Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hat schon einfachere Jahre erlebt als 2009

Formel 1 2009

— 13.07.2009

Domenicali: Ferrari stoppt Weiterentwicklung

Teamchef Stefano Domenicali spricht über das Rennen am Nürburgring und kündigt an, dass Ferrari die Weiterentwicklung des F60 einstellen wird

Felipe Massa holte gestern auf dem Nürburgring den zweiten Podestplatz der Saison für das strauchelnde Ferrari-Team, während Kimi Räikkönen mit einem Kühlungsdefekt ausschied. Nach dem Rennen bestätigte Teamchef Stefano Domenicali, dass die Ressourcen demnächst komplett auf 2010 umgeschwenkt werden sollen. Auch das KER-System wird dann nicht mehr weiterentwickelt.

Frage: "Was war mit Kimi los? Mir ist aufgefallen, dass er auf dem Grid nicht im Auto saß und seine Mechaniker etwas unter dem Sitz gemacht haben. Später schied er mit einem Kühlungsproblem aus..."
Domenicali: "Das war aber ein anderes Problem. In der 13. oder 14. Runde dürfte er einen Stein getroffen haben, durch den das Schutznetz um den Kühler herum zerstört wurde. Dadurch ging dann auch der Kühler kaputt und verlor Wasser, also mussten wir anhalten. Das passierte aber im Rennen. That's Racing. Es war ein Riesenloch seitlich am Kühler. Auf dem Grid wurde wahrscheinlich nur etwas eingestellt, aber das war jedenfalls nichts Ernstes."

Kräfteverhältnis schwer zu durchschauen

Frage: "Wie sehr kann man das Podium von Felipe auf Fortschritte mit dem Auto zurückführen? Oder lag es eher an seiner konstanten Leistung im Rennen?"
Domenicali: "Ich glaube beides, aber wir müssen dieses Jahr sehr vorsichtig sein. Es ist sehr schwierig, die Performance des Autos bei unterschiedlichen Bedingungen zu verstehen. Das schwankt Tag für Tag, Team für Team. Die harten Reifen haben sicher damit zu tun. Die Rundenzeiten, die Renault am Ende des Rennens gefahren ist, waren zum Beispiel erstaunlich!"

"Daher glaube ich, dass es diese Saison entscheidend ist, überhaupt zu verstehen, was mit unserem Auto bei unterschiedlichen Bedingungen und mit unterschiedlichen Reifen wirklich Sache ist. Nach neun Rennen muss ich aber sagen, dass es allen Teams so geht. Es ist noch nicht klar. Wir müssen vorsichtig sein, denn oft sind es Kleinigkeiten, die ein Rennen entscheiden - wenn man zum Beispiel einen guten Start erwischt oder im richtigen Moment freie Fahrt hat. Das kann den Unterschied machen. Heute haben wir das mit Kimi und Felipe gut hinbekommen. Dank KERS sind sie sehr gut gestartet. Danach konnten sie die Reifen in der richtigen Phase des Stints schonen, um dann später attackieren zu können."

"Das Team hat gut gearbeitet, da gibt es nichts zu meckern. Also ist das ein positives Ergebnis. Trotzdem müssen wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben, denn die anderen schlafen nicht, wenn ich an Renault, McLaren und Force India denke. Hamilton hatte heute am Anfang mit seinem Reifenschaden Pech. Wer weiß, wo er sonst gelandet wäre? Auf solche Dinge kommt es an, daher sind die Rennen dieses Jahr viel komplizierter zu lesen als früher."

Frage: "Bist du mit Kimis Leistung in der ersten Saisonhälfte zufrieden?"
Domenicali: "Ja. Wir müssen beim Analysieren der Leistung der Fahrer im Verhältnis zur Situation mit dem Auto und mit den Reifen sehr sorgfältig sein. Wir beschweren uns nie über irgendeinen Ingenieur oder irgendeinen Fahrer, sondern wir reden immer nur über die Performance des Teams insgesamt, weil die Fahrer Bestandteil des Teams sind."

Frage: "Toyota hat heute nicht gepunktet, liegt in der Weltmeisterschaft aber trotz des Podiums von Felipe weiterhin vor euch. Wann werdet ihr die Entwicklung am diesjährigen Auto einstellen?"
Domenicali: "Schon bald. Wir haben bereits mit der Arbeit am neuen Projekt begonnen. In den nächsten paar Wochen werden wir komplett auf das neue Projekt umschalten, um sicherzustellen, dass wir keine Zeit verlieren, denn wir wissen, dass die nächste Saison besonders wichtig ist. Da wollen wir mit einer besseren Basis starten. Es ist also nur noch eine Frage von Tagen und Wochen."

KERS wird nicht mehr weiterentwickelt

Frage: "Habt ihr die Entwicklung von KERS eingestellt?"
Domenicali: "Ja."

Frage: "Bist du optimistisch, dass diese Woche ein neues Concorde-Agreement unterzeichnet werden kann?"
Domenicali: "Wir hoffen, dass das Concorde-Agreement in den nächsten paar Tagen unterschrieben werden kann. Wir arbeiten mit voller Kraft daran. Wichtig ist, dass es keine weiteren Änderungen am jetzigen Entwurf mehr gibt. Wir müssen diese Situation im Interesse der Formel 1 so schnell wie möglich beenden."

Frage: "Bist du eigentlich zufrieden mit dem Haushalten eurer Ressourcen, was die Verteilung zwischen dem Management des Teams und dem Managements des Streits mit der FIA angeht?"
Domenicali: "Ehrlich gesagt hätte ich mich lieber mehr dem Teammanagement gewidmet, aber in meiner Funktion musste man erkennen, dass das ein sehr kritischer Moment für die Formel 1 war. Wir müssen sicherstellen, dass wir da unsere Aufgaben erledigen. Als Teamchef von Ferrari stehe ich da wegen der Bedeutung von Ferrari für die Formel 1 besonders in der Verantwortung. Ich hoffe, dass wir das in den nächsten paar Tagen beenden können, um eine neue Formel 1 zu gestalten, die mehr Energie, Leidenschaft und Positives hat. Das brauchen wir - alle von uns."

Frage: "Ferrari hat ein Vetorecht gegen Regeländerungen. Werdet ihr das Concorde-Agreement auch unterschreiben, wenn kein Vetorecht darin vereinbart ist?"
Domenicali: "Das war nicht Bestandteil des Concordes, sondern das war eine davon unabhängige Angelegenheit. Aber darüber reden wir natürlich mit der FIA."

Frage: "Angenommen, Max Mosley stellt sich der Wiederwahl als FIA-Präsident, steigt Ferrari dann aus oder nicht?"
Domenicali: "Das war Gegenstand von Diskussionen. Bei der Sitzung des Weltrats am 24. Juni wurde entschieden, dass Max nicht mehr antreten wird. Machen wir es Schritt für Schritt. Für mich ist das Wichtigste, dass wir eine positive Zukunft für die Formel 1 ermöglichen - und zwar so schnell wie möglich!"

Fotoquelle: xpb.cc

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