Ross Brawn denkt nach dem heutigen Unfall über Maßnahmen nach

Formel 1 2009

— 25.07.2009

Brawn liefert Details zum Massa-Unfall

800 Gramm, die ein Leben gefährden können: Ross Brawn liefert Details zum Massa-Unfall und denkt über verbesserte Sicherheitsmaßnahmen nach

Gerade mal 800 Gramm schwer ist jene Feder, von der Felipe Massa heute Nachmittag beim Qualifying zum Grand Prix von Ungarn auf der rechten Seite seines Kopfes getroffen wurde - aber bei Tempo 220 können 800 Gramm Stahl (Ross Brawn: "Ich glaube, das Teil besteht aus Stahl - ganz sicher bin ich mir nicht") ganz plötzlich lebensbedrohend sein.

"Wir hatten ein Problem mit dem Heck des Autos. Wir haben eine Feder verloren und wir untersuchen das noch, denn wir haben das Teil von der FIA bis jetzt noch nicht zurückbekommen. Sobald wir es zurück haben, können wir eher sagen, was da genau passiert ist", analysiert der britische Teamchef von Rubens Barrichello, dem die Radfeder am Ende des zweiten Qualifyings auf dem Hungaroring abhanden gekommen war.

Abdeckung hat sich gelöst

Es handelte sich bei dem Teil genauer gesagt um die dritte Dämpferfeder, die sich lösen konnte, weil die entsprechende Abdeckung aus bislang ungeklärten Gründen nicht mehr da war. Brawn: "Dieses Problem trat heute zum ersten Mal auf. Bisher war unser Auto sehr zuverlässig. Aber solange wir die Angelegenheit nicht untersucht haben, möchte ich dazu nicht allzu viel sagen. Wir werden jedenfalls sicherstellen, dass unsere Autos morgen sicher sind."

Barrichello habe den Zwischenfall "sofort am Funk gemeldet" - noch bevor irgendjemandem bewusst war, dass sich ein Teil gelöst und für den verheerenden Crash gesorgt hatte. Welche Energien bei solchem Tempo freigesetzt werden können, beweist aber alleine die Tatsache, dass die Radfeder noch etwa einen Meter hoch durch die Luft segelte, als Massa an der Stelle ankam, obwohl der Ferrari laut GPS vier Sekunden hinter Barrichello unterwegs war!

Sechs Tage nach dem tödlichen Unfall von Henry Surtees - der Nachwuchspilot wurde beim Formel-2-Rennen in Brands Hatch von einem umherfliegenden Rad getroffen - ist Ursachenforschung angebracht. Ein Schlag auf den Helm ist so etwas wie die Urangst eines jeden Formel-1-Piloten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering ist. Aber die Motorsportwelt befasst sich nach dem zweiten Vorfall binnen weniger Tage intensiv mit diesem Szenario.

"Wir müssen untersuchen, was vergangenes Wochenende und jetzt hier passiert ist, und es genau verstehen", sagt Brawn und bemerkt: "Theoretisch gibt es die Möglichkeit von Schutzscheiben. Auf jeden Fall ist die Arbeit, die im Bereich der Helme geleistet wurde, sehr wertvoll, wie man heute gesehen hat. Die Helme wurden in den vergangenen Jahren enorm verbessert. Wir müssen uns bei den Leuten bedanken, die das veranlasst haben."

Was kann man unternehmen?

Viele fordern nun: Baut doch über die Cockpits eine Panzerglaskuppel oder einen Sicherheitskäfig! "So einfach ist es nicht", hält Brawn dagegen. "Eine solche Struktur könnte auf den Fahrer hereinbrechen und mehr Schaden einrichten. Das muss man alles in Betracht ziehen." Außerdem: "So etwas ist in der Geschichte der Formel 1 zum Glück noch sehr selten vorgekommen. Trotzdem dürfen wir es nicht auf die leichte Schulter nehmen."

In der Tat: Der heutige Red-Bull-Konsulent Helmut Marko hat in Clermont-Ferrand 1972 ein Auge verloren, weil er von einem aufgewirbelten Stein getroffen wurde, und in Monza 1995 hatte Gerhard Berger Riesenglück, als sich bei seinem Ferrari-Teamkollegen Jean Alesi die Cockpitkamera löste und nur die Radaufhängung und nicht Bergers Helm traf. Und so selten so etwas auch vorkommen mag: Wenn es passiert, dann meistens mit verheerenden Folgen.

Massa hat sein Leben vermutlich der in den vergangenen Jahren intensivierten Entwicklung im Kopfschutzbereich zu verdanken, die vor allem von seinem Helmlieferanten Schuberth maßgeblich vorangetrieben wurde. Wie Fotos zeigen, hielt die Struktur des Helms dem Einschlag nämlich stand - lediglich die linke Halterung des Visiers wurde abgerissen. Gar nicht auszudenken, was mit einem 20 Jahre alten Helm passiert wäre...

Dass die Kosteneinsparungsbemühungen der FIA dafür sorgen könnten, dass an der falschen Ecke gespart wird und die Sicherheit auf der Strecke bleibt, glaubt Brawn übrigens nicht: "Sicherheit ist für alle Teams höchste Priorität. Die Sparbemühungen haben darauf keine Auswirkungen." Er selbst werde nun alle möglichen Maßnahmen veranlassen, um sicherzustellen, dass so ein Problem morgen nicht noch einmal auftreten kann.

Fotoquelle: xpb.cc

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