Marc Surer macht sich Sorgen um die Formel-1-Karriere von Felipe Massa

Formel 1 2009

— 07.09.2009

Wird Massa nie wieder der Alte?

Experte Marc Surer befürchtet, dass Felipe Massas Karriere einknicken könnte - Leibarzt ist für das Comeback im nächsten Jahr optimistisch

44 Tage sind seit dem bizarren Unfall von Felipe Massa am Hungaroring, wo er im Qualifying von einer herumfliegenden Stahlfeder am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde, vergangen. Seit einer Untersuchung in Miami am vergangenen Montag steht fest, dass der Brasilianer zumindest diese Saison nicht mehr in die Formel 1 zurückkehren wird.

Die Rennpause von acht Monaten bis zum Saisonauftakt 2010 könnte für Massas Karriereverlauf empfindliche Folgen haben: "Ein Rennfahrer sollte nach einem Unfall so schnell wie möglich wieder ins Auto steigen. Je länger die Pause ist, desto schlechter - und genau das ist hier der Fall", weiß 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer aus eigener Erfahrung. "Ich habe große Bedenken, ob Massa wieder der Alte sein wird."

Aus eigener Erfahrung

Der Schweizer muss es wissen, schließlich überlebte er im Laufe seiner eigenen Karriere mehrere schwere Unfälle. 1980 zog er sich bei Formel-1-Testfahrten für ATS in Kyalami schwere Knochenbrüche zu, und ein heftiger Unfall bei der Hessen-Rallye 1986, bei dem sein Copilot Michel Wyder ums Leben kam und er selbst neuerlich schwer verletzt wurde, veranlasste ihn schließlich zum Rücktritt vom aktiven Rennsport.

Surer erinnert sich noch gut an jene Zeit: "Du möchtest sofort wieder beweisen, dass du es noch kannst, dass du noch der Alte bist. Ich lag aber vier Monate im Krankenhaus - und in der Zeit hat sich in meinem Kopf was verändert. Plötzlich freust du dich, dass die Sonne aufgeht. Dein Leben kriegt einen anderen Wert und der Rennsport ist nicht mehr so wichtig. Das kommt nicht sofort, aber es kommt über die Zeit", berichtet er.

"Ich saß damals im Rollstuhl und musste langsam wieder gehen lernen. In der Zeit lernst du andere Werte kennen. Mit Freunden Essen gehen wurde plötzlich ein ganz wichtiger Punkt. Du erfreust dich an Dingen, die dir vorher kaum aufgefallen sind. Die hast du vielleicht kurz wahrgenommen, aber dann hast du schon wieder an dein Auto gedacht", so der 57-Jährige. "Mit Kind und Frau zu Hause könnte er diese Phase noch viel extremer durchmachen als ich damals."

Denn Massa liegt nicht einfach nur im Krankenhaus oder erholt sich am Strand von den Folgen des Unfalls, sondern er wird die nächsten Monate zu Hause bei seiner schwangeren Ehefrau Rafaela verbringen. Das mag für jeden werdenden Vater grundsätzlich ein Geschenk sein, aber ob eine solche Auszeit für die natürlichen Instinkte eines Rennfahrers förderlich ist, kann nur die Zeit zeigen. Schon oft haben schwere Unfälle Karrieren aus der Bahn geworfen.

Altman gibt Entwarnung

"So eine Gefahr ist natürlich bei Massa vorhanden", nickt Surer zustimmend. Er rät dem Vizeweltmeister, so schnell wie irgend möglich wieder in den Ferrari zu steigen: "Es ist ein Schock, den er vergessen würde, wenn er gleich wieder fährt, aber der an ihm nagt, wenn er nicht fährt. Plötzlich realisiert er, wie schnell das alles zu Ende sein könnte. Darüber denkt er sicher nach. Diese Überlegung kommt nicht von einem Tag auf den anderen, aber die wächst."

Entwarnung gibt indes Dino Altman, der Leibarzt des 28-Jährigen, der die Rehabilitation begleitet: "Er wird nach seiner Rückkehr stärker sein als früher", sagte Altman vergangene Woche in São Paulo. "Es geht ihm sehr gut. Er muss nur noch einen chirurgischen Eingriff machen lassen, um einen Knochenschaden zu beseitigen, und dann wird er sich physisch auf die Rückkehr vorbereiten." Bei der Operation handle es sich um einen harmlosen Eingriff an der Schädeldecke.

Wann Massa wieder testen kann, ist derzeit noch unklar. Die große Frage ist aber: Kann es sich ein Topteam wie Ferrari leisten, einfach zu warten und zu hoffen, dass der Millionenverdiener wieder so schnell fahren wird wie früher? Oder muss man sich in Maranello vielleicht einen Alternativplan überlegen, sollte sich im Winter herausstellen, dass Massa mit der Formel 1 nicht mehr so gut zurechtkommt?

"Die Möglichkeit haben sie ja. Wenn es stimmt, dass Alonso schon einen Vertrag hat, dann müssen sie eben Räikkönen halten. Die Entscheidung muss nur rechtzeitig fallen", analysiert Surer. Potenzielle Fahrer hat Ferrari ja genug - man denke nur an Michael Schumacher. Massa könne man im schlimmsten Fall bei einem Kundenteam wie Toro Rosso parken, sollte es Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit geben...

Fotoquelle: xpb.cc

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