Die FIA wünscht sich für 2010 das Grollen von Cosworth-Motoren in der Formel 1

Formel 1 2009

— 06.07.2009

Was ist die Antwort auf die Cosworth-Frage?

Gerüchten zufolge soll die FIA bei der Einschreibung der neuen Rennställe darauf bestanden haben, dass Cosworth-Motoren zum Einsatz kommen sollten

Unruhe in der Formel 1: Dem Automobil-Weltverband FIA wird im Zuge der Einschreibevorgänge für die Saison 2010 Befangenheit zur Last gelegt. Drei Teams ohne jeglichen Formel-1-Hintergrund wurden akzeptiert, wohingegen wohlbekannte Namen um Prodrive und Lola keine Zulassung erhielten. Die Teamchefs einiger nicht angenommener Mannschaften haben nun enthüllt, dass die FIA während des Bewerbungsvorgangs darauf bestanden hat, dass die Teams Motoren von Cosworth kaufen müssten, um ihre Startfreigabe zu erhalten.

Bis dahin war das keine Voraussetzung, stellte sich letztendlich aber als entscheidende Hürde heraus. "Uns wurde gesagt, dass wir einen Dreijahresvertrag mit Cosworth unterzeichnen müssten, wenn wir 2010 in der Startaufstellung stehen wollten", erklärte einer der Teamchefs.

In einem Brief schrieb ein anderes Teamoberhaupt: "Ich bin zur FIA-Kommission in London gegangen, um am Donnerstag, den 11. Juni, unsere Bewerbung zu verteidigen. Ich habe nicht lange gebraucht um zu bemerken, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmte. Unmittelbar bevor ich in das Meeting ging, gab mir Tony Purnell den Ratschlag, dass meine Bewerbung nur dann Aussicht auf Erfolg hätte, wenn ich Cosworth als Motorenpartner für drei Saisons angeben würde. Ich habe daraufhin betont, die realistische Chance auf Motoren von Renault, Mercedes oder Ferrari zu haben. Mir wurde anschließend klar gemacht, dass es eine 'verbindliche' Bedingung sei, Cosworth als Motorenlieferant zu nennen."

Dieses Meeting, beim dem der Teamchef über diese grundlegende Klausel informiert wurde, von der die Fortführung seines Projektes abhing, fand überraschenderweise nur einen Tag vor der Verkündung der für 2010 zugelassenen Rennställe durch die FIA statt. Dadurch blieb nicht wirklich viel Zeit übrig, um Cosworth in die Pläne mit einzubeziehen - was bis dato als nicht notwendig erachtet wurde.

Laut einer weiteren Quelle aus dem Rennsport wollte ein anderer Teamchef mit Mercedes-Motoren starten. Ihm sei allerdings gesagt worden, dass er Cosworth-Aggregate verwenden müsse, wenn er in die Auswahl gelangen wollte.

Ein FIA-Sprecher sagte daraufhin: "Die FIA hat die Verfügbarkeit von unabhängigen Kundenmotoren für die Formel-1-Neulinge und andere Privatteams schon immer als Priorität angesehen. Ohne die Versorgung der Privatteams durch unabhängige Kundenmotoren würde die gesamte Startaufstellung einzig vom Wohlwollen der Automobilindustrie abhängen. Kein Team könnte dann in die Formel 1 einsteigen, ohne ihre Erlaubnis zu erhalten. Bereits bestehende Privatrennställe müssten ihren Anweisungen Folge leisten. Es ist lebenswichtig für eine gesunde Formel 1, dass es unabhängige Motoren gibt."

Zusammenfassend muss man also festhalten: Laut den Argumenten der FIA, liegt es im besten Interesse der Formel 1, Cosworth zu bevorzugen. Nur so konnte der Automobil-Weltverband die Herrschaft der fünf Hersteller brechen, die derzeit alle Formel-1-Teams mit Aggregaten ausrüsten und die den Sport noch dazu damit erpressen könnten, die Formel 1 zu verlassen - wie sie es vor kurzem getan haben. Diese Bedrohung wurde letztendlich dadurch abgewendet, dass sich Max Mosley angeblich dazu bereit erklärt hat, sich im Oktober nicht mehr zur Präsidentenwahl der FIA zu stellen.

Auch wenn die FIA das Sichern der Zukunft der Formel 1 als Ziel vorgibt, so rechtfertigt dies noch lange nicht die Methoden, die dazu benutzt werden, um dieses Vorhaben zu erreichen. Es kann sicherlich darüber diskutiert werden, ob es sich für einen unabhängigen Regierungsapparat wie die FIA ziemt, sich gegenüber gewissen Unternehmen voreingenommen zu präsentieren.

Warum hat die FIA den möglichen Neueinsteigern nicht gleich von Anfang an gesagt, dass sie für ihre Bewerbung auf Cosworth setzen sollten, statt damit zu warten, bis dieser Prozess längst am Laufen war? Das hat einige Teams dazu geführt, Geld für Ausschreibungen bei gewissen Herstellern einzusetzen - nur um später herauszufinden, dass diese Pläne vollkommen umsonst waren, weil sie Cosworth-Motoren brauchten.

Beispielsweise haben mehrere hochrangige Quellen bestätigt, wie Mosley Prodrive eine Teilnahme an der Saison 2010 zugesichert hat. Erst später soll Teamchef David Richards davon in Kenntnis gesetzt worden sein, dass er einen Cosworth-Motor bräuchte, um seinen Startplatz tatsächlich zu erhalten. Ein anderes Team soll etwa eine Million Pfund (rund 1,2 Millionen Euro; Anm. d. Red.) für eine Ausschreibung geopfert haben, die später ausgesetzt wurde, nachdem klar geworden war, dass Cosworth ausschlaggebend sein würde. Das scheint nicht gerade mit der Forderung der FIA einher zu gehen, wonach die Teams kein Geld verschwenden sollen.

Die Teamvereinigung FOTA ist verständlicherweise nicht sonderlich beeindruckt von diesen Neuigkeiten. "Wir haben keinen Einblick in den kompletten Kontext dieser Geschichten und dementsprechend befindet sich die FOTA auch nicht in einer Position, um einen verbindlichen Kommentar dazu abzugeben. Sollten sich diese Gerüchte als wahr erweisen, wären sie allerdings nur ein Beispiel dafür, wie schlecht unser Sport reguliert wird", sagte ein Sprecher der Teamvereinigung.

Interessant ist nur, dass die Sorgen der FIA, wonach die Teamchefs die Formel 1 erpressen und mit Ausstieg drohen könnten, auf einmal wie weggeblasen sein dürften, wenn die FOTA-Teams das Concorde Agreement unterschreiben und sich bis 2012 an die Formel 1 binden. Auf der anderen Seite könnte die FOTA damit argumentieren, dass die Bedingung der FIA, den Cosworth-Motor als Schutzmaßnahme zu verwenden, nicht mehr länger gültig ist, wenn die Hersteller die Formel 1 mit einer Ausstiegsdrohung nicht mehr erpressen können. Dann könnte die FOTA durchaus darauf bestehen, die Bewerbung der Teams von Neuem beginnen zu lassen.

Die FIA könnte wiederum anführen, dass die Teams und nicht die Hersteller unter dem Concorde Agreement engagiert sind - nur würde das einem Eingeständnis dieser Organisation gleichkommen, wonach dieser Vertrag mangelhaft wäre. Sollte die FIA also diese Linie verfolgen, dann werden wir gewiss nicht erleben, dass die FIA auf eine Unterzeichnung des Concorde Agreements pocht - es sei denn, die Hersteller würden ihre Unterschrift leisten. Irgendwie erscheint diese Möglichkeit aber unwahrscheinlich.

Cosworth lässt verlauten, dass sie in keiner Weise darum gebeten hätten, dass die FIA in ihrem Namen Forderungen an mögliche Neueinsteiger für die Formel-1-Weltmeisterschaft stellt. Darüber hinaus gäbe es keine vertragliche Abmachung, wonach eine Mindestzahl an Kundenteams vorhanden sein müsste, um mit der Motorenproduktion fortzufahren. "Das Angebot für die möglichen Neueinsteiger war für alle gleich - egal, wie viele Teams sich für den Cosworth-Motor entschieden und wie viele Rennställe erfolgreich einen Startplatz bei der Sporthoheit erhalten hätten."

Dennoch hat Cosworth im vergangenen Dezember überraschend die Ausschreibung zum Standardmotor gewonnen, welchen die FIA unbedingt einführen wollte. Der Automobil-Weltverband hat daraufhin ein Statement herausgegeben, wonach der Preis eines solchen Antriebsstranges auf vier eingeschriebenen Teams basieren und volle technische Unterstützung bei allen Rennen und offiziellen Tests sowie 30.000 Testkilometer beinhalten würde. "Die jährlichen Kosten werden sich reduzieren, wenn sich weitere Teams für diese Option entscheiden."

Warum sollten die Kosten also reduziert werden, wenn sich mehr Teams für den Standardmotor entschieden hätten - aber nicht, wo jetzt doch nur die neuen Rennställe damit versorgt werden? "Ich würde vorschlagen, sie bitten die FIA um einen Klärung dieser Angelegenheit", antwortete Cosworth auf die Frage, ob das Statement der FIA vom Dezember korrekt sei. "Bei dem angesprochenen Dokument handelt es sich um eine Aussendung der FIA, die nicht an Cosworth adressiert war." Wenn die Kosten des Standardmotors wirklich durch das Interesse weiterer Teams reduziert worden wären, dann hätte Cosworth doch sicherlich gesagt, dass das Statement der FIA richtig sei, oder nicht?

Durch die drei neuen Teams haben die Finanzen von Cosworth jedenfalls einen großen Schub erhalten. Jeder dieser Rennställe soll Cosworth zunächst einen nicht verhandelbaren Betrag von 1,2 Millionen Pfund (rund 1,4 Millionen Euro) überwiesen haben. Das kommt genau zur richtigen Zeit, denn die jüngsten Finanzdaten von Cosworth weisen für das Jahr 2007 nach Abzug der Steuern ein Minus von 1,9 Millionen Pfund (etwa 2,2 Millionen Euro) auf - und das bei Einnahmen von 12,6 Millionen Pfund (ungefähr 14,6 Millionen Euro), die nach dem Ausstieg aus der Formel 1 im Jahr zuvor um satte 53 Prozent eingebrochen waren.

Das Ende vom Lied ist, dass die Formel-1-Fans im kommenden Jahr wohl nicht die besten neuen Teams in diesem Sport erleben werden. Stattdessen sehen sie wohl die Rennställe, die sich damit einverstanden erklärt haben, ihr Vertrauen einem gewissen Motorenhersteller zu schenken. "Es ist absolut notwendig zu überprüfen, ob diese drei vergebenen Lizenzen auf seriösen und finanziell gesunden Beinen stehen. Diese Bewerbungen wurden aus politischen Gründen handverlesen und nicht etwa aufgrund sportlicher oder in Zusammenhang mit dem Projekt stehenden Kriterien. Für mich ist das glasklar", sagte einer der angehenden Teamchefs.

Man könnte sich natürlich fragen, warum die FIA am Auswählen neuer Teams für die Formel 1 überhaupt beteiligt ist. Sollten die neuen Rennställe bankrott gehen, dann könnte das durchaus einen großen Effekt auf die Zuschauerzahlen haben (und damit auch auf die Gebühren, welche die Fernsehsender entrichten müssen) sowie auf die Streckengebühren. Der Grund dafür ist, dass, wenn 13 Teams zum Rennen erwartet werden und nur zehn auf der Matte stehen, die TV-Sender freilich versuchen werden, ihre Gebühren entsprechend zu reduzieren. Das betrifft das Unternehmen von Bernie Ecclestone - nicht aber die FIA. Schließlich ist es gesetzlich verboten, von den kommerziellen Rechten der Formel 1 zu profitieren.

Manche Leute würden nun anführen, dass Ecclestone ähnlich voreingenommen agieren würde, wenn er in die Auswahl der Teams mit eingebunden wäre. Sicherlich würden die Teams dabei aber nicht Gefahr laufen, am Ende Pleite zu gehen. Ecclestones einziges Ziel ist das Maximieren der Formel-1-Einnahmen. Und diesbezüglich ist er in diesem Sport am meisten versiert.

Die fairste Art und Weise, eine Entscheidung darüber herbeizuführen, welche Teams einen Startplatz in der Formel 1 erhalten sollten, wäre wohl, die früheren GP2-Sieger in der Reihenfolge ihrer Titelgewinne zu fragen. So hätten weder die FIA noch Ecclestone etwas mit diesem Entscheidungsprozess zu schaffen. Das wäre doch ein großartiges Ziel.

Fotoquelle: Ford

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