Christian Horner ist der aktuell jüngste Formel-1-Teamchef

Formel 1 2009

— 17.07.2009

Horner: "Beide Fahrer werden gleich behandelt"

Red-Bull-Teamchef Christian Horner über den Aufschwung seiner Mannschaft, die Form von Mark Webber und das teaminterne Duell

Frage: "Christian, verspürt ihr zum Start der zweiten Saisonhälfte einen besonderen Druck? Anders als im vergangenen Jahr?"
Christian Horner: "Die Ergebnisse auf der Strecke sind zwar anders, aber der Druck ist gleich. Wir arbeiten so hart wie möglich, um die beste Performance herauszuholen und das möglichst schnell. In der Fabrik sind zurzeit alle stolz, auch wenn wir alle unter Volldampf arbeiten, um dem erbarmungslosen Entwicklungswettlauf in dieser Saison gerecht zu werden. Es gibt in der Firma unzählige Helden, die übernatürlichen Einsatz zeigen und enormen Aufwand betreiben, um die neuen Teile für das Auto fertig zu bekommen."

Frage: "Wie hat sich die Arbeitsweise in Milton Keynes verändert, damit solch gute Leistungen in dieser Sasion möglich sind?"
Horner: "Es gab bereits im vergangenen Jahr Anzeichen eines Wandels. Mit dem RB4 haben wir zu Beginn der Saison gute Leistungen gezeigt und in der zweiten Saisonhälfte sorgten die Entwicklungen von Red Bull Technology bei Toro Rosso für gute Ergebnisse, deren Auto mit unserem fast identisch war. Die ganze Desginabteilung läuft bestens und fügt sich perfekt in die Gruppe um Entwicklungsabteilung und Produktion ein. Das funktioniert sehr gut. Das liegt vor allem an Stabilität und Kontinuität innerhalb des jungen Teams."

Frage: "Auch die Einsatztruppe an der Strecke scheint gut zu funktionieren, dabei sind viele neue Gesichter dabei. Wie hat sich das ausgewirkt?"
Horner: "Die neuen Gesichter an der Strecke sind ja keine unbekannten Leute. Sie waren allesamt im vergangenen Jahr schon in unserem Testteam. Das beweist nur, wie stark unser Testteam war. Als wir - wie alle anderen Teams auch - im Winter vor der schwierigen Aufgabe standen, einige Leute entlassen zu müssen, haben wir ein faires Auswahlverfahren für die offenen Posten aufgestellt. Das Team in den Boxen ist brilliant. Die Kameradschaft zwischen den beiden Crews der Autos und deren Zusammenarbeit und Austausch ist fantastisch. Der Teamgeist ist in diesem Jahr sehr stark."

Frage: "Hat das Team Schwachstellen?"
Horner: "Man kann immer Dinge noch besser machen. Wenn man mal unsere Leistungen und die beiden Doppelsiege zuletzt außer Acht lässt, dann ist es unglaublich wichtig, dass sich ein Team immer weiter verbessern will. Es gibt keine offensichtlichen Schwachstellen bei uns, aber wir müssen uns als gesamte Mannschaft immer weiter vorantreiben."

Frage: "Blicken wir mal ein paar Rennen weiter zurück. Wie war das Gefühl, erstmals auf dem Formel-1-Podium zu stehen, nachdem es in China den ersten Sieg gab?"
Horner: "Ich war stolz, dass ich Red Bull beim ersten Formel-1-Sieg repräsentieren durfte. Immerhin war ich von Anfang an dabei. Auf dem Podest zu stehen und auf all die glücklichen Gesichter hinabzublicken und an der Seite der beiden Fahrer zu stehen, die gerade grandiose Leistungen gezeigt hatten, war ein Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde. Es war ein tolles Gefühl, vor allem nach einem fast zweistündigen Rennen unter schwierigsten Bedingungen."

Frage: "Zum Start der Saison ging Mark Webber auch wegen seiner Verletzungen als Underdog gegen den jungen Sebastian Vettel ins Rennen. Wie denkst du jetzt darüber?"
Horner: "Unsere beiden Piloten sind beide auf einem Toplevel, auch wenn sie in unterschiedlichen Stadien ihrer Karrieren sind. Sie treiben sich gegenseitig an. Ich denke, wir haben zurzeit die beste Fahrerpaarung der Formel 1. Als wir Mark Anfang Januar sahen, hatte er doch glatt vergessen, uns von seiner gebrochenen Schulter zu erzählen. Er konnte sein Bein überhaupt nicht belasten und ich dachte: 'Das kann ja interessant werden!' Aber er war absolut entschlossen, den neuen Wagen direkt nach der Präsentation zu fahren."

"Als er die ersten Runden im RB5 gedreht hatte, sah man seine große Erleichterung in den Augen. Er war sich selbst wohl nicht sicher, ob er das nötige Gefühl im Bein haben würde und wie er mit den Bodenwellen klarkommt. Danach gab es keinerlei Zweifel mehr, dass er für Melbourne fit sein würde. In typisch australischer Manier hat stillschweigend die Schmerzen und die Unbequemlichkeiten seiner Verletzung ertragen."

"Er hat eine großartige Unterstützung erfahren und die Physios und Trainer haben gute Arbeit geleistet. Ich denke, dass wir erst jetzt wieder den Mark Webber erleben, der den Fitnessstand der Vorjahre erreicht hat. Er ist in der Form seines Lebens. Sebastian ist ohne Zweifel ein aufgehender Stern. Er ist enorm erwachsen, auch ohne die nötige Erfahrung. Er hat unwahrscheinlich viel Talent und wird immer besser. Das Beste sehen wir erst noch. Beide werden im Team absolut fair behandelt und erhalten identisches Material."

Frage: "Ab welchem Punkt werdet ihr euch im WM-Kampf Gedanken über eine Teamorder machen?"
Horner: "Wir werden weiterhin beide Piloten gleich behandeln. Es liegen nur eineinhalb Punkte zwischen den beiden Fahrern, also haben beide Chancen auf den Titel. Es ist ein weiter Weg bis zu Jenson Button. Sobald einer der Fahrer einen großen Abstand hat oder mathematisch nichts mehr geht, sind beide Piloten Teamplayer genug, um den jeweils anderen zu unterstützen. Wir würden es am liebsten sehen, wenn beide den führenden Brawn so schnell wie möglich überholen."

Fotoquelle: xpb.cc

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