Das heutige Rennen hatte zwei Sieger: Kimi Räikkönen, Giancarlo Fisichella

Formel 1 2009

— 30.08.2009

Sensation geplatzt: Räikkönen gewinnt vor Fisichella!

Kimi Räikkönen verhindert in den Ardennen mit dem ersten Ferrari-Saisonsieg eine Sensation durch Giancarlo Fisichella - Sebastian Vettel guter Dritter

Norbert Haug wusste es vor allen anderen: "Der Kimi wird in Spa wieder einen runterledern", hatte er in der Woche vor dem Grand Prix von Belgien prophezeit. Und der Mercedes-Sportchef sollte Recht behalten: Kimi Räikkönen feierte heute seinen vierten Sieg in Spa-Francorchamps, seinen ersten seit Barcelona 2008 und den ersten für Ferrari in der laufenden Saison!

Der "Iceman" lieferte in den belgischen Ardennen eine perfekte Vorstellung ab, hatte seinem Sieg aber auch maßgeblich dem Energierückgewinnungssystem KERS zu verdanken, das ihm in der Anfangsphase die Führung bescherte. Ohne KERS war sein stärkster Herausforderer, Sensationsmann Giancarlo Fisichella im Force-India-Mercedes, chancenlos. Dennoch war der Italiener als Zweiter der unbestrittene Held des Tages.

Als großer Verlierer muss sich Jenson Button (Brawn-Mercedes) fühlen, denn der WM-Leader verzeichnete seinen ersten Ausfall der Saison. Richtig davon profitieren konnte aber nur Sebastian Vettel (Red-Bull-Renault), der vom achten Startplatz aus ein strategisch kluges Rennen fuhr und als Dritter immerhin sechs Punkte sammelte. Mit 19 Punkten Rückstand auf Button ist er in der Fahrer-WM fünf Rennen vor Schluss Dritter.

Chaos in der ersten Runde

Trotz der guten Bedingungen - trockene Fahrbahn, 17 Grad Lufttemperatur - verlief die Anfangsphase auf der 7,004 Kilometer langen Strecke wie so oft chaotisch: Beim Anbremsen der schnellen Schikane Les Combes fuhr Rookie Romain Grosjean (Renault) Button ins Heck und löste damit eine Kettenreaktion aus, die nicht nur für die beiden das Aus bedeutete, sondern auch für Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) und Jaime Alguersuari (Toro-Rosso-Ferrari).

An der Spitze behauptete Polesetter Fisichella mit viel Routine den ersten Platz, hinter ihm ging es aber ordentlich zur Sache: Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) bremste sich zunächst auf der letzten Rille an Jarno Trulli (Toyota) vorbei, verlor dadurch aber Schwung für den Weg runter zur Eau Rouge - und plötzlich war sein Teamkollege Robert Kubica Zweiter! Rubens Barrichello (Brawn-Mercedes) war da wegen eines völlig verkorksten Starts schon ganz nach hinten zurückgefallen.

Räikkönen legte zwischen La Source und Les Combes den Grundstein für seinen Sieg, indem er sich erst weit über den Randstein hinaus nach außen tragen ließ, sich durch Eau Rouge an Kubica ansaugte und den Polen dann auf der Kemmel-Geraden problemlos schnupfte - KERS lässt grüßen. Hinter ihm reihten sich Kubica, Timo Glock (Toyota), Mark Webber (Red-Bull-Renault), Heidfeld, Nico Rosberg (Williams-Toyota) und Vettel ein.

KERS führt zur Entscheidung

Infolge der chaotischen ersten Runde, nach der das Safety-Car bis in die fünfte Runde auf die Strecke ging, mussten die Herren Trulli, Barrichello und Adrian Sutil (Force-India-Mercedes) zur Reparatur die Box ansteuern. Und dann die rennentscheidende Szene nach dem Restart: Räikkönen saugte sich durch Eau Rouge an Fisichella heran, drückte den KERS-Knopf - und schob sich wie von Zauberhand am Italiener vorbei!

Von da an folgte Fisichella dem führenden Ferrari wie ein Schatten, hielt den Abstand stets im Bereich zwischen 0,6 und zwei Sekunden. Die beiden fuhren in der 14. und 31. Runde jeweils synchron an die Box, zu einem ernsthaften Rad-an-Rad-Duell kam es aber nie. Schlussendlich brachte der "Iceman" den Sieg ganz cool nach Hause - 0,9 Sekunden vor Fisichella, der für Monza bekanntlich als zweiter Ferrari-Mann im Gespräch ist und sich dafür heute zweifellos empfohlen hat.

"Das ist ein großartiges Ergebnis für uns! Mein Ziel waren Punkte - jetzt sind es acht geworden", jubelte Fisichella nach der Siegerehrung - und fügte selbstbewusst an: "Ich war eigentlich schneller als Kimi, aber er hat mich am Anfang wegen KERS überholt. Das macht mich ein bisschen traurig, denn rein von der Pace her hätten wir gewinnen können. Nur: Über einen zweiten Platz möchte ich mich nicht beschweren!"

Erster Räikkönen-Sieg seit April 2008

"Es war kein einfaches Jahr für uns", bilanzierte der erleichterte Räikkönen. "In Barcelona haben wir den ersten großen Schritt gemacht. Jetzt stehen wir hier, obwohl wir uns schon auf nächstes Jahr konzentrieren. Heute lief es perfekt! Mein Ziel war, zumindest noch ein Rennen zu gewinnen, und das ist mir gelungen. Es war aber kein einfacher Sieg, denn von den Rundenzeiten her waren wir nicht die Schnellsten!"

Im Finish hatten die beiden schon den von hinten heranstürmenden Vettel im Rückspiegel, der speziell im kurvenreichen Mittelsektor eine Klasse für sich war. Der Red-Bull-Pilot hatte sich dank seiner langen Stints konsequent nach vorne gearbeitet und beim letzten Boxenstopp auch noch den bis dahin drittplatzierten Kubica überholt. Für mehr als die schnellste Runde (1:47.263 Minuten) reichte es aber nicht mehr.

"Wir haben mehr Punkte geholt als die anderen. Für die WM ist das ein gutes Ergebnis", zeigte sich Vettel mit dem Ergebnis gar nicht unzufrieden. Auch sein Teamchef Christian Horner kann mit dem Ausgang leben: "Wir haben gute Punkte geholt. Sebastian ist etwas näher an Jenson herangekommen. Damit können wir durchaus zufrieden sein." Nur unser Experte Marc Surer findet: "Mit einem besseren Startplatz hätte Sebastian eigentlich gewinnen müssen!"

Heidfeld wollte gewinnen

Nach dem gewonnenen Start gegen Trulli war auch Heidfeld ein Kandidat auf den Sieg, letztendlich wurde der Deutsche aufgrund der schlechten ersten Runde aber nur Fünfter. Am Ende setzte er seinen Teamkollegen unter Druck, für ein Überholmanöver reichte es jedoch nicht mehr. Freuen konnte sich Heidfeld über das eingestellt beste Saisonergebnis nicht: "Ich hatte mir mindestens das Podium ausgerechnet. Ich bin ziemlich enttäuscht."

Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) erfüllte mit seiner Einstoppstrategie als Sechster genau die Vorgabe des Teams, Barrichello rollte seinen Brawn-Mercedes mit rauchendem Heck auf Rang sieben ins Ziel. Den letzten Zähler staubte Rosberg ab, dem es trotz eines miserablen Topspeeds irgendwie gelang, Webber in Schach zu halten. Glock wurde vor Sutil Zehnter - und insgesamt sahen 14 von 20 gestarteten Piloten die Zielflagge.

Neben dem Quartett gleich zu Beginn erwischte es auch noch Fernando Alonso (Renault) und Trulli. Alonso hatte sich bei einer Berührung mit Sutil gleich am Start die Radkappe links vorne kaputt gefahren, was zu Problemen beim Boxenstopp führte. Wenig später musste er ganz aufgeben. Auch Trullis Toyota-Team verpatzte heute zwei Boxenstopps und vergab damit eine große Chance. Zum Zeitpunkt des Ausfalls lag der Italiener aber schon hoffnungslos zurück.

Durchfahrstrafe gegen Webber

Unabhängig vom unerwarteten Ergebnis bot das Rennen durch einige muntere Zweikämpfe gute Unterhaltung. Eine tolle Szene lieferte zum Beispiel Heidfeld ab, als sich Webber in der Boxengasse frech vor ihn setzte (was dem Australier eine Durchfahrstrafe bescherte). Das ließ "Quick Nick" nicht auf sich sitzen - und in Les Combes bremste er sich mutig an Webber vorbei! Spektakulär auch das Manöver von Barrichello gegen Luca Badoer (Ferrari) außen (!) in Blanchimont.

Apropos Badoer: Der Massa-Ersatzmann, der heute wahrscheinlich seinen letzten Grand Prix bestritten hat, produzierte dank seiner flach eingestellten Flügel mit 330 km/h den höchsten Topspeed und im ersten Sektor Bestzeiten am laufenden Band. Dafür sah er in den kurvenreichen Abschnitten umso schlechter aus. Unterm Strich blieb wieder nur der letzte Platz für ihn. Dazu passend ein Fantransparent: "Meine Oma ist in einem Ferrari schneller als Luca!"

In der Weltmeisterschaft hat Spitzenreiter Button fünf Rennen vor Schluss nun 16 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Barrichello und 19 auf Vettel, der seinen Stallgefährten Webber wieder um eineinhalb Zähler überholt hat. Sieger Räikkönen liegt jetzt an fünfter Stelle. Bei den Konstrukteuren hat Red Bull nur marginal auf Brawn aufgeholt - im Duell um den Titel für das beste Team steht es derzeit 128:104,5 für die Weißen aus Brackley.

Fotoquelle: xpb.cc

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