Gesenktes Haupt: Mario Theissen bei der Pressekonferenz in München

Formel 1 2009

— 29.07.2009

Formel-1-Ausstieg selbst für Theissen überraschend

Der Ausstieg von BMW aus der Formel 1 kam selbst für Mario Theissen und die beiden Fahrer überraschend - Zukunft noch unklar

Als das BMW Sauber F1 Team am Sonntagabend aus Ungarn abreiste, wusste von den Mitarbeitern noch niemand, dass das Unternehmen heute den Ausstieg aus der Formel 1 bekannt geben würde. Die Entscheidung fiel erst gestern in einer mehrstündigen Vorstandssitzung - und selbst BMW Motorsport Direktor Mario Theissen und die beiden Fahrer ahnten davor nichts.

"Es ist eine Situation, wie sie in einem Unternehmen auch bei anderen Projekten oft auftritt. Man hat nicht immer Rückenwind und man muss auch mit solchen Situationen fertig werden. Dafür ist aber Verständnis da", hatte Theissen bezugnehmend auf die sportliche Krise noch Ende April erklärt. Auf die Frage, ob es im Vorstand bereits Überlegungen gebe, den Stecker zu ziehen, entgegnete er damals nur kurz und knapp: "Nein, solche Überlegungen gibt es nicht."

Auch kein Motorenhersteller

Drei Monate später ist der Rückzug offiziell - und er betrifft alle Ebenen, denn: "BMW wird nicht als Motorenhersteller zur Verfügung stehen", stellt Entwicklungsvorstand Klaus Draeger klar. Es gehe um eine Neuausrichtung des Unternehmens, in deren Schema die Formel 1 nicht mehr passe. Die sportlichen Misserfolge hätten auf die Entscheidung aber ebenso wenig Einfluss gehabt wie die Wirtschaftskrise, heißt es.

Ausschlaggebend dafür, dass die eigentlich für später angesetzte Entscheidung des Vorstands bereits gestern getroffen wurde, war das neue Concorde-Agreement, das aller Voraussicht nach noch diese Woche unterschrieben werden soll: "Wollen wir uns drei Jahre an die Formel 1 binden? Nein, das wollen wir aufgrund unserer strategischen Überlegungen nicht", unterstreicht Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender von BMW.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Theissen spricht davon, dass ein Ausstiegsszenario wie bei Honda, wo mit Ross Brawn ein Privatier eingestiegen ist, denkbar sei: "Das werden wir prüfen, das ist eines der Szenarien." Sollte es tatsächlich so kommen, könnte Peter Sauber wieder ins Spiel kommen, der nach wie vor mit 20 Prozent am Team beteiligt ist. Im Rahmen der Pressekonferenz fiel der Name Sauber in diesem Zusammenhang aber nicht.

Wie geht es mit Theissen weiter?

Um Theissens persönliche Zukunft müsse man sich "keine Sorgen" machen, so der BMW Motorsport Direktor: "Ich kümmere mich erstmal darum, was mit dem Team wird, und dann sehen wir weiter." Aufrecht bleiben vorerst alle anderen - weniger teuren - Engagements von BMW im Motorsport, also zum Beispiel die American Le-Mans-Serie (ALMS), die Formel BMW und die Superbike-WM. Hinsichtlich der Tourenwagen-WM (WTCC) steht eine Entscheidung noch aus.

Interessant: Dem Thema KERS wurde heute geschickt ausgewichen. Reithofer: "Wollen wir Geld für die Formel 1 oder für neue Technologien ausgeben? Unsere Stoßrichtung sind die neuen Technologien", so der Vorstandsvorsitzende. Die KERS-Entwicklungsarbeit aus der Formel 1 habe man in die Serie übertragen. Sportlich gesehen war das Energierückgewinnungssystem aber ein millionenschwerer Flop...

Fotoquelle: xpb.cc

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