Mario Theissen ist nicht begeistert über den Zickzackkurs von Max Mosley

Formel 1 2009

— 09.07.2009

Theissen zuversichtlich, aber auch irritiert

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen ist mit dem Zickzackkurs der FIA nicht einverstanden, hat die Hoffnung auf Frieden aber noch nicht aufgegeben

Der Eklat beim gestrigen Meeting der Technischen Arbeitsgruppe, als die acht FOTA-Mitglieder aus dem Raum marschierten, weil ihnen von der FIA mitgeteilt worden war, dass sie wider Erwarten ohnehin nicht abstimmen drfen, sorgte hinsichtlich der Zukunft der Formel 1 neuerlich fr gewaltige Zweifel. Trotzdem verlief der heutige Medientag am Nrburgring erstaunlich ruhig.

Einer der wenigen Teamchefs, der sich bereiterklrte, bei laufenden Aufnahmegerten ber den FIA/FOTA-Streit zu sprechen, war Mario Theissen. Der BMW Motorsport Direktor war ber die Behauptung der FIA, die acht FOTA-Teams wrden nicht als fr die Weltmeisterschaft 2010 eingeschrieben betrachtet, "absolut" berrascht: "Das passt berhaupt nicht zusammen", wunderte er sich und fgte an, die FIA habe die Einschreibungen "schriftlich besttigt".

Sauer ber FIA-Rckzieher

"Ich glaube", fuhr er fort, "dass muss ich nicht weiter kommentieren. Wenn wir am 24. Juni eine Einschreibliste bekommen, in der alle Teams ohne jeden Zusatzvermerk drinstehen, wenn darber hinaus gesagt wird, dass die aktuellen Regeln auch im nchsten Jahr gelten werden, dann gibt es berhaupt keine Basis mehr fr eine Arbeitsgruppe, in der die FOTA-Teams kein Stimmrecht haben und in der die Regeln entschieden werden sollen. Das widerspricht sich."

In Abwesenheit der FOTA-Teams sollen Campos, Force India, Manor, US F1 und Williams die FOTA-Forderungen beschlossen haben. Sprich: Beibehaltung der Regeln von 2009 inklusive Verbot der Tankstopps, Anhebung des Mindestgewichts um 15 Kilogramm und Einfhrung von schmleren Vorderreifen. Sollte sich das bewahrheiten, wrde sich Theissen freuen: "Wenn die diesjhrigen Regeln mit diesen Ergnzungen gelten, dann ist der Punkt einfach aus dem Weg gerumt."

Seit der vorbergehenden Einigung von Paris am 24. Juni, die nun wieder auf wackeligen Beinen steht, habe man "fast tglich" verhandelt, erklrte Theissen. Daher ist er durchaus zuversichtlich: "Wir haben eine Menge Themen erledigen knnen. Insofern wrde ich sagen, wir sind deutlich weiter als vor zwei oder drei Wochen, aber noch nicht am Ziel. Es gibt nach wie vor Meinungsverschiedenheiten und ein Concorde-Agreement, das wir fr die nchsten Jahre brauchen, ist nicht unterschriftsreif."

"Ich bin zuversichtlicher, dass wir zum Ziel kommen werden. Man muss aber auch sagen, dass wir nicht unbegrenzt Zeit haben. Wir mssen auch mit der Mglichkeit rechnen, dass wir nicht zu einer gemeinsamen Lsung finden werden, und mssen uns auf diesen Fall vorbereiten", sagte Theissen und besttigte, dass die Vorbereitungen fr eine FOTA-Alternativserie weiterhin "in dem Ausma, dass es fr nchstes Jahr eine realistische Option bleibt", vorangetrieben werden.

Einen Stichtag fr eine Alternativserie gibt es laut Theissen nicht. Erklren, wie es zu Medienberichten kommen konnte, wonach morgen ein solcher Stichtag sein soll, konnte der Deutsche aber schon: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis zum 10. Juli ein Concorde-Agreement zu verhandeln. Es wird nach wie vor mit hohem Druck daran gearbeitet, aber fr mich ist das nicht identisch mit dem Stichtag Go oder No-Go", so Theissen.

Alternativserie noch nicht vom Tisch

Die Planungen fr eine Alternativserie habe man nach der vermeintlichen Einigung von Paris "nur fr ein paar Tage" eingestellt. Doch dann kam der erste besorgniserregende Brief von FIA-Prsident Max Mosley, bei dem es nicht bleiben sollte. Theissen: "Dann realisierten wir, dass wir nicht dort sind, wo wir dachten." Also hlt sich die FOTA nun wieder alle Optionen offen, um nicht am Ende mit leeren Hnden dazustehen.

Direkte Frage eines Journalisten: Wre es ein Dealbreaker, sollte Mosley entgegen seiner Ankndigung im Oktober doch noch einmal als FIA-Prsident kandidieren? "Dazu mchte ich mich nicht uern", entgegnete Theissen - was irgendwie auch eine Antwort ist. Fhlen Sie sich von ihm ber den Tisch gezogen? Antwort: "Ich habe da eher ein anderes Gefhl, aber dazu fragen Sie ihn besser selbst..."

Theissen bte Kritik an "mehreren Kursnderungen im Vorfeld des 24. Juni und auch danach" und zeigte sich "enttuscht und ausgesprochen irritiert ber die Aktionen der letzten zwei Wochen". Trotzdem wollte er sich nicht zu mglichen Mosley-Nachfolgern im FIA-Prsidium uern: "Es gibt sicher passende Kandidaten, aber es ist nicht unsere Aufgabe, dazu einen Kommentar abzugeben - nicht zum jetzigen Zeitpunkt."

Ein Name, der immer wieder fllt und der angeblich ganz nach dem Geschmack der FOTA sein wrde, ist jener von Ex-Rallye-Weltmeister Ari Vatanen. Der finnische EU-Parlamentarier hat seine Kandidatur bereits ffentlich angekndigt. Fr Theissen ist Vatanen "eine respektable Person. Mehr will ich dazu nicht sagen." Im gleichen Atemzug stellte er aber noch einmal klar: "Wir werden von der FOTA kein Kandidatenkarussell in Gang setzen."

Fotoquelle: xpb.cc

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