Sebastian Vettel ist bereit, gegen Jenson Button um den Titel zu kämpfen

Formel 1 2009

— 09.07.2009

Vettel prophezeit heißen Fight bis zum Ende

Sebastian Vettel sieht weder Red Bull noch Brawn im Vorteil: Über die Titelvergabe können Kleinigkeiten entscheiden, doch er ist bereit, zu kämpfen

Sebastian Vettel kommt zum ersten Mal als Formel-1-Pilot an den Nürburgring. Und er ist in einer Position, in der er noch vom Titel träumen darf. Sein Red-Bull-Team hat die Aufholjagd auf Spitzenreiter Brawn gestartet. In der Pressekonferenz sprach Vettel über das Wettrüsten der Teams, seine Chancen im Titelkampf, seine Gefühle beim Heimrennen und seine ungewöhnlichen Runden auf der Nordschleife.

Frage: "Seit dem letzten Grand Prix sind drei Wochen vergangen. Was hast du gemacht und was hat das Team unternommen, damit du bei diesem Rennen schneller bist?"
Sebastian Vettel: "Wir haben ein paar neue Kleinigkeiten, aber nichts Großes. Wir hatten in Silverstone ein großes Upgrade, das perfekt funktioniert hat. Deshalb sollte unser Auto auch hier recht konkurrenzfähig sein. Der Nürburgring ist auch immer berühmt für sein Wetter, man weiß also nie, was passiert, egal wie gut die Vorhersage ist. Am besten steht man morgens auf und schaut aus dem Fenster, dann sieht man schon, wie das Wetter ist. Es ist möglich, dass es an diesem Wochenende Regenschauer gibt, aber ich denke, dass unser Auto sowohl im Trockenen als auch im Nassen stark ist, deshalb wird es spannend. Und es ist der Heim-Grand-Prix, das macht es besonders aufregend."

"Seit dem Rennen in Silverstone war ich vor allem zu Hause und habe mich vorbereitet. Das war ganz nett. Auf der einen Seite fehlt einem das Testen, weil das Fahren einem am meisten Spaß macht. Auf der anderen Seite ist es auch ganz gut, wenn man mal wieder runterkommt und die Zeit nutzt, um ein bisschen intensiver zu trainieren. Denn wenn man immer unterwegs ist, ist es schwer ein volles Trainingsprogramm durchzuziehen. Da versucht man nur, seinen Trainingsstand zu halten. Aber wenn man etwas Freizeit hat, kann man sie nutzen. Außerdem bin ich vergangene Woche auch noch 22 geworden."

Frage: "Gab es eine große Party?"
Vettel: "Nein, ich weiß nicht, ob man groß feiert, wenn man 22 wird. Es war recht ruhig. Wir haben mit der Familie gegrillt aber sonst nichts besonderes gemacht."

Frage: "Du hast das letzte Rennen gewonnen und bist außer Jenson Button in diesem Jahr der einzige Sieger. Adrian Newey geht davon aus, dass es ausgeglichen sein wird, mal werden sie gewinnen und mal ihr. Was denkst du darüber?"
Vettel: "Ich hoffe, dass in Zukunft nur wir gewinnen. Aber es wird ein harter Fight. Das Einmalige an dieser Saison ist, dass jeder mit einem Update einen großen Schritt nach vorn machen kann, egal wer. Wir hatten beim letzten Rennen ein großes Upgrade und es schien zu funktionieren. Noch dazu hatten wir ein perfektes Wochenende. Vielleicht hatte Brawn ein paar Probleme. Letzten Endes geht es darum, alles richtig zusammenzubringen und seinen Job zu machen."

"Ich denke, dass man sich auf jedes einzelne Rennen konzentrieren muss. Jede Strecke ist anders. Deshalb ist das Wichtigste, ein schnelles Auto zu haben. Wir haben eins, sie aber auch, deshalb wird es bis zum Saisonende ein enger Kampf. Aber man muss intensiv weiterarbeiten und immer Neues am Auto haben. Selbst Kleinigkeiten können helfen. Alle entwickeln wie verrückt und versuchen, sich zu verbessern. Beide Teams sind stark. Wir haben ein gutes Auto, aber am Ende können Kleinigkeiten den entscheidenden Unterschied ausmachen."

Frage: "Ein dritter Saisonsieg wäre sicher ein schönes Geburtstagsgeschenk für dich. Und wenn es weiter so kühl bleibt, könnte Jenson es schwerer haben. Was denkst du?"
Vettel: "In Deutschland ist es für gewöhnlich wärmer als in Großbritannien, deshalb sollten wir an die Hitze besser gewöhnt sein als ein Engländer! Nein, wie ich sagte: Es wird ein sehr, sehr enger Kampf bis zum Saisonende und sie sind in einer besseren Position als wir, wenn man sich die Gesamtwertung anschaut. Wir werden unser Bestes versuchen. Unser Ziel ist bei jedem Rennen, zu gewinnen. Deshalb sind wir hier. Nicht nur um die Brawns zu schlagen, sondern um alle zu schlagen - denn wenn man gewinnen will, muss man jeden einzelnen schlagen."

"Im Sport kann schnell alles Mögliche passieren. Aber man kann nie wissen, was passiert. Sie hatten in Silverstone kein so gutes Rennen, wir schon und plötzlich reden alle über einen engeren Fight. Wenn es hier wieder andersherum ist, werden die Leute ihre Meinung wieder ändern. Wenn das Pendel weiter in unsere Richtung ausschlägt, wird es enger. Die Saison ist noch sehr lang. Bisher haben wir nur rund die Hälfte hinter uns. Jedes einzelne Rennen ist wichtig. In den ersten Rennen haben wir nicht immer den optimalen Job gemacht. Aber wir sind immer noch in einer starken Position und es liegt noch ein langer Weg vor uns. Wir sind hier, um zu kämpfen."

Konzentration aufs Racing

Frage: "Empfindest du es als Vorteil, dass das dein Heimrennen ist. Oder ist es ein Nachteil, weil man mehr zu tun hat? Jenson hat sein Heimrennen verloren..."
Vettel: "Ich sehe es nicht als Nachteil. Es ist immer schön hierher zu kommen und die vielen Leute zu sehen, die einen anfeuern. Das gibt einem noch mehr Power und vielleicht auch das gewisse Extra, das man braucht. Natürlich sidn hier mehr Leute und man steht mehr im Rampenlicht. Aber das Wichtigste ist das Racing, deshalb muss man manchmal alle Leute um einen herum ausblenden und sich auf das konzentrieren, was zählt."

"Es könnte etwas schwieriger sein, sich zu konzentrieren, aber das Allerwichtigste ist, den Fokus auf das Racing zu auszurichten. Letzten Endes kann man zehn Punkte gewinnen. Man kann in England zehn Punkte holen oder in Australien. Man bekommt nicht mehr Zähler, wenn man hier gewinnt. Natürlich ist es schöner, das Heimrennen zu gewinnen, aber auch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Rennen ist am Sonntag. Erst einmal müssen wir uns am morgigen Freitag vorbereiten und dann steht das Qualifying an."

Frage: "Wie fühlt es sich an, in diesem Jahr als Star nach Deutschland zu kommen?"
Vettel: "Ich fühle mich nicht als Star. Es ist immer schön, hierher zu kommen. Es ist für uns alle Fünf etwas ganz Besonderes, beim Deutschland-Grand-Prix zu fahren, weil es unser Heimrennen ist. Es ist wie für einen Engländer, der in Silverstone fährt. Ich bin hier in den verschiedenen Serien viele Rennen gefahren, in der Formel BMW, der Formel 3 und der Renault-World-Series. Ich mag die Strecke und ich fahre hier zum ersten Mal mit einem Formel-1-Auto. Deshalb freue ich mich schon darauf."

Frage: "Die Nordschleife ist eine Legende. Welche persönlichen Erfahrungen hast du auf der Nordschleife gemacht? Würdest du dort auch gern eines Tages ein Formel-1-Rennen fahren, auch wenn der Standard natürlich etwas anders wäre?"
Vettel: "Sobald ich meinen Führerschein hatte, bin ich hierher gekommen und habe eine Runde mit einem Straßenauto gedreht. Ich hatte keinerlei Orientierung, bin aber einem Freund hinterher gefahren. Nach rund eineinhalb Runden waren meine Bremsen völlig hinüber und ich hatte Glück, dass ich keinen Unfall gebaut habe. Ich hatte die Leistung normaler Serienbremsen völlig überschätzt."

"Ein paar Jahre später hatte ich wieder die Gelegenheit, weil ein Freund von mir ganz hier in der Nähe wohnt. Er hat einen alten Dreier-BMW, nicht gerade voller Power, aber modifiziert. Er hat richtige Reifen drauf und das Chassis ist ein bisschen getunt. Es hat riesigen Spaß gemacht, mit diesem kleinen Auto die normalen Touristen um die Strecke zu jagen. Zwar hat es uns auf den Geraden an Power gefehlt, aber in den Kurven waren wir viel schneller. Ich bin damals glaube ich fünf oder sechs Runden gefahren."

"Zuerst ist man vor allem überrascht, wie viele Kurven es gibt und wie lang eine Runde ist. Aber dann findet man in seinen Rhythmus und man lernt die Kurven immer besser kennen. Deshalb weiß man nach fünf Runden ungefähr, wo man ist. Allerdings ist das nun schon ein paar Tage her und ich habe das meiste vergessen. Es wäre schön, dort mal wieder ein paar Runden zu drehen."

Blick in die Zukunft

Frage: "Was denkst du über die Möglichkeit, in den nächsten zwei oder drei Jahren einen Grand Prix in Bulgarien zu fahren? Morgen wird mit Bernie Ecclestone deswegen verhandelt..."
Vettel: "Solange die Strecke schön ist - das ist uns allen am wichtigsten - und die Zuschauer begeistert sind, solange die Stimmung gut ist und es viele bulgarische Fans gibt, wäre es schon, dort zu fahren."

Frage: "Wie sieht deine Zukunft aus? Weißt du schon, wo und für welches Team du nächstes Jahr fahren wirst oder arbeitest du gerade daran, das auszusortieren?"
Vettel: "Ich weiß es schon. Ich denke, der weiß, wo ich nächstes Jahr fahren werde. Ich bin sehr zufrieden. Wir sind in diesem Jahr sehr stark, was manche Leute überraschen mag. In den vergangenen Jahren lief es für das Team vielleicht nicht optimal, aber ich freue mich sehr, dass wir in dem Moment, als ich ins Team kam, das Auto hatten, um das zu erreichen, was wir verdient haben."

Fotoquelle: xpb.cc

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