Dritter Sieg, zum dritten Mal doppelt: Diesmal Mark Webber vor Sebastian Vettel

Formel 1 2009

— 12.07.2009

Red-Bull-Doppelsieg in der Eifel: Endlich Webber!

Im 130. Anlauf gewann Mark Webber auf dem Nürburgring seinen ersten Grand Prix - Lokalmatador Sebastian Vettel vor Felipe Massa Zweiter

Es ist vollbracht: Acht Jahre oder 130 Grands Prix hat Mark Webber auf seinen ersten Sieg in der Formel 1 warten müssen, aber heute auf dem Nürburgring schaffte der Routinier vor den Augen seines gerührten Vaters endlich den heiß ersehnten Durchbruch - und das noch dazu ausgerechnet in der Heimat seines Teamkollegen Sebastian Vettel!

Das Red-Bull-Renault-Paket war beim Grand Prix von Deutschland zum zweiten Mal nach Silverstone unschlagbar und errang damit in der Eifel den dritten Doppelsieg der laufenden Saison. Der sonst so coole Webber, der trotz einer Durchfahrstrafe zu Beginn in einer eigenen Liga fuhr und sicher gewann, zeigte anschließend sogar ungewohnte Emotionen, als ihm am Boxenfunk durchgegeben wurde: "Mark Webber, Grand-Prix-Sieger!"

Red Bull hat Brawn im Griff

Dritter wurde Ferrari-Pilot Felipe Massa vor dem zweitbesten Deutschen, Nico Rosberg (Williams-Toyota) - aber die eigentliche Nachricht des heutigen Tages ist: Die Weltmeisterschaft ist wieder sperrangelweit offen! Denn während Webber und Vettel keine ernsthaften Konkurrenten hatten, musste das bislang so dominante Brawn-Mercedes-Team zwischendurch sogar Schlangenlinien fahren, um die Reifen irgendwie auf Temperatur zu bekommen.

Am Start hatte es für den weiterhin in der Gesamtwertung führenden Rennstall noch gut ausgesehen: Rubens Barrichello bog als Erster vor Webber in die Mercedes-Arena ein. Die tragische Figur des Starts war Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes), denn der Weltmeister schoss dank KERS außen an allen Konkurrenten vorbei und wäre wohl in Führung gegangen, wenn er sich nicht an Webbers Frontflügel den rechten Hinterreifen aufgeschlitzt hätte.

Bereits zuvor war es zu einer Berührung zwischen Webber und Barrichello gekommen, für die Webber später mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde. Zunächst einmal setzten sich der führende Barrichello und der spätere Sieger aber locker von den Verfolgern ab, weil Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) als unüberholbarer Schutzwall fungierte, hinter dem Jenson Button (Brawn-Mercedes), Felipe Massa (Ferrari) und Vettel viel Zeit verloren.

Durchfahrstrafe bremst Webber nicht

Button, der sich gleich zu Beginn Massa geschnappt hatte, eröffnete wie angekündigt in der 13. Runde die Boxenstopps. Eine Runde später kamen gleichzeitig die beiden Führenden rein, wobei Barrichello einen normalen Service absolvierte, während Webber mit dem deutlich schwerer betankten Auto nur seine Durchfahrstrafe absaß. "Danach habe ich erstmal nur versucht, kühlen Kopf zu bewahren", sagte der Australier später.

Webber ging vor Kovalainen und Barrichello in Führung, hatte in jener Phase des Rennens freie Fahrt und konnte dadurch den virtuellen Rückstand auf Barrichello vor seinem eigentlichen Boxenstopp in der 19. Runde verkleinern. Das Problem Kovalainen erledigte sich schon in Runde 16, denn die "rollende Schikane" musste ihren Boxenstopp vorziehen und spielte in der Folge wie erwartet keine ernsthafte Rolle mehr.

Mitten in der Serie der ersten Boxenstopps stellte sich langsam heraus, dass Adrian Sutil zur Sensation des Tages werden könnte: Der Force-India-Mercedes-Pilot fiel zunächst vom siebenten auf den achten Platz zurück, konnte dann aber problemlos die Pace des Pakets vor ihm mitgehen, obwohl er mehr Benzin an Bord hatte, und hielt gleichzeitig den hinter ihm liegenden Rosberg in Schach. Nach 26 Runden lag er eine Sekunde hinter Barrichello an zweiter Stelle!

Sutil: Schon wieder Räikkönen!

Sutil steuerte dann programmgemäß in der 27. Runde die Box an, stand lediglich 6,8 Sekunden und witterte beim Rausfahren die Chance, sich zwischen die beiden Ferraris zu schieben. Doch Kimi Räikkönen wollte sich das nicht gefallen lassen und setzte sich vor der ersten Kurve außen neben den Deutschen, der sich seinerseits nach außen tragen ließ. Es kam zur Berührung - und Sutil verlor dabei die linke Endplatte seines Frontflügels.

"Ein ganz normaler Rennunfall", meinte Räikkönen später. Aber bei Sutil dürfte die Enttäuschung riesengroß sein: Der zu jenem Zeitpunkt hinter ihm liegende Rosberg beendete das Rennen als Vierter, was darauf schließen lässt, dass heute das beste Ergebnis in Sutils Formel-1-Karriere möglich gewesen wäre. Dass er wie zuletzt schon in Monte Carlo 2008 mit Räikkönen kollidiert ist, kommt einem wie eine grausame Ironie des Schicksals vor...

Für den "Iceman" war der Arbeitstag ebenfalls vorzeitig vorbei, als er seinen Ferrari an der Box abstellen musste, aber das interessierte kaum noch jemanden. Denn vorne büßte Barrichello immer mehr an Schwung ein - und als beim zweiten seiner drei Boxenstopps auch noch die Tankanlage klemmte, war der Traum vom ersten Saisonsieg endgültig ausgeträumt. Teamkollege Button setzte ebenfalls auf eine progressive Dreistoppstrategie.

Schlangenlinien bei kühlen 18 Grad

Als das Brawn-Duo an fünfter und sechster Stelle liegend mit harten Reifen plötzlich Schlangenlinien fahren musste, um irgendwie Temperatur in die Pneus zu bekommen, war klar, dass es heute eine deftige Schlappe setzen würde. Barrichello blieb für den letzten Stint trotzdem auf harten Bridgestones, während Button auf weiche wechselte - und gleichzeitig kam es intern zu einem für die Weltmeisterschaft vorteilhaften Positionswechsel.

"Wir hatten heute einfach kein Glück", seufzte Button, der 0,8 Sekunden vor Barrichello als Fünfter ins Ziel kam und vier Punkte auf Vettel einbüßte. "Unser Rennen war schon am Start vorbei. Ich fiel weit zurück und war zunächst nur Achter, habe aber dann zumindest drei Plätze aufgeholt. Später haben wir die Reifen einfach nicht mehr auf Temperatur bekommen. Aber ich freue mich mit Mark, der schon so oft knapp an einem Sieg dran war!"

Webber ließ an der Spitze nichts mehr anbrennen, nahm nach dem letzten Boxenstopp Tempo raus und brachte 9,2 Sekunden Vorsprung auf Vettel ins Ziel. Dann brachen alle Dämme: "Es ist ein unglaublicher Tag für mich! Ich wollte unbedingt gewinnen, denn ich hatte mir schon in Silverstone Chancen ausgerechnet. Nach der Pole wollte ich es wissen. Nur am Ende fürchtete ich, dass es zu regnen beginnen könnte, aber heute war auch Gott auf meiner Seite", jubelte er.

Erster australischer Sieger seit Alan Jones

Mit dem ersten australischen Grand-Prix-Sieg seit 28 Jahren schrieb Webber Geschichte - und rückte in der Fahrerwertung bis auf eineinhalb Punkte an Vettel heran, ist damit nun WM-Dritter. Geht da jetzt noch mehr, Mark? "So, wie in Milton Keynes gearbeitet wird, ist alles möglich", entgegnete er. "Brawn hat einen großen Vorsprung, aber wir werden alles tun, um das Ding noch zu drehen. Derzeit passt bei uns alles. Schauen wir mal, was noch geht."

Massa brachte seinen dritten Platz sicher vor Rosberg und Button/Barrichello ins Ziel, die ihrerseits im Finish von Fernando Alonso (Renault) unter Druck gesetzt wurden. Der Nürburgring-Sieger von 2007 drehte in 1:33.365 Minuten die schnellste Runde und schloss am Ende mit Siebenmeilenstiefeln auf, riskierte aber keine Attacke mehr und gab sich mit Rang sieben zufrieden. Kovalainen rettete dahinter einen WM-Punkt ins Ziel.

Dennoch konnte Norbert Haug mit dem Ausgang nicht zufrieden sein: "Gut war nur der Start bis zum Anbremspunkt der ersten Kurve", klagte der Mercedes-Sportchef. "Lewis streckte vom fünften Platz aus die Nase kurz in Führung, war spät auf der Bremse und unser Rennen war nach dem darauf folgenden Plattfuß vorbei. Immerhin noch ein Punkt für Heikki mit der alten Spezifikation. Wir müssen uns dringend weiter steigern."

Hamilton als einziger Fahrer überrundet

Timo Glock (Toyota) lieferte nach Start aus der Boxengasse eine starke Performance ab und schrammte nach 60 Umläufen nur um 2,7 Sekunden am achten Platz vorbei. In der letzten Runde hatte er mit Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team), Giancarlo Fisichella (Force-India-Mercedes) und Kazuki Nakajima (Williams-Toyota) drei Konkurrenten im Windschatten. Sutil wurde 15. Insgesamt sahen 18 Autos die Zielflagge.

Das erste Ausfallopfer war übrigens schon im ersten Renndrittel Sébastien Bourdais (Toro-Rosso-Ferrari), der sich seinen Abschied aus der Formel 1 bestimmt anders vorgestellt hätte. Im Red-Bull-Camp überwog dennoch die Freude, selbst beim heute geschlagenen Vettel: "Glückwunsch an Mark - er war heute nicht zu schlagen und hat diesen Sieg mehr als verdient. Ich selbst freue mich nach dem schwierigen Start gegen die KERS-Autos über diesen zweiten Platz."

Der Deutsche liegt nach neun von 17 Rennen 21 Punkte hinter Button an zweiter Stelle der Fahrer-WM und hat Webber eineinhalb beziehungsweise Barrichello drei Punkte hinter sich. In der Konstrukteurswertung ist Red Bull heute bis auf 19,5 Punkte an Brawn herangekommen. Das bedeutet in anderen Worten, dass Button auf jeden Fall als Spitzenreiter in die Sommerpause gehen wird, die nach dem Hungaroring ansteht.

Fotoquelle: xpb.cc

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