Sebastian Vettel stand die Rührung über den Sieg ins Gesicht geschrieben

Formel 1 2009

— 21.06.2009

Weltmeisterschaft wieder spannend: Sieg für Vettel!

Red Bull dominierte den Heim-Grand-Prix in Silverstone und feierte einen Doppelsieg vor Rubens Barrichello - Jenson Button verliert sieben Punkte

So gerne hätte Jenson Button seinen Heim-Grand-Prix in Silverstone gewonnen, aber ausgerechnet in Großbritannien verfehlte der Seriensieger der Saison 2009 sogar erstmals das Podium: Der Brawn-Mercedes-Pilot wurde lediglich Sechster und büßte damit sieben Punkte auf Triumphator Sebastian Vettel ein, der heute nicht zu schlagen war.

Der Red-Bull-Renault-Star fackelte vom ersten Meter an ein sensationelles Feuerwerk ab und ließ nie auch nur den geringsten Zweifel an seinem Sieg aufkommen. Wie viel es auch für einen Deutschen bedeutet, den Klassiker in Silverstone zu gewinnen - noch dazu möglicherweise den letzten vor dem Umzug nach Donington -, wurde bei der Siegerehrung klar, als Vettel während der deutschen und österreichischen Hymne die Augen schloss und sich ganz seinen Emotionen hingab.

Mit Vettel und dem zweitplatzierten Mark Webber durfte Stardesigner Adrian Newey auf das Podium, dessen runderneuerter RB5 an diesem Wochenende eingeschlagen hat wie eine Bombe. Daher war für Silverstone-Spezialist Rubens Barrichello (Brawn-Mercedes), im Qualifying noch zwischen den "roten Bullen" Zweiter, nicht mehr drin als Rang drei. Vom Sieg war der Brasilianer heute 41,1 Sekunden entfernt.

Vettel vom ersten Meter an souverän

Die einzige Minichance, Vettel mit seinem prall gefüllten Benzintank zu schlagen, wäre wohl der Start gewesen, aber der Polesetter wehrte einen angedeuteten Angriff von Barrichello souverän ab und setzte sich dann mit Siebenmeilenstiefeln von seinen Verfolgern ab. Hinter den Top 3 setzte sich zunächst Kazuki Nakajima (Williams-Toyota) fest, aber der Japaner fiel durch seine frühen Boxenstopps sukzessive zurück und wurde am Ende nur Elfter.

Generell galt heute: Wer früher stoppen musste, wurde nach hinten durchgereicht. Doch "Local Hero" Button wurde nicht etwa die Strategie zum Verhängnis, sondern ein bescheidener Start: Der Brite kam zwar gut von der Linie weg, fand dann aber vor Copse keine Lücke, musste vom Gas gehen und rutschte vom sechsten auf den neunten Platz zurück. Wenig später schnappte er sich Felipe Massa (Ferrari), was ihn zumindest mal in die Punkteränge brachte.

Dass es schwierig werden würde, heute zu gewinnen, war Teamchef Ross Brawn "schon nach zehn Minuten des ersten Trainings" klar, denn der "Reifenflüsterer" BGP 001 bekam die Bridgestone-Gummis nicht richtig auf Temperatur. Der Asphalt war auch während des Rennens zu keinem Zeitpunkt wärmer als 26 Grad, sodass Button de facto keine Chance hatte. Nur im letzten Stint auf weichen Pneus sah er etwas besser aus.

Brawn akzeptiert Niederlage gegen Red Bull

"So schlecht war das nicht, auch wenn wir von Red Bull eine schöne Abreibung bekommen haben", gab Brawn nach dem sechsten Platz des WM-Leaders, der in dieser Saison noch nie so schlecht war, zu. "Jenson hatte am Start Probleme. Das Wichtigste war dann aber, den Schaden zu begrenzen und so viele Punkte wie möglich zu sammeln." Der Vorsprung auf Vettel beträgt nach acht von 17 Rennen noch komfortable 25 Punkte.

Vettel geriet mit seiner Zweistoppstrategie nie in Gefahr und hatte nach 60 Runden 15,1 Sekunden Vorsprung auf Webber, der im ersten Stint nicht an Barrichello vorbeikam, diesen aber beim ersten Boxenstopp schnupfte und dann scheinbar mühelos davonfuhr. "Sie waren einfach zu schnell für uns", musste der drittplatzierte Barrichello - übrigens mit Rückenschmerzen gestartet - eingestehen. "Zumindest habe ich ein paar Punkte auf Jenson aufgeholt."

Am euphorischsten war der Jubel aber im Red-Bull-Camp: "Es ist ein fantastisches Teamergebnis. Ich bin stolz, denn wir haben das Rennen dominiert, waren deutlich schneller als die anderen. Das Heimrennen zu gewinnen, ist einfach der Wahnsinn", strahlte Teamchef Christian Horner nach dem zweiten Doppelsieg. Dabei war der Weg dorthin offenbar nicht so einfach, wie es nach außen den Anschein hatte.

Erster Stint brachte die Entscheidung

"Es ist nie leicht, besonders auf einer solchen Strecke", analysierte Vettel. "Du musst konzentriert bleiben, aber der Start und der erste Stint waren wirklich die halbe Miete. Ich habe mir einen Vorsprung aufgebaut, von dem ich dann zehren konnte. Das hat super geklappt. Ich konnte wirklich gut pushen und alles aus dem Auto rausquetschen. Nur der zweite Stint war wegen der Überrundungen ein bisschen schwieriger. Da musste ich geduldig bleiben."

Erst im Finish konnte der WM-Dritte einen Gang zurückschalten: "Am Ende habe ich die Runden nur noch runtergezählt. In den letzten zehn Runden musste ich nicht mehr ans Limit gehen", sagte Vettel und lobte: "Das Auto war ein Traum! Ich hatte es stets unter Kontrolle und wusste genau, wie weit ich gehen kann. Das war auf dieser Strecke mit vielen Kurven, in denen man das Herz in die Hand nehmen muss, das Entscheidende."

Vierter wurde heute Felipe Massa (Ferrari), der von seinen jeweils langen Stints profitierte und dadurch Nico Rosberg (Williams-Toyota) um 0,8 Sekunden besiegte. Die beiden gerieten in der Schlussphase durch Button unter Druck, der pro Runde mehr als eine Sekunde aufholte, aber mit dem WM-Stand im Hinterkopf keine Dummheiten mehr riskierte, obwohl ihn die britischen Fans frenetisch anfeuerten, als er so rasant näher kam.

Räikkönen fiel sukzessive zurück

Jarno Trulli (Toyota) und Kimi Räikkönen (Ferrari) komplettierten die Punkteränge, an denen Timo Glock (Toyota) um gerade mal 0,2 Sekunden vorbeischrammte. Für Räikkönen ist dieses Ergebnis eine kleine Enttäuschung, denn der "Iceman" lag im ersten Stint noch an fünfter Position. Sich freuen über Platz zehn darf hingegen Giancarlo Fisichella, der den Aufwärtstrend von Force-India-Mercedes eindrucksvoll bestätigte.

Fisichella profitierte in der Anfangsphase von einem schlitzohrigen Manöver, das ihn in Stowe auf einen Schlag an Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) und Fernando Alonso (Renault) vorbeibrachte, denn Heidfeld kämpfte bis zum Boxenstopp mit einem lädierten Frontflügel und hielt das Paket dahinter deutlich auf. Alonso versuchte zwar praktisch jede Runde, den Deutschen vor Stowe außen zu überholen, aber Heidfeld setzte sich mit seinem Kämpferherz geschickt zur Wehr.

Am Ende wurde Alonso 14. und Heidfeld 15., aber zumindest kamen die Fans auf ihre Kosten - übrigens auch dank Lokalmatador Lewis Hamilton: Der McLaren-Mercedes-Pilot zeigte vor Copse ein sensationelles Manöver gegen Alonso, das allerdings später wieder gekontert wurde, drehte sich einmal beim Anbremsen von Club und kam schlussendlich mit einer Runde Rückstand als 16. von 18 gewerteten Piloten ins Ziel.

Frust bei den Silberpfeilen

"Das war ein Rennen zum ganz schnell Vergessen", seufzte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Unsere Performance war schlecht. Es gibt viel Arbeit und es wird noch viel mehr gearbeitet werden." Heikki Kovalainen hatten die Silberpfeile komplett verloren - nach einer unnötigen Kollision mit Sébastien Bourdais (Toro-Rosso-Ferrari): Kovalainen wollte wohl für Webber Platz machen, erkannte dann aber, dass es sich um Bourdais handelte - und machte verhängnisvollerweise die Tür zu.

Auf den letzten beiden Plätzen landeten Adrian Sutil (Force-India-Mercedes), der aus der Boxengasse gestartet war, und Sébastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari). Der Deutsche und der Schweizer spielten im Rennen aber keine Rolle. Pluspunkte sammelte dafür der heute unterlegene Button mit seiner fairen Gratulation an Vettel: "Sebastian verdient diesen Sieg. Er hat keinen Fehler gemacht. Ich hoffe aber, dass wir uns wieder steigern können."

Bei 25 Punkten Vorsprung auf Vettel (und 23 auf Barrichello) scheint die Weltmeisterschaft doch noch einmal spannend zu werden, schließlich sind in den verbleibenden neun Rennen 90 Zähler zu vergeben. So gesehen könnte es auch bei den Konstrukteuren noch eng werden, wo Brawn-Mercedes (105 Punkte) vor Red-Bull-Renault (74,5) und Toyota (34,5) führt. Weiter geht es in drei Wochen mit dem Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring.

Fotoquelle: xpb.cc

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