Bravo, "Fisi": Erste Pole-Position seit dem Grand Prix von Malaysia 2006!

Formel 1 2009

— 29.08.2009

Sensation in den Ardennen: Fisichella auf Pole!

Giancarlo Fisichella vor Jarno Trulli und Nick Heidfeld: Mit dieser Startaufstellung hätte in Spa-Francorchamps wohl kaum jemand gerechnet...

Vijay Mallya wird sich heute Abend bestimmt ein Kingfisher-Bier aufmachen: Nicht einmal eine Woche nach dem Sieg von "Oldie" Rubens Barrichello in Valencia fuhr heute der 36-jährige Italiener Giancarlo Fisichella in Spa-Francorchamps erstmals in der Geschichte seines Force-India-Teams auf die Pole-Position - und das ohne Hilfe der Wettergötter!

"Giancarlo hat schon beim Mittagessen gesagt, dass das Auto hier sehr gut ist", strahlte Mallya nach der Sternstunde für seinen Rennstall. "Er ist brillant gefahren! Das ganze Team hat hart gearbeitet, sich Schritt für Schritt verbessert. Jetzt ernten wir die Früchte dieser Arbeit." Schon das ganze Wochenende hatte das Mercedes-Partnerteam einen starken Eindruck hinterlassen, im Top-10-Finale brachte es Fisichella in 1:46.308 Minuten auf den Punkt.

Fisichella völlig aus dem Häuschen

"Keine Ahnung, wie ich das hingekriegt habe - unglaublich! Ich hätte niemals mit der Pole-Position gerechnet", jubelte Fisichella, der zuletzt in Kuala Lumpur 2006 einen Renault auf den ersten Startplatz gestellt hatte. Und Teamkollege Adrian Sutil erkannte ganz richtig: "Das ist eine tolle Empfehlung für einen Platz bei Ferrari!" Dort könnte der heutige Sensationsmann nämlich angeblich ab Monza Luca Badoer ersetzen.

Fisichella hatte schon im ersten Segment Bestzeit erzielt und behielt auch die Nerven, als Sutil in den zweiten 15 Minuten als Elfter ausschied. "Giancarlo kriegt die weichen Reifen besser hin als ich. Im Rennen ist aber alles drin, denn mit den harten Reifen war ich das ganze Wochenende sehr schnell", analysierte der Deutsche, ohne den Kopf hängen zu lassen. Natürlich hätte er die historische erste Pole-Position für Force India aber gerne selbst geholt.

Angesichts der indischen Sensation in den belgischen Ardennen geriet alles andere fast zur Nebensache. Dabei traten noch weitere Kandidaten in Erscheinung, die vor diesem Wochenende kaum jemand auf der Rechnung hatte: Jarno Trulli (+ 0,087), dessen Toyota-Team konsequent auf das Qualifying hingearbeitet hat, wurde Zweiter, der Schnellste des Vormittags, Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team/+ 0,192), immerhin Dritter.

Wie leicht sind die Überraschungsmänner?

"Ich glaube, die vordere Gruppe war sehr leicht unterwegs", äußerte Ross Brawn zwar Zweifel an der Bedeutung dieses Ausgangs, aber Sebastian Vettel warf ein: "Die waren das ganze Wochenende schon schnell!" Der Red-Bull-Renault-Pilot selbst konnte als Achter mit knapp einer halben Sekunde Rückstand seine Erwartungen nicht erfüllen, gewann aber immerhin das Stallduell gegen Mark Webber um 27 Tausendstelsekunden.

"Bescheiden! Das war nicht das, was wir uns erhofft hatten", seufzte der WM-Vierte. "Platz acht ist eine Enttäuschung. Ich bin daran auch selbst schuld, denn ich habe in Kurve 14 den Schwung verloren und musste die Runde abbrechen. Ich hätte ein bisschen weiter vorne stehen können, aber für ganz vorne hätte es nicht gereicht." Die dritte Phase des Qualifyings hatte er mit den Positionen sechs beziehungsweise drei erreicht.

Genau wie heute Morgen war sein RB5 übrigens wieder mit der schmalen Nase ausgestattet, die das Team eigentlich in Silverstone abgelöst hatte: "Man sieht den Bullen besser drauf", begründete Vettel diese Entscheidung im Spaß und fügte ernsthaft an: "Wir versprechen uns davon einen Vorteil. Der Unterschied ist nicht groß. Spa ist eine Strecke, wo man in der Mitte liegt, was den Topspeed angeht. Daher haben wir uns so entschieden."

Barrichello bester WM-Anwärter

Bester WM-Anwärter war heute Valencia-Sieger Barrichello (Brawn-Mercedes/+ 0,205) als Vierter, gefolgt von Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team/+ 0,278) und Kimi Räikkönen (Ferrari/+ 0,325) in Reihe drei. Das BMW Sauber F1 Team brachte damit erstmals in dieser Saison beide Fahrer in die Top 5. Räikkönen hinterließ aber als Sechster einen überaus starken Eindruck und könnte morgen im Rennen von einer guten Strategie profitieren.

Mit Timo Glock (7./Toyota/+ 0,369) und Nico Rosberg (10./Williams-Toyota/+ 1,054) waren zwei weitere Deutsche in den Top 10 vertreten. Besonders beeindruckend: Die besten Neun lagen innerhalb von einer halben Sekunde! Nicht zu diesem erlesenen Kreis zählte allerdings WM-Leader Jenson Button, dessen Probleme mit der Reifentemperatur wieder aufzubrechen schienen. Button schied als Zwölfter im zweiten Qualifying aus und verpasste das Finale um 0,204 Sekunden.

Landsmann Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) konnte trotz der gestrigen Bestzeit nicht an die Form von Budapest und Valencia anknüpfen und musste sich heute mit Rang zwölf hinter Kumpel Sutil zufrieden geben. Der Silberpfeil-Superstar hatte ebenso wie sein Teamkollege Heikki Kovalainen (15.) im kurvenreichen zweiten Sektor am meisten zu kämpfen. Das beweist, dass die Aerodynamik die große Schwachstelle des MP4-24 bleibt.

Renault nicht so stark wie im Training

"Lewis fehlten letztlich 0,075 Sekunden in die Top 10, die alle innerhalb einer halben Sekunde klassiert sind. Morgen im Rennen können wir besser aussehen", zeigte sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug ein bisschen enttäuscht. Schwacher Trost: Ex-Schützling Fernando Alonso (Renault), der sich mit Müh und Not und einer Last-Minute-Attacke durch die ersten 20 Minuten gezittert hatte, kam auch nicht über Position 13 hinaus.

Bereits gleich zu Beginn hatte es alle drei Neuen erwischt: Jaime Alguersuari (17./Toro-Rosso-Ferrari) verlor sein Stallduell gegen Sébastien Buemi (16.) nur knapp, Romain Grosjean (19./Renault) konnte seine guten Trainingsleistungen nicht umsetzen und Luca Badoer (20./Ferrari) enttäuschte wieder einmal auf der ganzen Linie. Der Arbeitstag des Italieners endete bezeichnenderweise im Kiesbett, als er sich mit der Brechstange steigern wollte.

Angesichts der bunt durchgemischten Startaufstellung, die nicht zwingend dem wahren Kräfteverhältnis entsprechen muss (Stichwort Benzinmengen), steht uns morgen ein hochinteressanter Grand Prix von Belgien ins Haus. Darauf freut sich auch unser Experte Marc Surer: "Zum Glück habe ich heute nicht auf die Pole-Position getippt, denn da wäre ich sicher falsch gelegen! Es wird bestimmt ein sehr spannendes Rennen morgen."

Fotoquelle: xpb.cc

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