Ari Vatanen am letzten Wochenende im Fahrerlager am Nürburgring

Formel 1 2009

— 16.07.2009

Vatanen: Die Schlammschlacht beginnt

Der Wahlkampf um die FIA-Präsidentschaft hat noch nicht einmal richtigen begonnen, da werden schon die ersten Intrigen gesponnen

Die ersten zwei Kandidaten für die Wahl des neuen FIA-Präsidenten am 23. Oktober in Paris sind bereits benannt: Ari Vatanen und Jean Todt. Letzterer ist die Empfehlung des scheidenden Amtsinhabers Max Mosley, der seinen Rückzug erst gestern in einem Brief an die FIA-Mitgliedsklubs offiziell bestätigt hat.

Vatanen steht der engen Verbindung zwischen Mosley und Todt skeptisch gegenüber: "Sie sind enge Freunde, die sehr eng zusammengearbeitet haben, als Jean bei Ferrari war und Max bei der FIA. Aber das kann auch ein Handicap sein. Es braucht einen neuen Star, eine unabhängige Person, die für Veränderung steht", so der Ex-Rallye-Weltmeister gegenüber der 'Associated Press'. Todt hingegen kündigt an, für "Kontinuität" zu stehen.

Keine Angst vor altem Bekannten Todt

"Die Tatsache", fügt Vatanen unbekümmert an, "dass er die Unterstützung der FIA hat, kann die Situation einigermaßen verzerren, aber ich mache mir deswegen keine Sorgen. Wenn der Wind zu drehen beginnt, dann dreht er. Ich entthrone Jean nicht, sondern es bietet sich hier eine Chance. Ich setze meine Kampagne mit einem Motto fort, das Jean selbst früher oft angewendet hat: Willst du gewinnen, wähle einen Finnen!"

Der 57-Jährige vergleicht die FIA mit einem Haus, in dem lange nicht mehr gelüftet wurde: "Wenn du drin bist, merkst du nichts, aber wenn jemand von außen reinkommt, fällt ihm sofort auf, dass die Fenster aufgemacht werden müssen. Die Leute erwarten das." Aber Vatanen hat die schwächere Lobby hinter sich, weil Mosley seine Anhänger bereits auf Todt eingeschworen hat. Der würde den Kurs der vergangenen 16 Jahre fortsetzen.

Todt war bereits in Afrika auf Wahlkampftour - angeblich mit einem von der FIA bezahlten Flugzeug, wie von einigen Insidern gemunkelt wird. Gleichzeitig bilden sich auch in der Formel 1, die bekanntlich bei weitem nicht das einzige Tätigkeitsfeld ist, die ersten Lager, die Partei ergreifen. Außerdem beginnt die Schlammschlacht, im Zuge derer über die Kandidaten verschiedenste Geschichten ausgegraben werden, die ihnen schaden könnten.

So sind etwa von Vatanen unpopuläre Aussagen zum Thema Klimawandel überliefert: "Das CO2-Gerede ist der größte Hype, den ich neben Stalinismus je gehört habe." Und weiter: "Die Sonne heizt die Erde auf und nicht die Menschen. Es ist absurd, zu vermuten, dass der Mensch wissen könnte, warum Erderwärmung stattfindet. Wir haben historisch immer schon Perioden gehabt, wo es mal etwas wärmer war", wird er von 'Helsingin Sanomat' zitiert.

ADAC äußert sich nicht zum Wahlkampf

Außerdem könnte ihm auf den Kopf fallen, dass er am Nürburgring gegenüber Journalisten angedeutet hat, von der amerikanischen AAA und vom ADAC unterstützt zu werden. Denn der ADAC will von einer solchen Unterstützungserklärung nichts wissen: "Wir befinden uns im Moment mitten im Wahlkampf und wissen noch nicht einmal, wer außer Herrn Vatanen kandidieren wird. Deshalb sagen wir derzeit nichts dazu", so ein Sprecher zur 'Auto Bild motorsport' .

Vatanen stichelt seinerseits in Richtung Todt-Lager, wenn er in Bezug auf Mosleys Sexaffäre im vergangenen Jahr sagt: "Ich wäre sicher zurückgetreten." Außerdem kündigt der ehemalige EU-Parlamentarier an, dass er all jene Maßnahmen abschaffen will, die Mosley in den vergangenen Jahren eingeführt hat, um die Unantastbarkeit des Präsidenten innerhalb der FIA zu stärken. Vatanen wünscht sich einen harmonischen und keinen diktatorischen Dachverband.

"Wir brauchen einen Neuanfang", gibt er zu Protokoll und fügt an: "Wir alle sind sehr gefährdet, in die Falle zu laufen und zu glauben, dass sich die Welt nur um einen selbst dreht. Jeder Anführer dieser Welt, der sehr lange in einer Machtposition ist, neigt dazu, seine eigenen Möglichkeiten zu überschätzen und jeden als Bedrohung zu sehen, der Kritik übt." Ob dies eine Anspielung auf Mosley sein könnte, sollen unsere Leser selbst einschätzen...

Vatanen hat sich vorgenommen: "Ich möchte während meiner gesamten Kampagne konstruktiv sein und nicht mit Schlamm um mich werfen." Ein nobler Vorsatz, der sich aber wahrscheinlich nur verwirklichen lässt, wenn die Gegenseite nach den gleichen Regeln spielt. Die streitgeplagte Formel-1-Gemeinde ist jedenfalls schon gespannt, in welchem Stil die antretenden Kandidaten ihren Wahlkampf führen werden...

Fotoquelle: xpb.cc

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