Nelson Piquet könnte eine neue Chance bekommen: Kauft Papa ein Team?

Formel 1 2009

— 03.08.2009

Entlassung von Piquet: Die Abrechnung!

In einer persönlichen Erklärung nimmt Nelson Piquet zu seiner Entlassung bei Renault Stellung: "Flavio Briatore war mein Henker"

Nun ist es offiziell. Nelson Piquet hat offiziell von seinem bisherigen Renault-Team die Mitteilung erhalten, dass er ab sofort nicht mehr an der Formel-1-Saison für die Franzosen teilnehmen wird. Der Brasilianer reagierte auf diese Nachricht mit einer persönlichen Erklärung, in welcher er entscheidende Sachverhalte aus seiner Sicht darstellt und scharfe Vorwürfe gegen seinen Manager und den Renault-Teamchef Flavio Briatore erhebt. Die Erklärung im Wortlaut:

"Ich habe vom Renault-Team erfahren, dass die Absicht besteht, mich an der laufenden Formel-1-Saison nicht weiter teilnehmen lassen zu wollen. Ich möchte mich bei der kleinen Gruppe von Menschen bedanken, mit denen ich bei Renault zusammengearbeitet habe, aber natürlich ist diese Nachricht für mich eine große Enttäuschung. Auf der anderen Seite bin ich erleichtert, dass die schlimmste Phase meiner Karriere ein Ende hat und ich nun wieder an meiner Reputation als schneller Siegfahrer arbeiten kann."

"Ich bin ein Teamplayer. Es gibt dutzende Menschen, mit denen ich im Zuge meiner Karriere zusammengearbeitet habe, die für meinen Charakter und mein Talent bürgen würden. Ausnahme ist leider jene Person, die den größten Einfluss auf meine Karriere in der Formel 1 hatte."

"Ich habe mit acht Jahren mit dem Rennsport begonnen und Rekorde um Rekorde gebrochen. Ich habe im Kartsport alle Meisterschaften gewonnen. Ich war Formel-3-Meister in Südamerika mit 14 Siegen und 17 Pole-Positions. 2003 bin ich mit meinem eigenen Team nach England gegangen, um dort in der Britischen Formel 3 zu fahren. Ich wurde dort Champion mit zwölf Rennsiegen und 13 Pole-Positions. Ich wurde dort zum jüngsten Meister aller Zeiten."

"Ich bin 2005 und 2006 in der GP2 gefahren, holte dort fünf Siege und sechs Pole-Positions. Ich hatte im zweiten Jahr eine tolle Saison, habe die Meisterschaft nur deshalb an Lewis Hamilton verloren, weil wir als Team technische Fehler gemacht haben - unter anderem ist mir im Rennen das Benzin ausgegangen. Ich habe einen Rekord aufgestellt. Ich war in der GP2 der erste Fahrer überhaupt, der ein perfektes Wochenende mit maximaler Punktzahl geschafft hat. Niemand hat das geschafft, bis Nico Hülkenberg am Nürburgring 2009 erfolgreich war."

"Der Weg in die Formel 1 war nicht einfach. Daher haben mein Vater und ich entschieden, einen Managementvertrag mit Flavio Briatore abzuschließen. Wir dachten, das sei eine gute Gelegenheit aufgrund seiner Kontakte und Managementfähigkeiten. Leider hat damit die dunkelste Periode in meiner Karriere begonnen."

"Ich war ein Jahr lang Testfahrer, konnte nur wenige Tests absolvieren und wurde im Jahr darauf zum Einsatzfahrer bei Renault. Nach der ersten Phase der Saison kamen immer mehr seltsame Situationen. Als Neuling erwartet man doch, dass man Unterstützung vom Team erfährt und einem geholfen wird, mich an die Aufgabe zu gewöhnen. Stattdessen wurde ich degradiert 'zu einem Typen, der das zweite Auto fährt', mir wurde keinerlei Aufmerksamkeit zuteil."

"Zusätzlich gab es mehrere Fälle, wo mein Manager und Teamboss 15 Minuten vor Rennen oder Qualifying zu mir kam und mir drohte. Er sagte mir, dass wenn ich kein gutes Ergebnis erziele, er jemand anderes parat habe, der mein Cockpit übernehmen würde. Ich habe nie Drohungen gebraucht, um gute Ergebnisse zu liefern. 2008 habe ich 19 Punkte geholt, war als Zweiter einmal auf dem Podest. Ich hatte das beste Debütjahr eines Brasilianers in der Formel 1."

"Für 2009 versprach mir Briatore in seiner Rolle als Manager und Teamchef, dass alles anders werden würde. Er sagte, mir würde die Aufmerksamkeit geschenkt, die mir zuvor niemals zuteil geworden war und dass ich 'mindestens Gleichbehandlung' im Team erwarten dürfe. Er hat mich einen leistungsbezogenen Vertrag unterzeichnen lassen, der forderte, dass ich zur Saisonhalbzeit mindestens 40 Prozent der Punkte von Fernando Alonso haben müsse. Obwohl Fernando ein zweimaliger Champion und ein toller Fahrer ist, war ich sicher, dass ich die im Vertrag geforderten 40 Prozent erreichen würde."

"Leider wurde die Versprechen nicht in die Tat umgesetzt. Ich durfte mit dem neuen Auto 2.002 Kilometer testen, Fernando fuhr im Vergleich 3.839 Kilometer. Ich hatte nur drei Testtage bei trockenen Bedingungen, bei Fernando war es nur einen einzigen Tag lang feucht. Ich durfte immer nur mit schwerem Auto, harten Reifen und meistens nur am ersten Tag testen (wenn die Strecke langsam ist und die Zuverlässigkeit schlecht), oder wenn das Wetter schlecht war."

"Fernando durfte mit einem leichten Auto fahren, mit weichen Reifen und im Trockenen - also bei besten Bedingungen. Ich hatte nie die Chance, mich auf das Qualifikationssystem vorzubereiten. In der heutigen Formel 1 liegt zwischen Platz eins und Rang 15 manchmal weniger als eine Sekunde. Das bedeutet, dass ein Unterschied von 0,2 oder 0,3 Sekunden locker acht Positionen ausmachen kann."

"Zusätzlich findet die Weiterentwicklung wegen des Testverbots nun von Rennen zu Rennen statt. Bei neun Rennen der diesjährigen Saison hatte Fernando vier Mal neue Teile am Auto, die ich nicht hatte. Die Ingenieure bei Renault haben mir gesagt, dass in jenen Rennen mein Auto zwischen 0,5 und 0,8 Sekunden langsamer sei als jenes meines Teamkollegen."

"Wenn man sich nun das Wochenende in Deutschland anschaut (wo ich vor meinem Teamkollegen stand), dann wäre ich mit solch einem Vorteil Fünfter geworden und nicht Zehnter. Ohne diesen Unterschied wäre ich vor meinem Teamkollegen gelandet. Das ist mir in Silverstone sogar gelungen, obwohl er Updates am Auto hatte, die ich nicht hatte."

"Ich habe an meinem Talent und meinen Fähigkeiten keinen Zweifel. Die schlechten Resultate spiegeln meine Fähigkeiten in keinster Weise wieder. Alle, die meine Geschichte kennen wissen, dass meine Formel-1-Resultate nicht zur Vita passen und auch nicht zu meinen Fähigkeiten. Ich musste in den vergangenen zwei Jahren mit seltsamen Umständen zurechtkommen. Es gab Vorfälle, von denen ich bis heute nicht glauben kann, dass sie mir wirklich passiert sind."

"Wenn ich nun nach Erklärungen suche, finde ich sie sicherlich in der unfairen Situation der vergangenen zwei Jahre. Ich habe immer geglaubt, das man mit einem Manager ein Teil des Teams wird und somit einen Partner an der Seite hat. Ein Manager sollte aufmuntern und Gelegenheiten anbieten. In meinem Fall war es das Gegenteil. Flavio Briatore war mein Henker."

"Unter Druck zu stehen, ist mir nicht neu. Ich bin in meiner gesamten Karriere kritisiert worden, außerdem gab es aufgrund meines Nachnamens immer hohe Erwartungen. Bisher habe ich diese Erwartungen immer erfüllen, oder sogar übertreffen können. Ich hatte nie zuvor das Gefühl, dass ich mich verteidigen oder Gerüchte und Kritik zurückweisen müsste, denn ich kannte die Wahrheit immer und wollte mich nur auf die Rennen konzentrieren."

"Das Ganze hat mich nie beeinträchtigen können. Zum Glück darf ich nun allen sagen, die mich während meiner gesamten Karriere unterstützt haben, dass ich wieder auf einem guten Weg bin. Ich sehe einem Neustart meiner Formel-1-Karriere in fairer und positiver Manier entgegen."

Fotoquelle: xpb.cc

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