Die A1GP kam nach Kyalami - die Formel 1 wird aber nicht nach Südafrika reisen

Formel 1 2009

— 13.08.2009

Grand-Prix-Pläne für Südafrika: Ein Sumpf von Korruption?

Im Zuge der Motorsportaktivitäten in Gauteng sind offenbar über 50 Millionen Euro in dunklen Kanälen verschwunden: Demokraten fordern Untersuchung

Südafrika hat nur ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft sicherlich andere Probleme, als sich aktuell mit einer möglichen Rückkehr der Formel 1 zu beschäftigen. Der Bau von Stadien und sonstiger Infrastruktur verschlingt viele Millionen. Da ist es umso schmerzhafter, wenn gut gemeinte Finanzhilfen für Motorsportprojekte in der Region Gauteng fast spurlos verschwinden.

Nach Angaben der Democratic Alliance sind insgesamt rund 54 Millionen Euro in entsprechende Projekte geflossen, ohne auch nur ansatzweise Umsatzstärkungen oder Imagegewinn zu produzieren. Die Regierung bezuschusste einen Dreijahresvertrag zur Ausrichtung der A1GP-Rennen mit 13 Millionen Euro, 38 Millionen Euro wurden für einen Vertrag über sieben Jahre mit der Superbike-Weltmeisterschaft fällig, noch einmal über drei Millionen Euro flossen in die hiesige Super Stars Series.

Auf Bestreben des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung wurden die Vorgänge untersucht. Dabei kam heraus, dass die Mittel nicht immer zweckgebunden eingesetzt wurden. Eine lokal ansässige Firma Nightsbridge Investments hatte sich fast fünf Millionen Euro Beraterhonorar eingesteckt. Außerdem kassierte das Unternehmen zehn Prozent von allen Folgeverträgen und sicherte sich 12,5 Prozent an allen Einkünften aus Events.

Über 200.000 Euro flossen auch nach Deutschland. Das Architekturbüro von Formel-1-Streckendesigner Hermann Tilke fertigte für diesen Betrag einen Masterplan für eine Rennstrecke an. Ein Projekt, welches niemals umgesetzt wird. Außerdem wurde die Renault-Road-Show mit fast drei Millionen Euro bezuschusst und rund sechs Millionen Euro gingen an das BMW Sauber F1 Team.

Man kaufte sich beim deutsch-schweizerischen Formel-1-Team die nötigen Flächen, um für GO-GP.org Werbung zu machen. Jeder Beobachter der Königsklasse dürfte mit einem solchen Titel ein Grand-Prix-Projekt verbinden - bestenfalls eines in der Region Gauteng. Die Wahrheit ist eine ganz andere: GP steht in diesem Fall für Gauteng Province und hat mit Motorsport gar nichts zu tun, sondern eher mit Tourismus und Standortmarketing.

Die Demokraten fühlen sich angesichts dieser horrenden Summen, die aus Sicht von Parteisprecher Jack Bloom kaum positive Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft hatten, an andere Motorsportprojekte erinnert. Über 50 Millionen Euro waren schon einmal beim Bau der Formel-1-Strecke in Welkom in den Sand gesetzt worden. Eine Strecke, die einen Grand-Prix-Boliden nie aus der Nähe gesehen hat. Außerdem entpuppte sich das A1GP-Rennen in Durban als finanzielles Desaster.

"Unter den gegebenen Umständen bekommt man den Eindruck, als würde das Wirtschaftsministerium nur als Sponsor der Formel 1 und der A1GP-Serie auftreten", kritisiert Bloom. In einer Erklärung forderte der Politiker eine eingehende Untersuchung der Vorgänge: "Es reicht nicht, wenn wir uns nur von den Formel-1-Plänen verabschieden. Es reicht nicht, wenn Leute entlassen werden, sondern sie müssen angeklagt werden." Aus Sicht von Bloom sind große Teile der Gelder heimlich an den konkurrierenden ANC und dessen Vertreter geflossen.

Fotoquelle: xpb.cc

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