Lewis Hamilton brachte den silbernen Stern in Ungarn auf Hochglanz

Formel 1 2009

— 06.08.2009

McLaren-Mercedes: Mit Volldampf in Richtung 2010

Auch nach dem Sieg von Lewis Hamilton in Ungarn will McLaren-Mercedes sein Entwicklungstempo nicht drosseln: Grundlagen für 2010 schaffen

Der zurückliegende Grand Prix in Ungarn hat die Hackordnung in der Formel 1 noch einmal verändert. Nachdem zunächst Brawn den Ton angab, dann Red Bull das Zepter übernahm, sind nun die Silbernen wieder dick im Geschäft. Der Trend hatte sich bereits am Nürburgring angedeutet, er manifestierte sich am Hungaroring mit dem souveränen Erfolg von Weltmeister Lewis Hamilton.

"Das ist eine hervorragende Leistung eines tollen Teams", freut sich McLaren-Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh. Der Brite blickt rund sechs Monate zurück: "Uns war bereits zu Beginn der Testfahrten klar, dass wir eine Menge aufholen müssen." Man habe dann zunächst kleine, stetige Fortschritte gezeigt, der große Schritt nach vorn erfolgte durch ein umfassendes Updatepaket in der Eifel.

"KERS hat sich letztlich auch als ein wichtiger Faktor gezeigt. Nicht nur beim Start, sondern auch im Rennen", bringt Whitmarsh noch einmal ein Lob in Richtung Stuttgart an. Immerhin brachte McLaren-Mercedes die Hybridtechnik erstmals auf die oberste Stufe des Podiums. Andere Teams hatten sich unterdessen auf der Suche nach mehr Speed längst von KERS verabschiedet.

Entwicklung mit Blick auf 2010

"Wir hören nun nicht mit der Entwicklung auf, denn wir wollen noch weitere Rennen gewinnen", stellt der Teamchef klar. Der Brite weiter: "Noch wichtiger ist es allerdings, dass wir uns für das kommende Jahr eine gute Grundlage verschaffen." Der große Vorteil in diesem Jahr ist, dass man alle Erkenntnisse auch 2010 verwenden kann. Im kommenden Winter werden die Regelanforderungen kaum verändert. Die heutigen Fortschritte lassen sich auf morgen übertragen.

"Die Aerodynamik ist immer der Schlüssel", erklärt Chefingenieur Pat Fry. Bei der fulminanten Aufholjagd habe man den Luftfluss am Auto haargenau analysiert: "Wir haben zwar auch an der Gewichtsverteilung gearbeitet, aber das bringt letztlich nur zwei oder drei Zehntelsekunden. Im Verhältnis zu den zwei Sekunden, die wir insgesamt finden mussten, ist das nur sehr wenig. Man macht die Zeit nur über aerodynamische Verbesserungen."

"Am Nürburgring waren es ein neuer Frontflügel, eine neue Motorabdeckung, ein neuer Unterboden vorne und hinten und veränderte Elemente am Heckflügel, die den Wirkungsgrad des Diffusors erhöhen", stellt Fry das umfangreiche Paket vor, welches letztlich den Durchbruch brachte. Auch in Woking wird wegen der Sommerpause derzeit nicht gearbeitet, aber wichtige Neuteile für den Grand Prix von Europa in Valencia stehen schon fertig verpackt zum Transport bereit.

Zum Start ins Jahr ein Schock

In den Hallen von McLaren-Mercedes atmen alle nach dem Sieg von Hamilton zunächst einmal auf. "Der Test in Barcelona war ein Schock für uns", erinnert sich Paddy Lowe an die Anfänge der Testfahrten. Der Technikchef weiter: "Diese Erkenntnis, dass wir plötzlich das langsamste Auto im Feld hatten, mussten wir erst einmal verdauen. Das hat ein bis zwei Tage gedauert."

Anschließend sei ein unvergleichlicher Entwicklungsplan angelaufen, beschreibt Lowe: "Wir haben in den ersten vier Rennen taktisch agiert, damit wir nicht ganz so schlecht aussehen. Wir haben unsere neuen Teile immer sofort ans Auto gebracht, die Gegner hatten dann ein großes Paket für Barcelona. Wir haben nicht schneller entwickelt, sondern die Teile einfach sofort benutzt, sobald sie fertig waren."

"Wir sind danach dazu übergegangen, auch wieder immer große Pakete zusammenzustellen. Ein Strategiewechsel also", so Lowe, der voller Stolz von der Aufholjagd berichtet. Im Gegensatz zu den Vorjahren habe man das Tempo in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Simulation und Fertigung erheblich anziehen können: "Wir machen mit Vollgas weiter, denn im Gegensatz zur vergangenen Saison können wir alle neuen Erkenntnisse auch im kommenden Jahr nutzen."

Was bewirkt das Tankverbot ab 2010?

Auch Manager Jonathan Neale kann wieder lächeln: "Der Erfolg kam gerade rechtzeitig vor der Sommerpause. Es war schön, endlich wieder Sieger-T-Shirts tragen zu dürfen. Wir wollten damit nicht sagen, dass wir ab jetzt alles gewinnen, aber wir wollten zeigen: Wir sind wieder da." Er habe alle Mitarbeiter zu Höchstleistungen antreiben müssen. Der Ungarn-Sieg zeige, welches Potenzial im Team stecke.

"Das war ein unglaublicher Kraftakt", so Neale weiter. "Jetzt haben wir die zweiwöchige Sommerpause, wo alle auch mal abschalten müssen. Wir haben unseren Leuten gesagt, dass sie sich bis zum Ende der Ferien keine Gedanken machen sollen. Am Montag, wenn die Arbeit wieder erlaubt ist, geben wir wieder Vollgas. Für Valencia haben wir weitere Updates in den Bereichen Aerodynamik und Aufhängung bereits fertig."

Neale schränkte allerdings bezüglich der kommenden Saison ein: "Für 2010 gibt es zwar nicht viele Änderungen, aber doch ändern sich grundlegende Dinge. Durch das Tankverbot werden wir dann statt 80 Kilogramm Benzin plötzlich 160 Kilogramm mit uns herumschleppen. Das ist ein großes Problem. Wir haben dann mehr bewegliche Masse im Auto, der Schwerpunkt liegt anders. Dazu kommt, dass es andere Vorderreifen geben wird. Die gesamte aerodynamische Balance ist dann wieder verändert. Aber so ist nun einmal die Formel 1. Darum lieben wir sie."

Fotoquelle: xpb.cc

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