Teamchefs unter sich: Flavio Briatore, Christian Horner und John Howett

Formel 1 2009

— 15.07.2009

Concorde-Agreement: Einigung in Sicht

Neues von der politischen Ebene: Ein Meeting in Genf soll den Weg zu einem neuen Concorde-Agreement endgültig ebnen

Hinter den Kulissen der Formel 1 ist heute wieder einmal ein entscheidender Tag: In Genf treffen die acht FOTA-Teams, Williams, Force India und die drei neuen Rennställe Campos, Manor und US F1 aufeinander, um einen Vertrag für Kostensenkungen zu formalisieren. Bis 2011 sollen die Budgets bekanntlich auf das Niveau der frühen 1990er-Jahre reduziert werden.

Sobald sich die Teams in diesem Punkt einig sind, will auch die FIA das neue Concorde-Agreement unterschreiben, das in den vergangenen Wochen zwischen der FOTA und dem Halter der kommerziellen Rechte hin- und hergeschickt wurde. Damit wäre der Formel-1-Streit wohl beendet. Allerdings kann es bis zur endgültigen Ratifizierung aus formellen Gründen noch ein paar Tage länger dauern als am vergangenen Wochenende angenommen.

Das Concorde-Agreement und die Transparenz

"Was den Inhalt des Dokuments angeht, sind wir bereits sehr weit", bestätigt Toyota-Teampräsident und FOTA-Vizechef John Howett am Telefon gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Die 250 Seiten, die die kommerziellen Aspekte abdecken, beinhalten offenbar, dass es bei der 50:50-Einnahmenteilung zwischen dem Halter der kommerziellen Rechte und den Teams bleibt. Die restlichen 100 Seiten betreffen die Regelgebung.

Ob dieser Abschnitt nach der Ratifizierung veröffentlicht wird, bleibt abzuwarten. Howett: "Aus Teamsicht würden wir uns wünschen, dass der Abschnitt über die Regelgebung transparent gemacht wird, aber die erste Herausforderung ist, das Dokument zu unterschreiben. Dann können wir darüber diskutieren, ob wir die grundlegenden Punkte hinsichtlich der Regelgebung veröffentlichen werden." Dies würde zur Ankündigung passen, die Formel 1 generell transparenter zu gestalten.

Was die Gestaltung des Rennkalenders angeht, so wertet Howett das neue Concorde-Agreement als "vernünftige Balance" zwischen den Interessen der betroffenen Parteien: "Der Halter der kommerziellen Rechte hat die Möglichkeit, ohne allzu starke Zwänge zu agieren, sodass sie die besten kommerziellen Vereinbarungen ausarbeiten können. Gleichzeitig können aber auch die Teilnehmer in vernünftigem Maße Einfluss nehmen."

Damit "sichert die Vereinbarung auch die traditionsreichen Strecken", so der Brite. Das ist für die FOTA wichtig, denn einerseits wollen vor allem die Hersteller in großen Märkten wie China und Nordamerika fahren, andererseits sind Geister-Grands-Prix vor fast leeren Tribünen wie zuletzt in Istanbul nicht gut für das Image des Sports. Eine gesunde Mischung zwischen Traditionsstrecken und Kursen in wichtigen Ländern sollte das Ziel sein.

"Das ist wichtig für uns", erklärt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. "Unser größter Markt sind die Vereinigten Staaten, in denen wir nicht mehr fahren. Deutschland ist unser zweitgrößter Markt." Auch der Deutschland-Grand-Prix könnte 2010 ausfallen. Theissen: "Wir werden über dieses Thema mit Bernie reden müssen. Er versteht, dass es um die richtige Mischung geht, was wir verdienen können und wie wichtig der Markt ist."

"Wir müssen sicherstellen, auf den wichtigen Märkten präsent zu sein", fährt der Deutsche fort und hofft, dass die Teams in Zukunft stärker in die Gestaltung des Rennkalenders eingebunden werden: "Es gibt keine spezifische Passage im Concorde-Agreement, aber ich erwarte eine viel engere Zusammenarbeit zwischen dem Halter der kommerziellen Rechte und den Teams, was solche Entscheidungen betrifft."

Wie lange bleibt Ecclestone noch?

Bestandteil des Formel-1-Friedens muss aus Sicht der FOTA bekanntermaßen sein, dass FIA-Präsident Max Mosley zurücktritt. Zuletzt waren aber auch Gerüchte aufgekommen, wonach es selbst Bernie Ecclestone an den Kragen gehen könnte. Howett: "Das ist Sache von CVC. Wir können das nicht kommentieren. Darüber wurde nie diskutiert." Für die Teams wäre zumindest ein Nachfolgeplan wünschenswert, schließlich ist Ecclestone bereits 78 Jahre alt.

Indes haben sich die Wogen wegen des FOTA-Boykotts der Sitzung der Technischen Arbeitsgruppe am vergangenen Mittwoch gelegt. Auch ohne FOTA-Präsenz wurden die FOTA-Vorschläge abgesegnet. Aber: "Es geht nicht, dass man den bestehenden Teams sagt: Ihr könnt Vorschläge machen, aber ihr dürft nicht abstimmen. Dass man so nicht arbeiten kann, ist wohl klar", ärgert sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug immer noch.

Ross Brawn erläutert: "Die Sitzung entwickelte sich so, dass die neuen Teams von Beobachtern zu denjenigen wurden, die über die Zukunft der Formel 1 entscheiden durften, während wir in die Beobachterrolle gedrängt wurden. Und bei allem Respekt vor diesen fünf Teams: Vier davon haben in der Formel 1 noch nie einen Punkt geholt, drei davon noch nicht einmal ein Auto gebaut. Trotzdem durften sie über die Zukunft der Formel 1 entscheiden. Das konnten wir nicht akzeptieren."

"Es spricht nichts dagegen, dass die Vertreter aller Teams bei den Meetings dabei sind, aber dass die bestehenden Teams nur noch Beobachter sein dürfen, entbehrt jeder Logik. Ich glaube aber, die FIA realisiert, dass das falsch war", so der Erfolgsteamchef. Dass die FOTA nichts gegen neue Teams hat, beweist sie mit der Einladung auch der Nicht-FOTA-Teams zum heutigen Kostensenkungsmeeting in Genf.

Fotoquelle: xpb.cc

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