Nie mehr Formel 1? Michael Schumacher denkt nicht an ein Comeback...

Formel 1 2009

— 22.08.2009

Schumacher: Zwischen Traum und Vernunft

Die Chancen auf ein Formel-1-Comeback von Michael Schumacher sind verschwindend gering, ein definitives Nein gibt es aber nicht

Ein paar Tage lang durfte der Formel-1-Zirkus davon träumen, wie es wohl wäre, wieder mit Michael Schumacher als aktivem Fahrer um die Welt zu ziehen, doch aufgrund dessen körperlichen Zustands nahm das "Sommermärchen" ein jähes Ende. Statt im Ferrari-Cockpit sitzt der 40-Jährige in Valencia nur am Kommandostand - und schaut zu, wie Luca Badoer der Konkurrenz hinterherfährt.

Das lässt die Rufe nach Schumacher wieder lauter werden. Den Gerüchteköchen fallen die spektakulärsten Szenarien ein: Im September in Monza könnte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo den Tifosi mit einem Schumacher-Comeback eine Freude machen - und ihnen gleichzeitig Fernando Alonso als Neuzugang für 2010 präsentieren. Aber: "Ein Comeback in Monza ist kein Thema. Das wäre körperlich gar nicht möglich", verneint Schumacher-Pressesprecherin Sabine Kehm.

Kein klares Nein zum Comeback

Hoffnungen machen sich die Fans, weil das Schumacher-Lager kein klares Nein zu einem Comeback von sich gibt. "Spekulationen sind erlaubt", sagt etwa Manager Willi Weber, und auch der Rekordweltmeister selbst bleibt vage, wenn er zu Protokoll gibt: "Spekulationen gibt es in diesem Geschäft ständig." Dass die Medien aus solchen Statements keine hochseriösen Absageberichte stricken, liegt in der Natur der Sache.

Dabei ist die Sachlage für Niki Lauda sonnenklar: "Es ist ganz eindeutig, was er sagt", so der Ex-Ferrari-Weltmeister im 'RTL'-Interview. "Er ist nicht fit und er kann auch jetzt nicht sagen, wann er fit sein wird. Das Problem ist: Felipe will zurück. Die Frage ist: Wann überschneidet sich dieses Fenster, wenn Michael wieder fit wäre und der andere aber fit ist? Denn wenn Felipe fit ist, dann fährt er sicher. Ich glaube, deswegen wird Michael dieses Jahr sicher nicht fahren."

"Michael kann das selbst am besten sagen", will sich Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali aus allen Spekulationen heraushalten. "Die Rückkehr von Michael hätte uns einen riesigen Schub gegeben, aber als klar war, dass er nicht fahren kann, mussten wir die Motivation unter veränderten Bedingungen aufrechterhalten. So ist es nun mal, damit müssen wir uns abfinden. So unterstützt uns Michael eben als Berater."

Aber was sagt der Betroffene selbst zu den Chancen auf ein Comeback? "Ich habe immer noch Nachwehen von meiner Vorbereitungsaktion und denke im Moment definitiv überhaupt nicht daran", winkt der Deutsche gegenüber 'RTL' ab. Dass er sich keine definitiven Aussagen aus der Nase ziehen lässt, argumentiert er folgendermaßen: "Ich möchte ja auch nichts Falsches sagen, deswegen muss man das so stehen lassen."

Dritter Ferrari für Schumacher?

Es ist kein Geheimnis, dass Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo immer noch auf eine Rückkehr von "San Michele" hofft. Der Italiener hat seinem erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten sogar schon ein Cockpit angeboten, sobald die Formel-1-Teams drei statt zwei Autos einsetzen dürfen. Aber davon, dass sich Schumacher zu Hause in Genf heimlich auf ein Comeback vorbereitet, wie zuletzt berichtet wurde, kann offenbar doch keine Rede sein.

"Meine Fußballsaison fängt bald wieder an und ich möchte auf dem Platz halbwegs vernünftig aussehen. Ich mache alles das, was für mein privates Vergnügen notwendig ist, aber es ist nicht so, dass ich in meiner Nackenmaschine sitze und mich auf irgendetwas vorbereite, was in Zukunft auf mich zukommen könnte", dementiert Schumacher, für den das Thema Grand-Prix-Sport im Moment sehr glaubwürdig abgehakt zu sein scheint.

Den Vorwurf, er habe nicht alles versucht, lässt er nicht auf sich sitzen: "Wenn man gewisse Situationen erlebt, wie ich sie erlebt habe, dann hat man eben Nachwehen. Die können dann auch sechs Monate andauern. Das war von vornherein klar", sagt er in Bezug auf seinen Motorradunfall im Februar in Cartagena. "Welchen Einfluss die im Formel-1-Auto haben würden, das war aber nicht klar. Das kann man leider nicht simulieren, sondern das muss man im Auto herausfinden."

"Ich bin noch in Spanien untersucht worden - und da war bei weitem nicht dieses Ausmaß festzustellen, sondern da sah im Verhältnis eigentlich noch alles normal aus. Schmerzen, okay, aber alles andere war normal. Ich bin nach Hause und erst später haben wir dann bei einer doch intensiveren und detaillierteren Untersuchung doch festgestellt, wie es um mich steht", berichtet Schumacher ein halbes Jahr nach dem schwersten Unfall seines Lebens.

Kampf um Privatsphäre

Dass damals keine große Sache daraus gemacht wurde, findet er heute noch richtig: "Es gibt keinen Grund dafür, in der Öffentlichkeit über meine Verletzungen zu reden. Das ist mir während einer privaten Aktion passiert." Allerdings ist genau deswegen die Enttäuschung der Fans groß, denn im Vorfeld wusste niemand, wie es um seinen Gesundheitszustand wirklich bestellt war. Selbst Weber sagt: "Natürlich hätte ich ihn gerne hier gesehen, keine Frage."

Dabei wäre Schumacher am liebsten auch nicht als Berater nach Valencia geflogen: "Von mir aus wäre ich wohl eher nicht hergekommen, aber das Team hat mich gebeten, Luca bei seinem Debüt zu unterstützen. Das mache ich dann natürlich gerne. Mit den Gefühlen, dass ich nicht selbst drin sitze, habe ich aber nicht zu kämpfen. Ich konnte mit solchen Dingen schon in der Vergangenheit sehr sachlich umgehen und das habe ich auch hier gut geschafft."

Sein Manager kommt mit der Situation weniger gut zurecht: "Es geht mir nicht so gut, wie es mir hätte gehen können, wenn Michael im Auto gesessen wäre", gesteht "Mister 20 Prozent", der selbst nach Valencia gekommen ist. "Michael war schon so weit, dass er gesagt hat: 'Ich will das jetzt!' Ich habe alles für ihn gebastelt, alles war fertig, wir haben uns riesig gefreut. Dann kam der Frust. Ich bin schon ein bisschen down, muss ich sagen."

Zu einem möglichen Comeback noch in dieser Saison sagt Weber nur: "Ich möchte da gar keine Spekulationen entfachen. Spekulieren kann jeder. Das, was ich vom Arzt gehört habe, ist, dass es eine Zeitfrage ist. Der Heilungsprozess kann drei Monate, vier Monate, fünf Monate, sechs Monate dauern. Keiner weiß was. Wenn man in drei Monaten nachschaut, kann es gut sein oder nicht. Deswegen kann ich dazu gar nichts sagen."

Fotoquelle: xpb.cc

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