Sebastian Vettel muss im teaminternen Kampf gegen Mark Webber aufholen

Formel 1 2009

— 20.08.2009

Vettel: "Ab jetzt zählt jedes Rennen"

Red-Bull-Youngster Sebastian Vettel über die Chancen im teaminternen Duell, die Aussichten in Valencia und die Gefahren durch KERS-Autos

Frage: "Sebastian, welche Erwartungen hast du vor diesem Rennwochenende?"
Sebastian Vettel: "Wir müssen mal abwarten. Wir hatten jetzt eine lange Pause. Vier Wochen war aus meiner Sicht etwas zu lang. Wir haben uns ganz normal vorbereitet. Unabhängig von der Strecke sollte unser Auto gut sein, also erwarte ich uns auch hier konkurrenzfähig. Ich bin gespannt, wie stark die anderen Teams sein werden. Die Strecke mag ich gern und im vergangenen Jahr waren wir hier gut unterwegs."

Frage: "Ihr hattet in den vergangenen Rennen ein Vorteil gegenüber Brawn. Hast du Angst, dass dieser Vorteil in der Sommerpause verloren ging?"
Vettel: "Naja, das lag eher an denen. Brawn hat es in den vergangenen Rennen nicht richtig zusammengebracht. In diesem Jahr ist es dermaßen eng, sodass an jedem Wochenende alles passen muss. Wir haben doch am vergangenen Rennwochenende gesehen, was alles passieren kann. Niemand hatte McLaren-Mercedes am Donnerstag vor Ungarn so stark erwartet. Auch Ferrari war plötzlich dabei. Die waren schneller als Brawn oder wir."

Frage: "Wo hat Red Bull einen Vorteil?"
Vettel: "Es gibt kein entscheidendes Geheimnis in unserem Auto. Unser Wagen ist auf schnellen Kursen gut, aber wir haben gleichzeitig auch bewiesen, dass wir auch auf Strecken mit wenigen schnellen Kurven gut mithalten können. Ich denke daher, dass wir auch hier gut sein werden. Letztlich meine ich, dass ein gutes Auto immer ein gutes Auto ist."

Frage: "Hast du Probleme mit den harten Reifen? Weil du beim Start in Ungarn so abfielst..."
Vettel: "Nein. In Monaco war Mark auf den harten Reifen gut unterwegs und ich hatte Probleme. In Ungarn bin ich mit harten Pneus gestartet und steckte im Verkehr. Außerdem hatte ich die Begegnung mit Kimi, was auch nicht gerade geholfen hat. Da ist Mark mit den weichen Reifen gefahren und hatte Probleme. Er konnte froh sein, dass sein erster Stint nicht länger war. Ich denke, es war in Ungarn die richtige Entscheidung, aber leider konnte ich das nicht beweisen."

Frage: "Wenn du dir den restlichen Rennkalender anschaust: Auf welchen Strecken könntet ihr Probleme mit dem extrem weichen Reifen bekommen?"
Vettel: "Das kann man nie sagen, bevor man es ausprobiert hat. Wir haben in diesem Jahr die Erfahrung gemacht, dass dieser Reifen manchmal funktioniert und manchmal eben nicht. Man kann sich nicht einfach das Streckenlayout und die Daten aus dem Vorjahr anschauen und dann eine Vorhersage treffen. Das geht nicht. Die Autos und vor allem die Slicks sind ganz anders. Das Freitagstraining ist deswegen so wichtig. Es hilft auch nicht gerade, dass es keine Tests mehr gibt."

Frage: "Bist du eigentlich gegen Michael Schumacher ein Rennen gefahren?"
Vettel: "(lacht) Ja, es gibt diese Geschichte aus Lonato. Es stimmt, wir waren beide zum gleichen Zeitpunkt dort. Aber wir sind nicht direkt gegeneinander gefahren. Natürlich haben alle versucht, dort eine schnelle Runde zu markieren. Aber wir waren mit völlig unterschiedlichen Karts unterwegs. Man kann sagen, dass einer mit einem Formel-3-Auto gefahren ist, ein anderer mit einem GP2 und wieder ein anderer mit einem Formel-1-Boliden. Der Zeitunterschied kommt allein durch die unterschiedlichen Kategorien der Karts. Wir hatten alle viel Spaß und haben viel geschwitzt. Das war ein schöner Tag."

Frage: "Bist du enttäuscht, dass Michael nun das Rennen hier nicht fahren kann?"
Vettel: "Eigentlich ist es mir egal. Es macht für mich keinen Unterschied. Wir haben ein klares Ziel: Wir wollen siegen. Solange der WM-Führende keinen allzu großen Vorsprung hat, kämpfen wir. Wir wollen jedes Rennen gewinnen. Ich erzähle kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ab jetzt jedes einzelne Rennen extrem wichtig ist."

Frage: "Wie siehst du die teaminterne Situation? Im Gegensatz zu Jenson Button hast du einen Konkurrenten im eigenen Lager..."
Vettel: "Ja, weil Rubens Barrichello zu Anfang nicht ausreichend gepunktet hat, konnte Jenson wegziehen. Bei uns war es anders. Mark und ich liegen in etwa gleichauf. Nun liegen 4,5 Punkte zwischen uns. Aber wir haben in Ungarn gesehen, wie schnell es sich ändern kann. Die KERS-Autos ziehen an einem vorbei, du eckst an und fällst aus. Das hilft nicht gerade, wenn du eigentlich auf dem Weg sein müsstest, wichtige Punkte zu holen. Es gibt noch ein paar Rennen, aber jedes einzelne zählt für uns beiden."

Frage: "War es für dich als Youngster irritierend, dass sich in den vergangenen Wochen fast alles um Michael Schumacher gedreht hat?"
Vettel: "Nein. Ich finde es eher schlimm, dass es so etwas braucht, damit die Formel 1 wieder neuen Schub bekommt. Das ist doch seltsam, wo wir in diesem Jahr tolle Rennen haben und das Feld so eng beisammen liegt wie seit vielen Jahren nicht mehr. Noch vor fünf Jahren lag zwischen dem schnellsten und dem zweitschnellsten Auto eine Sekunde. Zum nächsten wieder eine Sekunde Abstand. In diesem Jahr ist es extrem eng und aufregend. Es ist viel passiert, toll für die Zuschauer."

Frage: "Nachdem ihr beim Start so überrumpelt worden seid, vor allem am Nürburgring: Gab es diesbezüglich Analysen?"
Vettel: "Unser Start in Ungarn war doch recht gut. Man konnte klar sehen, dass die rechte Seite einen deutlichen Nachteil hatte. Bis 100 km/h beschleunigen alle Autos gleich. Ich habe zwar auch solch einen Knopf im Auto, aber bei mir kommt da nichts. Man kann doch deutlich sehen, wo deren Vorteil herkommt. Ich hatte vielleicht sogar den besten Start, aber dann haben Lewis und Kimi KERS aktiviert und dann kann ich nicht mithalten. Mit dieser Situation müssen wir aber irgendwie klarkommen."

Frage: "Kannst du in einem solchen Fall nicht die Linie einfach zumachen und blocken?"
Vettel: "Naja, ich könnte dann nach links ziehen, aber dann geht er eben nach rechts und landet trotzdem vor mir. Die KERS-Autos haben einen dermaßen großen Vorteil. Das kann man immer gut aus der Hubschrauber-Perspektive sehen."

Frage: "Kann KERS zum Beispiel auf der langen Geraden in Monza vielleicht sogar gefährlich sein beim Start?"
Vettel: "Wenn bei denen alles gut läuft, dann könnten die in Monza vor der ersten Kurve einen Geschwindigkeitsvorteil von 20 bis 30 km/h haben. Das kann gefährlich werden, vor allem in Monza, wo es in der ersten Ecke immer sehr eng ist. Meist kämpft man dort zu dritt um die beste Position. Nun mit den KERS-Autos rangeln da vielleicht fünf oder sechs Autos. Der Platz ist aber begrenzt, daher ist die Wahrscheinlichkeit eines Crashs groß."

Fotoquelle: xpb.cc

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