Nach dem Sieg in Valencia wieder Zweiter der Fahrer-WM: Barrichello

Formel 1 2009

— 23.08.2009

"Wie in alten Zeiten": Barrichello siegt in Valencia!

Rubens Barrichello knackt in Valencia die silberne Bastion und gewinnt vor Lewis Hamilton - Jenson Button Siebenter, Red Bull ohne WM-Punkte

Viele hatten ihn schon abgeschrieben, aber der dienstlteste Formel-1-Pilot aller Zeiten hat das Gewinnen noch nicht verlernt: Altstar Rubens Barrichello feierte heute in Valencia den zehnten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere, den ersten seit Schanghai 2004, damals noch auf Ferrari - und anschlieend flossen im Cockpit wieder einmal die Trnen!

Der Brawn-Mercedes-Pilot fuhr vier Wochen nach dem verhngnisvollen Zwischenfall am Hungaroring, wo eine Stahlfeder seines Boliden Felipe Massa schwer am Kopf verletzte, mit einem besonderen Helm: "Felipe - see you on track soon!" Und wer wei, wie aberglubisch "Rubinho" sein kann, der wei, dass er diesen Helm von nun an am liebsten gar nicht mehr abnehmen wrde. In der Weltmeisterschaft machte er jedenfalls ordentlich Boden gut.

Nullrunde fr die "roten Bullen"

Denn whrend Barrichello das Maximum von zehn Punkten auf sein Konto gutschreiben lie und damit in der Gesamtwertung wieder auf Platz zwei vorrckte, wurde sein Teamkollege Jenson Button gerade mal Siebenter - und Red-Bull-Renault ging ganz leer aus: Mark Webber kam nach einer farblosen Vorstellung als Neunter ins Ziel, Sebastian Vettel schied mit Motorschaden schon in der 24. von 57 Runden aus.

Fr den Deutschen war das Rennen aber im Grunde schon davor gelaufen: Nachdem er am Start einen Platz gegen Kimi Rikknen (Ferrari) eingebt hatte, funktionierte beim ersten Boxenstopp die Tankanlage nicht. Vettel musste eine Runde spter noch einmal reinkommen, fiel auf Rang 16 zurck - und war damit de facto ohnehin aus der Entscheidung raus. In der Weltmeisterschaft ist er nun mit 25 Zhlern Rckstand nur noch Vierter.

"Wir waren in einer guten Position, aber leider ging beim ersten Stopp kein Benzin ins Auto. Spter hatte ich dann schon wieder ein Problem mit dem Motor. Aber das Rennen war da eh schon vorbei", seufzte Vettel. Weil auch Webber die Kastanien nicht aus dem Feuer holen konnte, rgerte sich Teamchef Christian Horner: "Das war einfach nicht unser Wochenende. Hoffentlich luft es in einer Woche in Spa wieder besser!"

KERS am Start erneut ein Vorteil

Die spannendste Szene des 31 Grad heien Nachmittags am Hafen von Valencia war der Start: Wie erwartet kamen Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen mit ihren McLaren-Mercedes-KERS-Raketen am besten weg. Weiter hinten schob sich Rikknen dank KERS an Vettel und Button vorbei. Button, der schon in der Aufwrmrunde am Funk ber Kupplungsprobleme geklagt hatte, kam zunchst gut weg, verlor dann aber auf halbem Weg zur ersten Kurve einige Positionen.

Etwas weiter hinten krachte es: Timo Glock (Toyota) und Sbastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari) schnitten die erste Kurve innen ab, beim Rausfahren rasierte Glock Buemi dann den Frontflgel ab. Die herumfliegenden Teile trafen Debtant Romain Grosjean (Renault). Am Ende der ersten Runde musste dieses Trio an die Box kommen. Buemi schied spter nach einem Dreher mit verdchtig viel Bremsstaub links vorne aus.

In Runde 16 erffnete Hamilton die Boxenstopps. Eine Runde spter kam Kovalainen, im 20. Umlauf dann auch Barrichello. Letzterer nutzte seine drei freien Runden gut und schnappte sich den ersten Silberpfeil, hielt den Rckstand auf Hamilton anschlieend im Bereich zwischen drei und fnf Sekunden und hatte beim zweiten Boxenstopp die groe Chance, die Fhrung zu bernehmen. Dank einiger schneller Runden wre ihm das wohl so oder so gelungen.

Kommunikationsfehler beim Boxenstopp

Doch McLaren-Mercedes half nach, denn als Hamilton an die Box kam, lagen keine harten Reifen fr den letzten Stint bereit! "Das war knapp, aber vielleicht htte es auch ohne unseren verpatzten Boxenstopp nicht ganz gereicht", kommentierte Mercedes-Sportchef Norbert Haug die unglckliche Panne, und auch Hamilton nahm von Schuldzuweisungen Abstand: "Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen."

Im Nachhinein stellte sich heraus: Das Team dachte, der Fahrer wrde noch eine Runde drauen bleiben, daher waren die Mechaniker nicht vorbereitet, als das Auto pltzlich vor der Garage stand. So hatte Barrichello im Finish leichtes Spiel: Der Routinier lie nichts mehr anbrennen, brachte schlussendlich 2,3 Sekunden Vorsprung ins Ziel - und erhielt Lob von Teamchef Ross Brawn: "Das war fantastisch, Rubens - ganz wie in den alten Zeiten!"

Der 38-Jhrige selbst freute sich wie ein kleines Kind: "Fantastisch! Das ist ein Wochenende, das ich nie vergessen werde. Mir ging so viel durch den Kopf, denn ich wollte heute fr mich selbst, fr mein Land, fr meine Fans gewinnen - und natrlich auch fr Felipe, der zu Hause in Brasilien zuschaut! Aber es war nicht nur ich, sondern auch mein Auto war einfach unwiderstehlich. Am liebsten wrde ich hier bleiben und bis morgen durchfeiern!"

Kovalainen nicht siegfhig

Dritter wurde in einem wenig spektakulren Grand Prix von Europa Rikknen, der beim zweiten Stopp noch seinen Landsmann Kovalainen berholte. Letzterer bekam in den Schlussrunden den Williams-Toyota von Nico Rosberg immer formatfllender in den Rckspiegel, konnte die Position aber verteidigen. Rosberg fuhr heute ein blitzsauberes Rennen im Rahmen der Mglichkeiten seines Materials, schlug Lokalmatador Fernando Alonso (6./Renault) um 6,8 Sekunden.

WM-Leader Button, der in der Gesamtwertung immer noch 18 Punkte Vorsprung auf Barrichello hat, erholte sich nicht mehr von seinem schlechten Start, konnte das Potenzial seines Fahrzeugs im Verkehr nicht nutzen und wurde Siebenter. Immerhin ging er am Ende - genau wie Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team) - noch an Webber vorbei. Auffllig: Brawn fuhr zwei Stints auf harten Reifen, war aber auf weichen Bridgestones am schnellsten unterwegs.

Adrian Sutil (Force-India-Mercedes) lieferte sich zu Beginn ein heies Duell mit den BMW Sauber F1 Team Piloten - Nick Heidfeld (11.) konnte er an der Box sogar berholen. Glock sah als 14. die Zielflagge und sorgte in der Schlussphase fr hochgezogene Augenbrauen, als er in 1:38.683 Minuten wie aus dem Nichts pltzlich die schnellste Rennrunde in den Asphalt brannte! Insgesamt sahen 18 von 20 gestarteten Fahrzeugen die Zielflagge.

Badoer offensichtlich berfordert

Darunter brigens auch Massa-Ersatzmann Luca Badoer, der den hohen Ferrari-Ansprchen nicht gerecht werden konnte: Badoer fuhr von der ersten Runde an hinterher, fiel nach gutem KERS-Start durch einen Dreher wieder zurck, berhrte beim Rausfahren aus der Box die weie Linie, wurde dafr zurecht bestraft, drehte sich noch einmal und kam als 17. und Vorletzter ins Ziel. Schlechter war nur Kazuki Nakajima (Williams-Toyota) - mit Reifenschaden.

Rookie Grosjean lie nach dem Pech zu Beginn phasenweise mit ordentlichen Rundenzeiten aufhorchen, whrend der zweite Lokalmatador im Feld, Jaime Alguersuari (Toro-Rosso-Ferrari), mit einer Runde Rckstand 16. wurde und sich darauf beschrnkte, weitere Erfahrungen zu sammeln. Schon in einer Woche haben die Neulinge in Spa-Francorchamps Gelegenheit, diese Erfahrungen auf einer der schwierigsten Rennstrecken der Welt umzusetzen.

In der Weltmeisterschaft gibt es nun wieder eine Brawn-Doppelfhrung: Button hat sechs Rennen vor Schluss 18 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Barrichello, 20,5 auf Webber und 25 auf Vettel. Nur zwlf Piloten haben berhaupt noch theoretische Chancen auf den Titel 2009. Bei den Konstrukteuren liegt Brawn (126 Punkte) weiterhin vor Red Bull (98,5). Dahinter folgen Ferrari (46) und McLaren-Mercedes (41).

Fotoquelle: xpb.cc

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