Jenson Button wäre nicht traurig, würde Webber statt Vettel am Nürburgring siegen

Formel 1 2009

— 09.07.2009

Button: "Wir können uns nicht zurücklehnen"

Brawn-Pilot Jenson Button im Interview über das Duell mit Sebastian Vettel und Mark Webber, die Führung in der WM und das Rennen am Nürburgring

Nach sechs Siegen in acht Rennen kommt Jenson Button als WM-Führender an den Nürburgring und hat fest vor, seiner bislang fast makellosen Rennbilanz in diesem Jahr einen weiteren Erfolg hinzuzufügen. Doch neben der Konkurrenz aus dem eigenen Lager hat Button freilich auch das Red-Bull-Duo um Sebastian Vettel und Mark Webber auf der Rechnung. Wie der britische Rennfahrer im Interview zu Protokoll gab, traut er darüber hinaus Ferrari und Toyota durchaus eine Überraschung zu.

Frage: "Jenson, die Temperaturen sind hier tiefer als erwartet..."
Jenson Button: "Es soll an diesem Wochenende ungefähr 20 Grad Celsius geben. Ich gehe aber nicht davon aus, dass das hier ein Problem darstellen wird - wir haben hier schließlich die superweiche Reifenmischung dabei. Das ist gut. Das ist die Gummisorte, die wir auch in Bahrain, Monaco und China dabei hatten. Die superweichen Reifen sind prima für uns und wir sollten sie auch angesichts dieser Temperaturen zum arbeiten bringen. Vielleicht werden andere Teams ihre Probleme damit haben."

"Ich bin der Meinung, dass die härtere Mischung für alle eine Herausforderung sein wird. Es wird ziemlich schwierig werden, diesen Gummityp auf Temperatur zu bekommen. Ich halte die Idee jedenfalls für großartig, die Reifen näher zusammenzulegen. Sonst lagen die beiden Mischungen immer so weit auseinander, dass ein Typ während des Wochenendes überhaupt nicht funktioniert hat. Das ist eine schwierige Situation - nicht nur für uns, sondern für alle Beteiligten. Hoffentlich wird das in Ungarn nicht der Fall sein."

Button verspürt keinen zusätzlichen Druck

Frage: "Du machst dir also keine Sorgen, dass die kühleren Temperaturen Sebastian Vettel in die Karten spielen könnten?"
Button: "Ich würde es natürlich lieber sehen, wenn es etwas heißer wäre. Wir werden aber damit zurecht kommen müssen, was wir vorfinden. Generell ist der weiche Reifen für uns der bessere. Den bekommt man selbst bei geringen Temperaturen zum arbeiten. Es sollte okay sein. Wir haben auch einige Verbesserungen am Auto, die uns ebenfalls helfen sollten. Ich weiß, dass auch Red Bull neue Teile hat, also wird es für alle ein sehr kniffliges Wochenende. Red Bull besteht ja nicht nur aus Sebastian. Ich erwarte, dass auch Mark schnell sein wird. Immerhin hat er hier mehr Erfahrung als Sebastian, der am Nürburgring noch nie mit einem Formel-1-Auto unterwegs war."

Frage: "Wird dieses Wochenende einen Hinweis geben, wo die Reise für euch hingeht?"
Button: "Das glaube ich nicht. Jedes Rennen ist anders - für die Reifen, in Bezug auf das Wetter. Letzteres beeinflusst die einzelnen Wagen auf unterschiedliche Art und Weise, was bei jedem Rennen in diesem Jahr zu sehen sein wird. Das macht es gerade so aufregend, aber auch so schwierig für uns, in der Formel 1 zu arbeiten. Ungarn sollte ein Hitzerennen werden und das sollte uns helfen. Hier ist es etwas kühler, doch angesichts der weicheren Reifen dürfte das für uns kein Problem darstellen. Wir kommen in diesem Jahr wohl immer an die Strecke und wissen nicht, wer an der Spitze sein und wer vorne mit dabei sein wird. Das ist sehr spannend."

Frage: "Fühlst du dich wohl mit deiner Führung in der Meisterschaft?"
Button: "Da fühlst du dich niemals wirklich wohl in deiner Haut. Zumindest nicht solange, bis du nicht genug Punkte hast, dass dich kein anderer mehr schlagen kann. In Silverstone sind wir on P6 aus ins Rennen gegangen und prompt hinter Jarno festgehangen. Da ist dein Rennen vorbei. Wir müssen einfach sicherstellen, dass uns in der Qualifikation und im Rennen keine Fehler unterlaufen. Wir müssen möglichst nahe an den Red Bulls dranbleiben. Wenn Red Bull uns in jedem Rennen schlägt, dann werden sie die Meisterschaft ganz einfach gewinnen."

"Wir müssen sie bekämpfen. Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und relaxen. Das ist also ganz und gar keine komfortable Position. Auf der anderen Seite ist das aber auch gut so, denn das bringt Aufregung und Adrenalin mit sich. Nach Silverstone haben die Jungs in der Fabrik einen Gang höher geschaltet und die Teile, welche in drei Rennen hätten kommen sollen, schon beim übernächsten Grand Prix zu bringen. Wohlfühlen ist einfach nicht drin. Ich wäre aber viel lieber Jenson im Brawn, als Sebastian oder Mark in einem Red Bull."

Webber als erster Herausforderer der Brawn-Piloten?

Frage: "Ist Mark an diesem Wochenende die größere Gefahr?"
Button: "Keine Ahnung. Wenn man sich diese beiden Piloten ansieht, dann scheint Sebastian etwas schneller zu sein. Auf allen Strecken war er bislang der Schnellere. Was die Konstanz anbelangt, sieht Webber besser aus. Er ist sanfter und fährt weniger zackig als Sebastian - das sind zwei unterschiedliche Stile. Ich hoffe nur, sie gehen das genau gleich an wie wir und behandeln beide Fahrer auf die gleiche Art und Weise. Wir haben gerade einmal acht Rennen gefahren und verdienen einen fairen Angriff auf den Titel. Mark liegt nur 3,5 Punkte hinter Sebastian."

"Sie bekämpfen sich untereinander genauso wie Rubens und ich. Ich habe ganz offensichtlich einen größeren Vorsprung gegenüber Rubens, doch der ist nicht groß genug. Wir dürfen gegeneinander fahren und wissen nicht, wer letztendlich die Oberhand behalten wird. Wir wissen vor vier Rennwagen, die konkurrenzfähig sein werden. Die Chance besteht, dass Ferrari und Toyota ebenfalls sehr stark sein werden. Wenn man sich aber die vergangenen Rennen ansieht, dann würde man sagen, dass Red Bull und Brawn vorne waren. Das ist alles sehr spannend, weil man niemals sagen kann, wer in der ersten Reihe stehen und wer letztendlich gewinnen wird."

Frage: "Wenn du an diesem Wochenende nicht gewinnen solltest - würdest du Mark dann seinen ersten Sieg gönnen?"
Button: "Er hat in diesem Jahr bislang einen guten Job gemacht und war sehr konstant. Wir kennen uns recht gut seit unserer gemeinsamen Zeit bei Benetton, als er noch Testfahrer war. Wir haben damals recht viel Zeit miteinander verbracht. Ich finde, der Pilot, der weiter hinter mir zurückliegt, sollte gewinnen. Daher wäre mir Mark lieber als Sebastian. Wenn ich aber schon nicht gewinne, dann will ich wenigstens so nahe wie möglich an der Spitze dabei sein."

Frage: "Jeder spricht im Augenblick von Red Bull. Nimmt das ein bisschen Druck von deinen Schultern und fühlst du dich wohl in dieser Situation?"
Button: "Nein, ich würde viel lieber gewinnen. Ich habe mich bislang bei jedem Rennen recht wohlgefühlt und habe jede Menge Vertrauen in mich selbst und das Team. Das macht also keinen Unterschied. Es ist schön, wenn man mal ein anderes Gesprächsthema hat, meine Zuversicht ändert das allerdings nicht. Wenn dich zwei Autos mit über 40 Sekunden bügeln, dann würdest du auch nicht sagen, dass du weniger unter Druck stehst. Wenn, dann stehst du nur unter noch mehr Druck. Aber ich bin sehr glücklich darüber. Wir haben einige gute Änderungen am Auto vorgenommen, aber noch kann freilich niemand sagen, ob sie gut genug gewesen sind. Wir müssen einfach abwarten."

Fotoquelle: xpb.cc

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