten am Ende 0,780 Sekunden auf die Spitze. Allerdings ist all das mit Vorsicht zu genießen, solange die Benzinmengen noch nicht bekannt sind.

"Jenson ist weit hinten - das ist gut", grinste Polesetter Vettel, fügte aber mit ernstem Unterton an: "Du weißt nie, was im Rennen passieren wird. Ich hoffe auf ein sauberes Rennen. Wir werden unser Bestes geben." Zwischen den Red Bulls und dem WM-Leader siedelten sich noch Jarno Trulli (Toyota/+ 0,582) und Kazuki Nakajima (Williams-Toyota/+ 0,707) an. Letzterer hatte in Q1 sogar sensationell Bestzeit erzielt.

Q1-Bestzeit für starken Nakajima

Nakajima war somit schneller als sein Teamkollege Nico Rosberg (7./+ 0,852), der sich die vierte Startreihe mit seinem Landsmann Timo Glock (Toyota/+ 0,981) teilen muss. Auch die Ex-Weltmeister Räikkönen und Fernando Alonso (Renault/+ 1,232) schafften den Sprung in die Top 10. Interessantes Detail am Rande: Räikkönen prügelte den Ferrari in Q2 im fahrerisch anspruchsvollen ersten Sektor mit Becketts in 24,9 Sekunden zu einer absoluten Bestzeit.

Seinen Teamkollegen Felipe Massa (11.) hatte es bereits in Q2 erwischt, ebenso wie das komplette BMW Sauber F1 Team und Heikki Kovalainen (13.). Der finnische McLaren-Mercedes-Pilot darf mit seiner Leistung dennoch zufrieden sein, denn im ersten Segment gewann er das Stallduell gegen Vorjahressieger Lewis Hamilton um 185 Tausendstelsekunden. Insgesamt steht es zwischen den beiden damit nach acht Rennen 4:4.

Doch das heutige Ergebnis ist in dieser Hinsicht nur bedingt aussagekräftig, denn Hamilton musste seine letzte schnelle Runde in den ersten 20 Minuten wegen roter Flaggen abbrechen. Ausgerechnet sein Kumpel Adrian Sutil (18./Force-India-Mercedes) kam in der Abbey-Kurve wegen eines Bremsdruckverlusts von der Strecke ab und krachte mit hoher Geschwindigkeit in die Leitplanken. 24 Sekunden Restzeit reichten nicht mehr für eine weitere schnelle Runde aus.

Sutil nach Crash leicht angeschlagen

Sutil überstand den Crash im Gegensatz zu seinem Fahrzeug unbeschadet, musste sich aber dennoch vorsichtshalber im Medical-Center untersuchen lassen: "Ich gehe davon aus, dass ich morgen am Start sein werde", sagte der Deutsche anschließend. Bitter: Gegen seinen routinierten Teamkollegen Giancarlo Fisichella (16.) zog er wegen des Schnitzers im entscheidenden Moment um 0,107 Sekunden den Kürzeren.

"Es war klar, dass wir auf diesem Kurs mit seinen schnellen Kurven und unserem Abtriebsdefizit kaum über den zweiten Abschnitt kommen würden", erklärte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Der Abbruch nahm Lewis die Chance, bestenfalls sechs oder sieben Plätze weiter vorne zu landen. Mehr wäre leider nicht drin gewesen. Es tut weh, nicht ins Geschehen eingreifen zu können. Wir haben viel Arbeit vor uns, um zu unserer alten Form zurückzufinden, aber wir werden und müssen das schaffen."

Für den morgigen Grand Prix, den Button vor eigenem Publikum liebend gerne zum ersten Mal gewinnen würde, gelten nun die Red Bulls als klare Favoriten. Silverstone-Spezialist Barrichello sollte man allerdings immer auf der Rechnung haben - und sollte es regnen, kann sowieso alles passieren, wie wir spätestens seit der vergangenen Saison wissen. Der damalige Sieger Hamilton würde angesichts seines Starts aus der letzten Reihe wohl viel für ein Regenrennen geben...

Fotoquelle: xpb.cc

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