Peter Sauber kämpft um sein Lebenswerk: Wie kann Hinwil gerettet werden?

Formel 1 2009

— 06.08.2009

Welche Chancen hat Sauber noch?

Nach den geplatzten Verhandlungen zwischen Peter Sauber und BMW sind die Chancen zur Rettung des Teams deutlich gesunken

Peter Sauber ist als Mann der leisen und bedachten Worte bekannt. Doch als sich der Schweizer im Bemühen um die Übernahme des Rennstalls BMW Sauber F1 Team in München eine Abfuhr einhandelte, da platzte es aus ihm heraus: "Das ist der bitterste Tag meiner 40-jährigen Motorsport-Karriere." Wenn man bedenkt, was der 65-Jährige beim Aufbau und der Entwicklung seines eigenen Teams alles durchgemacht hat, kann man sich vorstellen, wie rabenschwarz dieser Tag für Hinwil gewesen sein muss.

Der Stachel nach der Absage von BMW sitzt tief. "Ich bin unglaublich enttäuscht und niedergeschlagen", machte Sauber deutlich. Er werde sich zwar weiterhin um eine Lösung bemühen, aber er stellte auch klar: "Die Verantwortung liegt in den Händen von BMW." Sauber hatte kurzfristig ein Konzept auf die Beine gestellt, wonach das Team die bisherige Nennung des BMW Sauber F1 Teams für 2010 hätte ubernehmen können. Das wäre wichtig gewesen, vor allem aus finanzieller Sicht.

Viel Geld steht auf dem Spiel

Bis gestern hätte ein solches Nachfolgeteam für einen flüssigen Übergang zur Saison 2010 sorgen können. Der einfache Deal: Statt BMW Sauber F1 Team hätte der Rennstall einen anderen Namen bekommen, alle vorher erbrachten Leistungen der deutsch-schweizerischen Allianz wären den neuen Verantwortlichen zugute gekommen. Immerhin sind die Leistungen der Vorjahre Grundlage für die Ausschüttungen der Vermarktungsgelder.

Im Falle von Sauber bedeutet die gestrige Abfuhr mit großer Wahrscheinlichkeit, dass einem potenziellen Nachfolger über 25 Millionen Euro aus dem Topf von Bernie Ecclestone durch die Lappen gehen. Bis gestern hätte das Team das neue Concorde Agreement unterschreiben und sich somit das große Stück vom Vermarktungskuchen sichern können. Solch eine Summe müsste nun für den zukünftigen Betrieb zusätzlich aufgebracht werden. Keine leichte Aufgabe.

Laut Aussage von Peter Sauber gibt es Interessenten. Einige setzen sich direkt mit der BMW Group auseinander, andere wählen den Weg über den schweizerischen Firmengründer, der den Standort Hinwil sichern möchte. Doch das in Aussicht stehende Geld der Investoren war BMW wohl nicht genug. Die Verhandlungen in München scheiterten, weil "die Forderungen für mich ganz einfach viel zu hoch waren", sagte der enttäuschte 20-Prozent-Teilhaber.

Kann die FOTA etwas tun?

Ein wichtiges Teil im Sauber-Puzzle könnte Petronas sein. Diesen langjährigen Sponsor bei der Stange zu halten, wird grundlegend wichtig sein, um für die Zukunft planen zu können. Ob der Mineralölkonzern noch einmal mehr Geld in das Projekt investieren möchte, ist im Augenblick unklar. Logisch wäre es allerdings, denn immerhin konnte man die Partnerschaft vor allem beim heimischen Grand Prix in Malysia alljährlich bestens in Szene setzen und im Bereich Marketing kräftig punkten.

Die Teamvereinigung FOTA hatte sofort nach der Ausstiegsankündigung jede mögliche Unterstützung für ein potenzielles Nachfolgeteam versprochen. Die anderen Teams räumten eben deswegen eine verlängerte Frist zur Unterzeichnung des Concorde Agreements ein. Auch nach Ablauf des Mittwochs sind aber nicht alle Türen verschlossen. Zumindest von Seiten der FOTA heißt es, dass man einem Nachfolgeteam die nachträgliche Unterzeichnung der "Formel-1-Verfassung" möglicherweise gestatten könnte.

Das ist ein ehrbares Signal der anderen Hersteller, aber hat es einen Wert? Wird sich ein möglicher Investor tatsächlich kurzfristig für gleich drei Jahre in der Königsklasse verpflichten? Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage kaum denkbar. Außerdem können nicht die FOTA-Teams eine Zusage zur Ausschüttung der 25 Millionen Euro Vermarktungsgelder geben, sondern in diesem Bereich hätte Bernie Ecclestone das letzte Wort.

Kann Petronas zum Faktor werden?

Ein nachträglicher Beitritt zum Concorde Agreement würde außerdem die Zustimmung der FIA erfordern. Nachdem Max Mosley den Rückzug von BMW mit den Worten "es kam nicht unerwartet, denn wir haben immer gesagt, dass die Hersteller kommen und gehen" kommentierte, darf man eine solche Zustimmung zumindest mit einem Fragezeichen versehen.

Welche Szenarien sind überhaupt nun noch denkbar? Eines ist klar: Jetzt ist Geld gefragt, viel Geld! Außerdem muss man den absoluten Willen zum Engagement in der Formel 1 haben. Wenn man die Liste potenzieller Retter gedanklich durchgeht, fallen einem im Augenblick nur zwei realistische Möglichkeiten ein.

Ein Unternehmen wie Petronas, welches mit der Formel 1 seit Jahren verbandelt ist und die finanziellen Möglichkeiten hat, oder ein Formel-1-Bewerber, der bei der Vergabe der Startplätze für 2010 nicht berücksichtigt wurde. Dabei kommt man schnell auf einen Namen: Superfund. Die Österreicher könnten die Hightech-Fabrik in Hinwil gut gebrauchen, die Fachleute ebenso. Das Geld ist wohl auch vorhanden. Aber ob BMW in einem solchen Fall gesprächsbereit wäre?

Zudem sind dies nur Spekulationen - ob Petronas und Superfund ihrerseits überhaupt Interesse haben, ist derzeit unbekannt.

Fotoquelle: xpb.cc

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