Vor seiner Kollision in der 28. Runde lag Sutil noch knapp vor Nico Rosberg

Formel 1 2009

— 12.07.2009

Sutil: Kritik trotz starker Performance

Adrian Sutil fuhr auf dem Nürburgring das vielleicht beste Rennen seiner Karriere, musste sich nach dem Ausfall aber trotzdem Kritik anhören

Es hätte so schön sein können: Mit dem schwersten Auto aller Top-10-Finalisten hielt Adrian Sutil heute auf dem Nürburgring bis zum ersten Boxenstopp sensationell Anschluss zur Verfolgergruppe hinter Rubens Barrichello und Mark Webber, sodass die ersten WM-Punkte seit Fuji 2007 schon auf dem Silbertablett angerichtet waren.

Als auch noch die Ferraris vor ihm an die Box abbogen, drehte der Force-India-Pilot zwei extrem schnelle Runden - und plötzlich lag er mit gerade mal 1,2 Sekunden Rückstand an zweiter Stelle! Doch nach dem Boxenstopp in Runde 27 kam es in der ersten Kurve zu einer Kollision mit Kimi Räikkönen, der Sutil nicht vorbeilassen wollte und daher außen dagegen hielt. Nach Ansicht der Rennkommissare war das ein Rennunfall.

Teilschuld bei Räikkönen?

Sutil stimmt dem grundsätzlich zu, hält aber gleichzeitig fest: "Ich bog als Erster in die Kurve ein. Kimi probierte es außen, was sein gutes Recht ist, aber ich glaube schon, er hätte noch etwas weiter außen fahren und mir ein bisschen mehr Platz lassen können. Wenn da Platz ist, sollten wir ihn auch verwenden, aber das wurde in der Situation nicht gemacht. Ich will ihm aber nicht die Schuld geben. So etwas kann passieren."

Räikkönen wollte sich genauso wenig auf Schuldzuweisungen einlassen, Formel-1-Experte Keke Rosberg hingegen schon - für den Weltmeister von 1982 war Sutils Aktion schlicht und einfach "dumm". Rosberg findet, dass der junge Deutsche, der in der Vergangenheit schon oft für diverse Zwischenfälle kritisiert wurde, im Zweifel zurückstecken hätte müssen, um die wertvollen Punkte für das Team ins Ziel zu bringen.

Außerdem missfällt dem Finnen, wie leicht Sutil die entgangene Chance wegsteckt: "Ich finde, er nimmt das zu locker", kritisiert Rosberg. "Er badet im Ruhm des siebenten Startplatzes, aber der ist heute nichts mehr wert. Heute zählt nur das Rennergebnis - und in der Formel 1 bist du nur so gut wie dein letztes Ergebnis, nicht besser und nicht schlechter. Da steht bei ihm heute eine Null. Das ist für Force India eine Katastrophe."

Ein Lächeln gegen den Frust

Sutil sieht das anders: Man werde ihn nie pessimistisch erleben, weil es für Trübsalblasen auch keine Punkte gibt. Außerdem sei es wichtig, die Enttäuschung mit einem Lächeln zu verarbeiten und angesichts der starken Vorstellung bis in Runde 28 nach vorne zu schauen: "Ich bin enttäuscht, aber es war insgesamt ein großartiges Wochenende. Das war unsere beste Performance überhaupt, vor allem im Trockenen. Wir sind auf dem richtigen Weg."

"Im ersten Moment war ich klarerweise riesig enttäuscht, aber jetzt bin ich es nicht mehr. Ich hatte ein gutes Qualifying, ein gutes Rennen. Es war einfach Pech. That's Racing. Davon darf man sich nicht unterkriegen lassen. Ich genieße es jedes Mal, wenn ich ins Auto steige, und wenn ich eine Chance sehe, macht es noch mehr Spaß. Aber es ist schon klasse, einfach nur in der Formel 1 dabei zu sein", so der 26-jährige Deutsche.

Aufmerksamen Beobachtern dürfte nicht entgangen sein, dass ihm schon einmal ein mögliches Topergebnis durch eine Karambolage mit Räikkönen abhanden gekommen ist, nämlich in Monte Carlo 2008. Sutil war das im ersten Moment gar nicht bewusst: "Daran habe ich nicht sofort gedacht, aber als ich später Zeit hatte, darüber nachzudenken, kam es mir schon in den Sinn", gibt er zu. "Was für ein Zufall!"

Sichere Punkte verloren

"Zuerst dachte ich ja noch, es sei keine große Sache, aber dann sah ich den kaputten Frontflügel. Da dachte ich: 'Nicht schon wieder!' Wenn du so weit vorne liegst und dann passiert so etwas, gehen dir viele Dinge durch den Kopf. Da platzen auf einmal alle Hoffnungen", seufzt der Force-India-Pilot und fügt an: "Ich denke, ich hätte Siebenter oder im schlechtesten Fall Achter werden können. Punkte wären auf jeden Fall drin gewesen."

Das ist möglicherweise sogar pessimistisch gerechnet, denn er lag zum Zeitpunkt seines Ausfalls etwa eine Sekunde vor Nico Rosberg, der nach 60 Runden mit 21 Sekunden Rückstand als Vierter über die Ziellinie fuhr. Allerdings hatte auch der siebentplatzierte Fernando Alonso nur 24,8 Sekunden Verspätung auf Sieger Mark Webber. Nur eines steht fest: Ein leeres Punktekonto hätte Sutil bei normalem Rennverlauf nicht mehr gehabt.

Dass er als Underdog von Ex-Weltmeister Räikkönen nicht als vollwertiger Gegner eingestuft wird und es deshalb zur Kollision kam, glaubt der Pechvogel übrigens nicht: "Der Respekt ist immer geringer, wenn man mit einem kleinen Team auf einmal vorne mitfährt, weil einem die Leute die Pace nicht zutrauen. Ich glaube aber nicht, dass das ausschlaggebend war, denn Kimi ist ein fairer Fahrer", sagt er über seinen Konkurrenten.

Tendenz zeigt nach oben

Zumindest ist Sutil angesichts der zuletzt unübersehbaren Leistungssteigerung bei Force India optimistisch, dass er bald punkten wird: "Die Punkte müssen kommen, sonst weiß ich nicht, was ich tun soll! Wir hatten in diesen zwei Jahren schon so viel Pech. Das wird schon. Einige Fahrer und Teams müssen eben den harten Weg gehen, aber es wird klappen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Diese Situation macht uns nur stärker. Ich gebe nie auf."

Für seine Chancen auf dem Transfermarkt sicher nicht das Schlechteste, denn der Youngster hat demonstriert, dass er verflixt schnell ist, wenn alles passt, und dass er Routinier Giancarlo Fisichella im Griff hat. Auch der Boxenstopp vor der Kollision, bei dem An- und Abfahrt perfekt gepasst haben, war allerbeste Eigenwerbung. Aber dass solch unglückliche Situationen gerade bei Sutil immer wieder vorkommen, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Wie stehen also die Chancen für nächstes Jahr, Adrian? "Ich möchte konstant da vorne mitfahren, denn das macht einfach mehr Spaß. Im Moment leisten wir sehr gute Arbeit. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Nächstes Jahr? Keine Ahnung. Das hängt von meiner Leistung ab und von der des Teams. Im Moment hängt die ganze Formel 1 in der Luft, also konzentriere ich mich einfach auf mich selbst", entgegnet er.

Fotoquelle: xpb.cc

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