Mit Ruhm hat sich Luca Badoer heute in Valencia nicht gerade bekleckert

Formel 1 2009

— 23.08.2009

Noch eine Chance für Badoer

Luca Badoer hat in Spa-Francorchamps die Chance, sich zu steigern, doch sollte ihm das nicht gelingen, könnte er das Cockpit verlieren

Niki Lauda hätte es selbst wohl nicht besser gemacht, aber in einem Punkt hatte der ehemalige Ferrari-Weltmeister mit seiner Prognose vor dem Rennwochenende in Valencia Recht: Massa-Ersatzmann Luca Badoer fuhr an allen drei Tagen hoffnungslos hinterher und wirkte obendrein mit der Aufgabe maßlos überfordert.

"Die Formel 1 hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Es herrscht mehr Druck", erklärte der 38-jährige Dauertestfahrer nach dem Grand Prix von Europa, den er als letzter gewerteter Fahrer beendete. Seine schnellste Runde war um knapp eineinhalb Sekunden langsamer als die von Teamkollege Kimi Räikkönen, der den Ferrari auf das Podium stellte. Da ist die Frage erlaubt: Ist das genug für die Ansprüche des Weltmeisterteams?

Team spart mit Kritik

"Ferrari kann mit dem letzten Platz nicht zufrieden sein, ganz klar", stellt Teamchef Stefano Domenicali fest. Allerdings hält er sich mit seiner Kritik zurück: "Man muss die besonderen Umstände in Betracht ziehen. Es war ein schwieriges Wochenende für Luca." Es ist kein Geheimnis: Als klar war, dass Michael Schumacher nicht fahren würde, bot sich die Gelegenheit, dem treuen Ferrari-Teammitglied in Form eines vorübergehenden Renncockpits ein Geschenk zu machen.

Doch Geschenke gibt es in der Formel 1 nie ohne Bedingungen: "Spa ist für Luca natürlich ein wichtiges Rennen. Wir erwarten eine erhebliche Steigerung von ihm. Dann sehen wir weiter", stellt Domenicali Badoer die Rute ins Fenster. "Er wusste, dass er dieses Wochenende Zeit hat, um sich eine Startbasis zu schaffen. Es war wichtig für ihn, das Rennen zu beenden. Das nächste Wochenende wird er sicher ganz anders angehen."

Diesbezüglich ist das von den Medien gescholtene Fliegengewicht, das vor Valencia zuletzt in Suzuka 1999 einen Grand Prix bestritten hatte, felsenfest überzeugt: "In Spa werde ich sicher auf höherem Niveau fahren können. Ich kenne die Strecke, bin dort auch schon ein paar Formel-1-Rennen gefahren", so Badoer voller Zuversicht. "Gut, dass nur eine Woche Pause ist, denn ich habe jetzt ein sehr gutes Gefühl."

"Ich fühle mich um eine Sekunde selbstbewusster als gestern, denn um so viel habe ich mich seit gestern verbessert! Das ist ein vernünftiger Schritt", sagte er. "Ich bin kein Zauberer. Dieses Wochenende habe ich mich sehr gesteigert und ich glaube, dass es in Spa noch besser gehen wird. Wie viel, das weiß ich nicht - das werden wir dort sehen. Aber ich werde das Auto, das Team, die Strecke besser im Griff haben. Es wird besser klappen, das verspreche ich!"

"Es waren drei sehr schwierige Tage für mich, ein sehr hartes Wochenende. Etwas anderes haben das Team und ich aber auch nicht erwartet", so der Italiener, der findet, dass er die Zielsetzung genau erfüllt hat: "Das Team hat mir gesagt, ich soll unbedingt ins Ziel kommen, damit ich mehr Vertrauen ins Auto bekomme. Daher sind wir sehr glücklich. Wir haben uns tapfer geschlagen und Ferrari ist zufrieden mit mir."

Von Grosjean angeschoben

Badoer erwischte im Rennen einen guten Start, war dank KERS schon 14. - doch dann schob ihn Romain Grosjean von hinten an, sodass er ans Ende des Feldes zurückfiel. Später folgte ein verpatzter Boxenstopp, der ihm wegen Überfahrens der weißen Linie eine Durchfahrstrafe einbrachte, und noch einmal später leistete er sich einen Dreher ohne weitere Folgen. Selbst die Rookies Grosjean und Jaime Alguersuari wirkten in schlechteren Autos souveräner.

"Ich habe einen sehr guten Start hingelegt, aber dann ist mir jemand hinten reingefahren. Sonst hätte ich mit den anderen mithalten können", bilanzierte er - und wollte unbedingt angemerkt wissen: "Ich möchte mich bei Michael Schumacher bedanken, denn er hat mich sehr unterstützt, auch moralisch. Und es hilft natürlich, von einem siebenfachen Weltmeister Tipps zu bekommen. Er hat sich alle Daten mit mir angeschaut und wir haben über alles gesprochen."

Wer Badoer ersetzen könnte, sollte er sich auch in Spa-Francorchamps nicht erheblich steigern können, ist noch unklar. Kandidaten gibt es viele: Testfahrer Marc Gené, Giancarlo Fisichella, für den ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen würde, Nico Hülkenberg, der durch Manager Willi Weber einen guten Draht nach Maranello hat. Am meisten Charme hätte aber die Variante Jacques Villeneuve - der Kanadier ist bekanntlich auf Jobsuche.

Doch Domenicali weiß: "Es würde jedem Fahrer schwer fallen, mit diesem Auto Punkte zu holen. Ob wir mit dem zweiten Auto 17. oder 14. werden, macht nicht so einen großen Unterschied." Der Idee, einen Youngster aus dem künftigen Ferrari-Juniorenkader ins Cockpit zu setzen, etwa den jungen Austro-Italiener Mirko Bortolotti, hält er für nicht durchführbar: "Das wäre alleine schon aus Sicherheitsgründen nicht korrekt."

Fotoquelle: xpb.cc

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