Ausgerechnet BMW hat entschieden, KERS künftig nicht mehr einzusetzen

Formel 1 2009

— 20.06.2009

BMW springt ab: Bye, bye KERS?

Ausgerechnet der einzige KERS-Befürworter BMW hat entschieden, das Energierückgewinnungssystem 2009 nicht mehr einzusetzen

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das BMW Sauber F1 Team entschieden hat, das Energierückgewinnungssystem KERS in diesem Jahr nicht mehr einzusetzen. Denn dass KERS in der Formel 1 überhaupt eingeführt wurde, ging ausschließlich auf die Kappe der Münchner, die mit ihrem Veto das geplante Verbot zu Fall brachten.

"Wir haben uns dieses Thema in den vergangenen Wochen genauer angesehen, haben Richtungen verfolgt, wie wir aerodynamisch und mit KERS weiterentwickeln können, haben evaluiert, was ohne KERS möglich wäre. Dabei sind uns aerodynamische Fortschritte gelungen, die einen Einbau von KERS nicht zulassen. Daher haben wir vor ein paar Tagen die Entscheidung getroffen, dieses Jahr nicht mehr mit KERS zu fahren", erklärt Mario Theissen.

Aerodynamik überschattet KERS

"Wir halten die Aerodynamik für die viel versprechendere Entwicklungsrichtung", sagt der BMW Motorsport Direktor und orientiert sich damit am einsamen WM-Spitzenreiter Brawn, dem es ohne KERS gelungen ist, ein von Aerodynamik und Gewichtsverteilung her optimiertes Chassis zu entwickeln. Somit fahren in Silverstone nur noch zwei von 20 Autos - die beiden Ferraris - mit der heiß diskutierten Hybridtechnologie.

Doch Theissen weigert sich dagegen, das KERS-Projekt als gescheitert zu betrachten: "Ich würde nicht sagen, dass die Technologie ein Flop ist", betont er. "Angesichts der kurzen Entwicklungszeit war es ein riesiger Erfolg, KERS zum Funktionieren zu bekommen. Unser System funktioniert gut - es gab nicht einmal im strömenden Regen in Malaysia Probleme." Offenbar konnte aber auch kein Wettbewerbsvorteil erzielt werden.

Dafür hat BMW laut Theissen in einem anderen Bereich sehr von KERS profitiert: "Uns ist ein Transfer in die Serienproduktion gelungen. Unsere Ingenieure unterstützen die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in München und das wird noch eine ganze Weile weitergehen. Wir haben eine Menge gelernt. Das kann man nicht nur für Hybridautos anwenden, sondern auch für Elektrofahrzeuge und konventionelle Autos."

Das endgültige Aus für KERS?

Die Entscheidung von BMW scheint für KERS der endgültige Sargnagel zu sein: "Wenn es nicht verpflichtend gemacht wird, wird KERS verschwinden", vermutet Theissen. "Ich bedaure das, denn das wäre eine einmalige Chance gewesen, die Formel 1 als Technologieinnovator zu positionieren. Gerade im jetzigen wirtschaftlichen Klima wäre das sehr gut gewesen. Aber wenn man eine Innovation vorantreiben will, dann muss man sich voll darauf konzentrieren."

2010 wird KERS vermutlich von der Bildfläche verschwinden - in der neuen FOTA-Serie sowieso, in der Formel 1 unter FIA-Regie wahrscheinlich auch: "Die Regel könnte drin bleiben, aber es würde keiner KERS fahren, weil sich die FOTA-Teams darauf verständigt haben, es nicht einzusetzen. Theoretisch wäre aber natürlich möglich, dass es ein Nicht-FOTA-Team gibt, das damit fährt", erläutert Theissen.

Dass BMW, Mercedes und Renault ihr KERS in Silverstone nicht verwenden, liegt auch an der Streckencharakteristik. Bis zur Stowe-Kurve wird nämlich nicht gebremst, sodass das System bis dorthin gar nicht aufgeladen werden kann. Das führt die von der FIA anvisierte Verdoppelung der Kapazität ad absurdum: "Wenn pro Runde nicht mehr Energie verfügbar ist, dann bringt eine Verdoppelung der Energie nichts", bestätigt Theissen.

Fotoquelle: xpb.cc

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