Die Experten sind sich einig, dass junge Fahrer mehr testen sollten

Formel 1 2009

— 31.07.2009

Protagonisten fordern neues Testreglement

Im Formel-1-Fahrerlager ist man sich darüber einig, dass Quereinsteigern vor ihrer Premiere mehr Tests zugestanden werden sollten

Der Formel-1-Einstieg von Rookie Jaime Alguersuari am Hungaroring beziehungsweise das Comeback von Altstar Michael Schumacher in Valencia sorgen derzeit für eine Debatte über das Testreglement. Denn aufgrund des Testverbots während der Rennsaison ist es Quereinsteigern derzeit nicht möglich, sich angemessen auf einen Grand Prix vorzubereiten.

Zwischen der Woche vor dem ersten und dem letzten Rennen sind nur drei Testtage für Nachwuchspiloten, die in ihrer Karriere maximal an zwei Formel-1-Rennen teilgenommen haben, erlaubt - und acht weitere Testtage für aerodynamische Geradeauschecks. Das bedeutet, dass Alguersuari am vergangenen Wochenende wie ein Fisch ins kalte Wasser geschmissen wurde, während Schumachers Ferrari-Team derzeit versucht, eine Ausnahmeregelung zu erwirken.

Entscheidung nicht genug durchdacht

Aber fast das gesamte Fahrerlager ist sich darüber einig, dass das ursprünglich als Sparmaßnahme eingeführte Testverbot während der Saison gelockert werden sollte: "Wir müssen mehr tun, als es die aktuellen Regeln zulassen. Derzeit ist das keine gute Lösung", findet etwa BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. "Die Absicht war, Geld zu sparen, was gelungen ist, aber an die jungen Fahrer haben wir zu wenig gedacht, als wir diese Regeln verabschiedet haben."

Das Reglement für 2010 ist zwar schon beschlossen, doch wenn sich alle Teams einig sind, können noch Modifikationen vorgenommen werden - übrigens ohne BMW, denn der deutsche Automobilhersteller hat diese Woche seinen Ausstieg per Jahresende bekannt gegeben. Als Theissen am Hungaroring über das Testreglement nachdachte und darüber mit Journalisten sprach, glaubte er noch, auch 2010 Bestandteil der Formel-1-Gemeinde zu sein.

Doch eine Meinung darf er trotzdem haben - und die lautet: "Mit der Ressourcenrestriktion besteht kein Bedarf mehr für ein Testverbot, weil die Gesamtausgaben ohnehin limitiert sind. Also könnten wir den Teams freistellen, wie sie ihre Ressourcen einsetzen möchten - ob in der Fabrik oder auf der Strecke", so Theissen, dessen Ansicht von McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh unterstützt wird: "Wir müssen etwas unternehmen."

"Wir sollten mehr Jungfahrertests zulassen, als wir im Moment haben - nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch, damit die Teams ermutigt werden, junge Fahrer zu verpflichten. Es ist nicht gesund für den Sport, wenn nur alte Fahrer in Frage kommen", findet Whitmarsh, der allerdings betont, dass Alguersuari am Hungaroring nicht negativ aufgefallen sei: "Ich muss sagen, dass der junge Spanier einen besseren Job gemacht hat als gedacht!"

Handicap für junge Fahrer

"Ein junger Fahrer", wirft Theissen ein, "kann im Winter ein paar Tage testen, aber wenn er dann tatsächlich zum Testfahrer ernannt wird, bekommt er während der Saison keine Testtage mehr. Vor ein oder zwei Jahren haben wir gesagt, dass ein junger Fahrer ungefähr 5.000 Testkilometer braucht, bevor er einsteigen soll. Jetzt brauchen wir nicht einmal mehr einen Testfahrer, weil die Rennfahrer die paar noch übrig gebliebenen Tests ohnehin selbst bestreiten wollen."

"Was wir noch brauchen, ist ein Ersatzfahrer. Angenommen, der Ersatzfahrer muss in Singapur kurzfristig am Samstagmorgen einspringen, dann ist das sein erstes Mal im Auto seit März. Das müssen wir überdenken und verändern", appelliert der Deutsche. Auch Mark Webber sagt: "Wir sollten was machen. Nehmen wir mal an, Heikki Kovalainen fällt aus irgendeinem Grund aus, dann wird es Pedro de la Rosa schwierig haben, ihn nach sechs Monaten Pause zu ersetzen."

Auch der im Krankenhaus liegende Felipe Massa wünscht sich eine Regeländerung: "Es wäre besser, ein paar Tests mehr zu haben - alleine schon aus Sicherheitsgründen und wegen der Fitness der Fahrer. Ich finde, wir sollten darüber diskutieren, denn es geht hier nicht nur um die Weiterentwicklung, sondern um alle Bereiche. Ich sage nicht, dass wir jede Woche testen sollten, aber öfter als jetzt, schließlich muss man auch sicherstellen können, ob die Autos überhaupt sicher sind."

Indes wärmt Whitmarsh die Idee wieder auf, das Kostenargument zu entkräften, indem man die Testfahrten zu zuschauerfreundlichen Events umgestaltet, mit denen man Geld verdienen kann: "Testfahrten kosten Geld. Wenn man sie aber richtig organisiert und kommerziell nutzbar macht, dann können wir mit Testfahrten vielleicht sogar Geld verdienen oder zumindest eine ausgeglichene Bilanz erzielen. Denn darum sollte es im Motorsport doch gehen: um Entwicklung und neue Fahrer", schlägt er vor.

Fotoquelle: Force India

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