Seit Melbourne prangen die Virgin-Logos auf den beiden Brawn BGP 001 Boliden

Formel 1 2009

— 06.07.2009

Was macht Virgin eigentlich in der Formel 1?

Brawn-Sponsoring, Biosprit und Beteiligung an Manor - Richard Branson und Virgin sorgen in der Formel 1 wieder einmal für Schlagzeilen

Die jüngsten Berichte, wonach Virgin Anteile am neuen Formel-1-Rennstall von Manor gekauft haben soll, sind nur die neusten Aktivitäten in einer ganzen Reihe von seltsamen Manövern, welche dieses Unternehmen in diesem Sport unternommen hat.

Virgin hat schon Wellen geschlagen, noch bevor der Konzern im Rahmen des Großen Preises von Australien als Sponsor in der Formel 1 aufgetreten ist. Für gewöhnlich scheint der schillernde Chef Richard Branson bei der Sache zu sein - anscheinend aber nicht, was die Formel 1 anbelangt. "Ich liebe Grands Prix", hatte Branson im Februar betont und angefügt: "Sollte Bernie Ecclestone den Sport für Unternehmen wie Virgin kosteneffizienter und sauberer gestalten können - was durchaus möglich ist, wenn alle Autos mit entsprechendem Treibstoff fahren würden -, dann könnten wir zu einem gewissen Grad Interesse daran haben, uns daran zu beteiligen."

Offenbar hatte sich Branson zu diesem Zeitpunkt schon von den ungewöhnlichen Strukturen der Formel 1 hinters Licht führen lassen, denn sonst hätte er wohl gewusst, dass es überhaupt nicht in der Macht von Ecclestone liegt, saubereren Sprit oder Kosten reduzierende Maßnahmen in die Formel 1 einzuführen.

Virgin wurde noch mehr Skepsis entgegen gebracht, als Branson kräftig auf die eigene Pauke haute, kaum dass er dem Sport als Sponsor von Brawn beigetreten war. "Wir haben eine beträchtliche Summe an Geld in ein Unternehmen namens Gevo investiert", sagte Branson und erläuterte, dass diese Firma einen Treibstoff für die Formel 1 entwickelt habe, der vielleicht Virgin Fuel genannt werden würde.

"Dieser Sprit ist sauber, stößt keinen Kohlenstoff aus und kann genau die gleiche Leistung entfalten wie die herkömmlichen Spritsorten, die gegenwärtig in den Autos verwendet werden. Wir werden in den kommenden Monaten das Gespräch mit der Formel 1 suchen um zu sehen, ob wir dieses Benzin als offiziellen Sprit der Formel 1 verkaufen können." Zu diesem Zeitpunkt schien Ecclestone langsam aber sicher müde zu werden.

Ecclestone sagte dem Londoner 'Evening Standard', dass er große Zweifel daran habe, dass die FIA Bransons Idee zustimmen und ihn seinen Biosprit einführen lassen würde. "Möglicherweise müsste man zu diesem Zweck sämtliche Motoren ausmustern", erläuterte Ecclestone - nicht gerade ein besonders kostengünstiges Ergebnis.

"Es wäre aber sicherlich eine sehr gute Idee, wenn er diesen Treibstoff für seine Flugzeuge verwenden würde", fügte Ecclestone an und meinte, Branson wäre wahrscheinlich besser beraten, würde er seinen Biosprit in eine Rennserie einbringen, die eine größere Verwandtschaft zu normalen Straßenwagen aufweise.

Nach einigen Rennen gab es schließlich seltsame Entwicklungen in Bezug auf das Sponsoring von Virgin. Einige der Logos auf den Werbeflächen des Rennwagens wurden verändert - ein großes No-Go, denn Konstanz ist König, wenn es um die Qualität der Darstellung geht. Dann trat Branson beim Britischen Grand Prix angeblich als Gast von Brawns größtem Rivalen Red Bull in Erscheinung. So etwas würde man für gewöhnlich als Schlag ins Gesicht bezeichnen.

Derzeit beschäftigen uns die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf das vermeintliche Investment von Virgin bei Manor. Wie aus einer an die Öffentlichkeit gelangten Email zu entnehmen ist, werden Anteile an diesem Rennstall vom Repräsentanten des FIA-Präsidenten, Alan Donnelly, angepriesen. Auch Virgin wird in dieser schockierenden Email genannt und darüber dürfte der medienbegeisterte Branson sicherlich nicht allzu erbaut sein. So sieht es derzeit jedenfalls so aus, als hätte Branson seine Jetons auf Manor gesetzt, was sich als Krönung der seltsamen Entscheidungen von Virgin in der Formel 1 erweisen könnte.

Nicht nur, dass Manor aus dem Starterfeld der Formel 1 hinausfliegen könnte, sollte das Einschreibeverfahren aufgrund der möglichen Beteiligung von Donnelly an diesem Team noch einmal wiederholt werden müssen - der Rennstall könnte darüber hinaus nicht dazu in der Lage sein, es tatsächlich in die Startaufstellung zu schaffen, weil die Regelsituation für 2010 noch immer unklar ist.

Manor-Teamchef John Booth musste vor kurzem gestehen, dass das Team niemals auch nur einen Gedanken an die Formel 1 verschwendet habe. "Nicht einmal im Traum hätten wir daran gedacht", so Booth. "Nur durch das Budgetlimit der FIA bot sich diese Gelegenheit. So wurde die Formel 1 zum ersten Mal seit vielen Jahren auch für einen nicht-Hersteller interessant."

Dabei geht es um genau diese Budgetdeckelung, die nun doch nicht in die Formel 1 eingeführt wird. Booth und Virgin scheinen geradezu füreinander bestimmt zu sein...

Fotoquelle: xpb.cc

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