Nirgendwo sonst sind die Fans so leidenschaftlich wie die Tifosi in Monza

Formel 1 2009

— 09.09.2009

Monza: Geschwindigkeitsrausch im roten Fahnenmeer

Was Mailand den Modemachern, ist Monza für die Formel 1 - Informationen über die Strecke, Land und Leute im Überblick

Im Königlichen Park der norditalienischen Lombardei kriecht den Formel-1-Fans bei Kurvennamen wie Parabolica, Lesmo oder Variante Ascari ein Kribbeln den Rücken hinunter. 15 Kilometer nordöstlich von den Toren Mailands - der zweitwichtigsten Metropole Italiens - gelegen, wäre Monza eigentlich eine verschlafene Kleinstadt, wären da nicht zigtausende von Fans aus aller Welt, die beim Grand Prix von Italien die engen Straßen in ein heilloses Chaos verwandeln.

Rennbesucher, die in Mailand nächtigen, sollten morgens mindestens zwei Stunden einrechnen, bis sie an der Strecke eintreffen, und abends kaum weniger, um wieder zurückzukommen. Diejenigen, die ihre Idole einmal ganz aus der Nähe sehen möchten, sollten sich am besten schon ganz früh morgens in der Nähe des Parkplatzes hinter dem Fahrerlager in Position begeben. Hier haben sie auch die beste Möglichkeit, das eine oder andere Autogramm zu erhaschen.

Italien seit 1950 ununterbrochen am Formel-1-Kalender

Ausgetragen wird der Grand Prix von Italien seitdem es die Formel-1-Weltmeisterschaft gibt - nur der Grand Prix von Großbritannien wurde ebenso ununterbrochen ausgetragen. Die Strecke inmitten eines schönen Parks hat sich über all die Jahre verändert, aber die unveränderte Start- und Zielgerade erinnert an die lange Vergangenheit des Kurses. Seit 1950 fand der Grand Prix von Italien bisher 58 Mal statt: 57 Mal in Monza und einmal, 1980, in Imola. Zwischen 1950 bis 1957 wurde in Monza sogar das jeweilige Saisonfinale ausgetragen.

Monza ist ein Platz der Geschichte und der Inbegriff italienischer Motorsportleidenschaft: Der letzte Sieg eines Italieners beim Monza-Grand-Prix liegt mittlerweile zwar 38 Jahre zurück - damals gewann Ferrari-Pilot Ludovico Scarfiotti - doch das hält die Tifosi nicht davon ab, in jedem Jahr in Monza wieder ein wenig Motorsportgeschichte zu erleben. Ein Blick in das Geschichtsbuch verrät, welch einmalige Motorsportgeschichte Monza hat: 1960 fuhr Phil Hill in einem Ferrari Dino 246 das letzte Mal mit einem Frontmotor einen Sieg heraus. Emerson Fittipaldi drehte 1971 das letzte Mal in der Geschichte der Formel 1 mit einem Allradauto seine Runden.

1971 war sowieso ein besonderes Rennen in Monza, als Peter Gethin mit nur 0,010 Sekunden Vorsprung vor Ronnie Peterson gewann - Rekord! 1958 sahen lediglich drei Autos das Ziel - ebenfalls Formel-1-Rekord. 1971 gab es sage und schreibe 41 Führungswechsel - einmalig in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports. Die schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten drehte Juan Pablo Montoya im Jahr 2002 - mit 259,823 km/h Schnitt!

Berühmte Steilkurve wird heute nicht mehr befahren

Bereits im Jahr 1922 fand im Königlichen Park zu Monza der erste Grand Prix von Italien statt. Auch die Formel 1 gastiert seit 1950 in Monza, wo zwischenzeitlich auf einer rund zehn Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke gefahren wurde. Besonders bekannt ist Monza für die Steilkurve, auf der heute aber nicht mehr gefahren wird. An sie erinnert nur noch eine Betonruine, die Jahr für Jahr mehr der Witterung zum Opfer fällt. Pläne, sie abzureißen, wurden nach Protesten auf Eis gelegt. Wo heute mehrere Schikanen die Formel-1-Autos einbremsen, wurde früher überall mit Vollgas gefahren, weswegen es in Monza viele Todesopfer zu beklagen gab.

Die Traditionsstrecke ist damit leider auch ein Ort mit einer tragischen Vergangenheit. Im Jahr 2000 musste ein Feuerwehrmann sein Leben lassen, als es nach dem Start zu einer Massenkollision kam und ein herumfliegendes Rad den Mann tödlich traf. 1961 starben der deutsche Ferrari-Pilot Wolfgang Graf Berghe von Trips und 15 Zuschauer. Der Österreicher Jochen Rindt verlor 1970 im Qualifying in der Parabolica sein Leben und wurde als einziger Fahrer in der Geschichte posthum Weltmeister. 1978 starb der Schwede Ronnie Peterson an den Folgen eines Startunfalls. Auf der Trage hatte er sich noch seine verletzten Beine anschauen können, niemand rechnete damit, dass er sein Leben lassen würde. Doch eine Lungenembolie ließ ihn über Nacht versterben.

Mit einem Schnitt von über 250 km/h ist das Autodromo Nazionale di Monza die schnellste Formel-1-Rennstrecke im Kalender. Der 5,793 Kilometer lange Kurs beansprucht wegen der brutalen Verzögerungsmanöver vor allem die Bremsen, aber auch die Reifen, die besonders in den schnellen Kurven wie der Curva Grande und der Parabolica stark belastet werden. Im Rennen ist der Kurs 53 Mal zu umrunden, was einer Renndistanz von 306,720 Kilometern entspricht.

Volllastanteil jenseits von 70 Prozent

Die ebene Pistenoberfläche ermöglicht das Fahren mit geringer Bodenfreiheit, was in den Kurven zu besserer Bodenhaftung führt und die sowieso schon flach eingestellten Flügel noch flacher werden lässt. Zu rund 70 Prozent geben die Piloten in der Runde Vollgas und sorgen dafür, dass der Benzinverbrauch dementsprechend hoch ist und die Motoren bis an ihre Belastungsgrenze getrieben werden. Vor der ersten Schikane, die 2000 umgebaut wurde, werden die Piloten Geschwindigkeiten von knapp 350 km/h erreichen.

Mit fünf Siegen ist Michael Schumacher der erfolgreichste Pilot in Monza vor Fangio, Moss, Peterson, Piquet und Prost mit jeweils drei Siegen. Ascari, Phil Hill, Surtees, Stewart, Regazzoni, Lauda, Senna, Damon Hill und Juan Pablo Montoya kommen jeweils auf zwei Triumphe. Bei den Poles führen Fangio und Senna mit fünf, Clark, Surtees und Michael Schumacher kommen auf je drei. Die meisten WM-Punkte fuhr Michael Schumacher mit 74 vor Barrichello mit 43 und Prost mit 37 ein. Auf Platz vier: Gerhard Berger mit 36 Zählern.

Die Geschichte der Rennstrecke in Monza im Überblick

1922: Der Automobilclub von Mailand entscheidet anlässlich des 25-jährigen Geburtstages des Clubs, eine Rennstrecke zu bauen. Diese solle zahlreichen Motorsportveranstaltungen, aber auch der Automobilindustrie für Tests dienen. Zum Bau der Strecke wird die S.I.A.S (Società Incremento Automobilismo e Sport - Automobile and Sport Encouragement Company) komplett mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ende Februar wird der erste Grundstein gelegt, doch schon damals gab es Proteste von Landschaftsschützern gegen die Baupläne einer 14 Kilometer langen Strecke. Ende April erhält man endgültig die Baufreigabe, allerdings für eine auf zehn Kilometer Länge gekürzte Strecke, die auf einem 340 Hektar großen Areal errichtet wurde.

Die Bauarbeiten beginnen am 15. Mai 1922, am 15. August möchte man bereits fertig sein. Nach 110 Tagen ist das Kunststück dank eines immensen Aufwands vollbracht. Am 28. Juli drehen die Bauherren mit einem Fiat 570 eine erste Runde auf dem Kurs. Der damalige Kurs beinhaltet zwei Steilwandkurven, die um 2,6 Meter erhört waren, einen Radius von 320 Meter aufwiesen und Höchstgeschwindigkeiten von 180 bis 190 km/h zuließen. Verbunden sind die Steilkurven durch zwei jeweils 1,070 Kilometer lange Geraden. Der Streckenbelag besteht aus geteertem Schotter und Beton. Insgesamt fassen die Tribünen 9.000 Plätze. Das erste Autorennen findet an einem verregneten 3. September statt.

1924 bis 1925: Auf dem zehn Kilometer langen Kurs erreichen die Fahrer der Alfa Romeo P2 mehr als 220 km/h in den zwei Steilkurven.

1928: Bei einem Unfall sterben Emilio Materassi und 27 Zuschauer. Dies ist bis dato der schlimmste Unfall in der Geschichte des italienischen Motorsports. Der Grand Prix von Italien wird zunächst aus dem Kalender genommen.

1929: Aus Sicherheitsgründen findet der Grand Prix in Monza nur auf dem Hochgeschwindigkeitsoval statt. Die Autos erreichen erstmals Schnitte von knapp 200 km/h.

1933: Campari, Borzacchini und Czaykowski verlieren in der südlichen Steilkurve ihr Leben, da Öl auf der Strecke liegt.

1934: Die Strecke wird verändert, indem nur der Straßenkurs und eine der beiden Steilkurven durch eine Querverbindung verwendet werden. Es werden zwei Schikanen eingebaut, um die Autos einzubremsen. Der Kurs schrumpft auf eine Länge von 6,680 Kilometer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 105 km/h.

1937 bis 1938: Der Kurs wird erneut umgebaut, es wird neu asphaltiert, die Steilwandkurven werden abgesenkt, neue Tribünen errichtet. Die neue Strecke ist 6,3 Kilometer lang und wird in dieser Form bis 1954 verwendet.

1948: Nachdem das Militär im Zweiten Weltkrieg die Anlage zeitweise für seine Zwecke verwendet hat, können die Veranstalter die Anlage innerhalb von zwei Monaten wieder einsatzbereit bekommen.

1950: Der erste zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählende Grand Prix findet statt. Am Start sind 31 Autos, es gewinnt Giuseppe Farina auf Alfa Romeo.

1955: Die Strecke wird wieder fast in ihre Ursprungsform von 1922 mit ihren Steilkurven umgebaut und ist wieder zehn Kilometer lang. Die Steilkurven weisen bis zu 80 Prozent Gefälle auf und sollen theoretisch Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 285 km/h ermöglichen. Zwischen 1955 und 1961 wird dieser Kurs für die Formel-1-Rennen genutzt. Musso erreicht auf dem neuen Kurs einen Schnitt von 281 km/h.

1961: Bei einem Unfall verunglücken der deutsche Ferrari-Pilot Wolfgang Graf Berghe von Trips und 15 Zuschauer. Es werden Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um die Strecke weniger gefährlich zu machen.

1963: Die Boxenanlage wird komplett abgerissen und moderner neu aufgebaut.

1966: Durch den Einbau zweier Schikanen direkt vor den Steilwandkurven steigt die Gesamtlänge des Kurses um 100 Meter.

1970: Die Formel 1 fährt nun auf einem 5,750 Kilometer langen Kurs ohne Steilwandkurven. Die schnelle Parabolica wird um 25 Meter versetzt, um mehr Auslaufzone zu schaffen.

1972: Vor den schnellen Kurven Grande und Ascari werden zwei Schikanen eingebaut, um die mit der technischen Aufrüstung immer schneller werdenden Autos einzubremsen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der 5,755 Kilometer langen Strecke beträgt nun rund 215 km/h. 1975 fährt Clay Regazzoni im Ferrari mit 223,501 km/h einen neuen Rekord.

1974: Da es in den Schikanen immer wieder zu schweren Unfällen kommt, wird die Vialone-Schikane modifiziert und Kiesbetten und Sicherheitszäune errichtet.

1976: Durch Modifikation einer weiteren Schikane erreichen die Autos vor der Curva Grande statt 300 nur noch 180 km/h. Gleichzeitig wird vor der ersten Lesmo-Kurve eine Schikane eingebaut, um die Höchstgeschwindigkeit auf der folgenden Gerade von 280 auf 180 km/h zu senken. Beide Schikanen werden mit Kiesbetten und Fangzäunen abgesichert. Die Streckenlänge steigt auf 5,800 Kilometer an, die Durchschnittsgeschwindigkeit kann trotz der enorm besser gewordenen Autos auf rund 210 km/h gesenkt werden.

1978: Ein paar hundert Meter nach der Start- und Ziellinie crashen Ronnie Peterson und Vittorio Brambilla. Ersterer verstirbt im Krankenhaus, Brambilla kann das Krankenhaus erst nach mehreren Monaten verlassen.

1979: Im Rahmen weiterer Sicherheitsverbesserungen werden die Sturzräume in der Curva Grande, der Lesmo und der Vialone vergrößert und mit Reifenstapeln abgesichert. Die Randsteine werden abgesenkt und haben weniger gefährliche scharfe Kanten. Für die Arbeiten müssen rund 400 Bäume gefällt werden, die durch die Anpflanzung 1.200 neuer Setzlinge an anderer Stelle wieder aufgeforstet wurden.

1982: Ein neues Podium wird errichtet.

1983: Das Fahrerlager wird vergrößert.

1983 bis 1985: Die Zuschauerkapazitäten werden auf rund 9.000 erhöht.

1986 bis 1988: Modernisierung des Paddock-Clubs, Neuaufbau der Überdachung der Lesmo-Tribüne, die wegen starken Schneefalls zusammengebrochen war. Die Fangzäune werden durch Reifenstapel ersetzt.

1989 bis 1990: Monza wird zu einer der modernsten Rennstrecken weltweit, dank einer neuen Boxenanlage, großer Hospitality-Bereiche und einem Pressezentrum.

1994 bis 1995: Die Strecke wird modifiziert, um den Sicherheitsvorschriften der FIA zu genügen. So wird zum Beispiel die Lesmo-Kurve langsamer gestaltet. Ferner wird der Sturzraum in der Curva Grande mehr als verdoppelt. Ein neues Medical-Center wird errichtet mit einem Hubschrauberlandeplatz ganz in der Nähe.

1997: Die Sitzplatzkapazität wird von 45.000 auf 51.000 erhöht. Dazu mussten 185 Bäume gefällt werden, was auf Protest der Umweltschützer trifft. Im Gegenzug werden an andere Stelle 555 Baumsetzlinge gepflanzt.

2000: Die Schikane nach Start und Ziel wird komplett umgebaut, um das Tempo zu reduzieren. Bei einer Massenkarambolage kurz nach dem Start wird ein Feuerwehrmann durch ein herumfliegendes Rad tödlich getroffen.

2002: Ein neues Boxengebäude wird gebaut, das traditionelle Podium wird abgerissen und neu errichtet. Das Fahrerlager wird vergrößert sowie neue Geschäfte und Restaurants gebaut.

Mailand: Italiens heimliche Hauptstadt

Mailand ist Italiens heimliche Hauptstadt. Mode aus Mailand genießt Weltruf, hier sitzen die größten privaten Fernsehsender des Landes und die bedeutendsten Verlage. Das nahe gelegene Monza ist zudem ein Magnet für Motorsportfans aus aller Welt. Die Mailänder Scala ist das berühmteste Opernhaus der Welt.

Ganze Trauben von Fans sind jährlich vor dem Hotel de la Ville in der Viale Regina Margherita versammelt, wo die meisten Teams wohnen. Beliebt ist auch das Hotel Fossati in der Via Conte Paolo Taverna in Canonica al Lambro Triuggio. Hier trifft man den einen oder anderen Fahrer auch schon mal abends beim Essen, da das Restaurant weithin bekannt für seine ausgezeichnete Küche ist.

Lukullische Genüsse: Mehr als Pasta und Pizza...

Ein Muss für die Freunde des bitteren roten Aperitifs, der meist mit Soda oder Orangensaft getrunken wird, ist Il Camparino in der Galleria Vittorio Emanuele. Hier erfand Davide Campari das nach ihm benannte weltberühmte Getränk.

Die Osteria del Treno, Via S. Gregorio 46, offeriert in familiärer Atmosphäre gute italienische Küche, dazu mehrere Dutzend Sorten Schinken und Wurst aus allen Regionen Italiens. Die Spezialität im Bice, Via Borgospesso 12, ist "Stracotto di Manzo", zarter Rinderschmorbraten. Manchmal genießt ihn hier auch Giorgio Armani.

Aimo e Nadia, Via Montecuccoli 6, ist eine Adresse für große Küche in Mailand. Höchste italienische und internationale Auszeichnungen hat das Inhaberehepaar bereits erhalten, die Preise für ihre Menüs sind dennoch bezahlbar geblieben. Unbedingt reservieren sollte man im Il Sambuco im Hotel Hermitage, Via Messina 10. Der Familienbetrieb mit hoch gelobter Küche ist bei den Einheimischen sehr beliebt.

Kultur spielt in Italien eine große Rolle

Das Museo Teatrale alla Scala gibt dem Musikfan die Möglichkeit, einen Blick in die 1776 bis 1778 erbaute Oper zu werfen, auch wenn er keines der heiß begehrten Tickets ergattern konnte. Das Museo Poldi-Pezzoli, Via Manzoni 12, zeigt eine wertvolle, private Gemäldesammlung mit Werken unter anderem von Botticelli.

Das Castello Sforzesco, Piazza Castello, stammt aus dem 14. Jahrhundert und führt den Besucher durch ein Labyrinth von Steintreppen und Wendelstiegen mit gruseligen Erinnerungsstücken aus der Vergangenheit. Außerdem beherbergt das Castello die städtischen Kunstsammlungen.

Erste - und mit die teuerste - Adresse zum Shopping in Mailand ist die Galleria Vittorio Emanuele. Ihr Portal am Domplatz gleicht einem Triumphbogen. Günstiger lassen sich Designerstücke in den Outlets Emporio Isola, Via G. Prina 11, und Emporio Soldati, Via Ausonio 14, erwerben.

Von den Römern über die Habsburger bis hin zu Napoleon

Die Lombardei und mit ihr Mailand haben eine bewegte Vergangenheit: Kelten, Römer, germanische Langobarden - später die Habsburger und dann Napoleon: sie alle herrschten in der Po-Ebene und damit in Mailand. Hunnenkönig Attila hat die Stadt 452 verwüstet, 539 geriet Mailand zwischen Goten und Byzantiner, später in die Machtkämpfe zwischen lombardischen und karolingischen Fürsten. An diese Zeit erinnert die Eiserne Krone im Dom von Monza, erbaut im 14. Jahrhundert auf einem um 800 Jahre älteren Fundament. Seit Karl dem Großen wurde an dieser Stelle den Kaisern des Heiligen Römischen Reiches die Krone aufs Haupt gesetzt.

1943 wurde das Zentrum Mailands durch Bombenangriffe der Alliierten fast vollständig zerstört, doch die meisten historischen Bauten wurden originalgetreu restauriert.

Das sagt David Coulthard über das Autodromo Nazionale di Monza:

"Monza ist eine einmalige Herausforderung, weil dort mit unglaublich wenig Abtrieb gefahren wird. Gleichzeitig sind selbst die langsamen Passagen recht flott, wenn wir an Kurven wie die Parabolica oder die beiden Lesmos denken. Die ersten beiden Schikanen sind die einzigen Punkte auf einer Runde, welche die Geschwindigkeit in Monza unterbrechen. Im Autodromo Nazionale kommt es auf den Schwung an, die Effizienz und den Topspeed", erläutert der ehemalige Rennfahrer.

"Aufgrund der beiden ersten Schikanen brauchst du aber auch ein Auto, das eine gute Bremskraft besetzt, das über die Kerbs räubern kann und das eine gute Traktion aufweist. Schon ein kleiner Fehler kann dich einiges Kosten. Das liegt schlichtweg an der Länge der nachfolgenden Geraden. Der Schlüssel zur Runde ist das Anbremsen der ersten Schikane. Bist du zu früh auf der Bremse, dann lässt du ein paar Zehntel liegen. Bist du zu spät dran, dann verlierst du gleich 0,5 Sekunden. In der zweiten Schikane verhält es sich ähnlich, wobei du dort mehr über die Kerbs brettern musst."

"In den Lesmo-Kurven geht es einzig und alleine um Effizienz - eine wirkliche Herausforderung stellen diese Passagen nicht dar. Der Eingang zur Ascari-Schikane wird bei hohem Tempo genommen und man muss die Kerbs heftig attackieren. Den Ausgang richtig zu erwischen, ist wie das Einfädeln einer Nadel bei hoher Geschwindigkeit, weil man erst nach rechts und dann nach links abbiegen muss. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Leute beim abschließenden Linksknick Fehler machen. Ich habe mich dort gedreht, als ich 1995 auf dem Weg zur Startaufstellung war - ich hatte die Pole-Position."

"Zum Schluss der Runde kommt noch die Parabolica. Dort gilt es, sehr spät zu bremsen und viel Geschwindigkeit in die Kurve hineinzutragen", so Coulthard. "In dieser Kurve bewegt man sich wirklich am Rand der Haftgrenze und auch am äußersten Rand der Strecke, ehe man schließlich wieder auf die lange Zielgerade einbiegt. In Monza ist die Geschichte sehr präsent. Die alten Steilkurven kann man noch immer sehen. Dort sind die Autos vor vielen Jahren noch gefahren. Für die Fans ist es klasse, einmal dort entlang zu laufen und zu sehen, wie steil diese Kurven wirklich sind."

"Nicht zuletzt sind die italienischen Fans genauso begeistert von Rennwagen wie von Frauen. Das kann man spüren", meint der Schotte - und kann diese Aussage mit eigenen Erfahrungen belegen: "1998 habe ich das Rennen angeführt und strandete in der zweiten Schikane. Als ich zurücklief wurde ich kräftig beschimpft - und nur, weil ich keinen Ferrari fuhr! Aber auf der einen Seite beleidigen sie dich, auf der anderen Seite sind sie leidenschaftliche Motorsportfans. Bei ihnen stehen die Piloten sehr hoch im Kurs."

Zeitraffer:

2008:
Der Grand Prix steht 2008 ganz im Zeichen des Wetters: Schon am Freitag gießt es in Monza wie aus Kübeln und der Trainingsbetrieb auf dem Autodromo Nazionale di Monza kann nur bedingt geordnet über die Bühne gehen. In der Qualifikation überrascht Sebastian Vettel (Toro Rosso) und stellt sein Auto im Regen auf die Pole-Position - er ist zugleich der jüngste Pole-Setter aller Zeiten. Am Sonntag sind die Bedingungen zunächst nicht viel besser: Das Feld macht sich bei feuchter Witterung auf die Topspeed-Reise. Vettel gewinnt dabei nicht nur den Start, sondern 53 Runden später auch noch souverän den Großen Preis von Italien - die Sensation ist perfekt! Der junge Deutsche feiert seinen ersten Rennerfolg gemeinsam mit Teamchef Gerhard Berger auf dem Podium von Monza und wird von allen Seiten frenetisch bejubelt. Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) und Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team) verkommen auf dem Siegertreppchen glatt zu Statisten, die beiden WM-Aspiranten Felipe Massa (Ferrar) und Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) sehen die Zielflagge auf den Rängen sechs und sieben.

2007:
Fernando Alonso und Lewis Hamilton (beide McLaren) setzen sich von Anfang an ab, doch eine Safety-Car-Phase verhindert, dass ihre Zweistoppstrategie wie geplant aufgeht. Dadurch kommt Kimi Räikkönen (Ferrari) an Hamilton vorbei. Hamilton fährt nach seinem letzten Stopp jedoch wie entfesselt und sichert sich mit einem tollen Überholmanöver doch noch den zweiten Platz hinter seinem Teamkollegen. Felipe Massa (Ferrari) muss früh mit Defekt aufgeben. Bester Deutscher wird Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) als Vierter, Nico Rosberg (Williams) holt als Sechster ebenfalls Punkte. 20 von 22 gestarteten Autos sehen die Zielflagge.

2006:
Es ist der große Tag des Michael Schumacher (Ferrari): Nach monatelangen Spekulationen um seine Zukunft gibt der siebenfache Weltmeister seinen Rücktritt per Saisonende bekannt - unmittelbar nach dem Sieg beim Grand Prix von Italien! Der Deutsche gewinnt das Rennen vor Kimi Räikkönen (McLaren) und Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team), der erstmals in seiner Karriere auf das Podium fährt. Mit Nick Heidfeld (8./BMW Sauber F1 Team) kommt ein weiterer Deutscher in die Punkteränge. Fernando Alonso (Renault) muss nach einem kontroversen Qualifying, in dem er wegen einer angeblichen Blockade gegen Felipe Massa (Ferrari) eine Strafe kassiert hatte, mit Motorschaden zehn Runden vor Schluss aufgeben.

2005:
Juan Pablo Montoya startet im McLaren-Mercedes von der Pole-Position aus und gewinnt das Rennen. Ganz so einfach, wie es klingen mag, ist es allerdings nicht: Die Renault-Piloten hat er im Griff, doch der wegen Motorwechsels strafversetzte Teamkollege Kimi Räikkönen brennt ein Feuerwerk ab und liefert sich auch mit Titelkontrahent Fernando Alonso einen packenden Zweikampf. Durch einen Reifenschaden fällt er aber noch auf Rang vier zurück - hinter Alonso und Giancarlo Fisichella. Auf den restlichen Punkteplätzen landen Jarno Trulli, Ralf Schumacher (beide Toyota), Antonio Pizzonia (Williams) und Jenson Button (BAR). Ferrari enttäuscht die Tifosi: Michael Schumacher nur Zehnter, Rubens Barrichello auf Rang zwölf.

2004:
Der Grand Prix von Italien beginnt auf feuchter Piste, was Rubens Barrichello (Ferrari) dazu veranlasst, mit Intermediates auf die Strecke zu gehen. Die Reifen des Brasilianers bauen anschließend aber schnell ab und er muss früh an die Box kommen und Fernando Alonso im Renault die Führung überlassen. Barrichello stellt seine Strategie anschließend von zwei auf drei Boxenstopps um und kommt nach seinem letzten Service tatsächlich in Führung liegend auf die Strecke zurück. Fast gleichzeitig fixiert Michael Schumacher mit einem Überholmanöver gegen Jenson Button (BAR) den Ferrari-Doppelsieg. Nur 15 von 20 gestarteten Autos sehen die Zielflagge. Am härtesten trifft es Gianmaria Bruni (Minardi), dessen Auto beim Boxenstopp in Flammen aufgeht. Dank der vorbildlichen Reaktion der Mechaniker wird dabei aber niemand verletzt.

2003:
Im Qualifying sichert sich Ferrari-Pilot Michael Schumacher knapp mit 0,051 Sekunden Vorsprung die Pole Position vor Juan Pablo Montoya. Nach dem Start ziehen beide dem Feld davon und liefern sich ein packendes Duell, bei dem es teilweise sogar zu leichten Berührungen kommt. Von den zwölf Fahrern im Ziel holen Michael Schumacher, Williams-Pilot Juan Pablo Montoya und Schumacher-Teamkollege Rubens Barrichello auf dem Podium die meisten Punkte. Kimi Räikkönen (McLaren), Marc Gené, der für den nach einem Testunfall pausierenden Ralf Schumacher im Williams einspringt, sowie Jacques Villeneuve im BAR komplettieren die Top 6.

2002:
Mit einem Doppelsieg von Ferrari endet der Grand Prix von Italien, dabei sieht es an den Tagen davor nicht unbedingt danach aus. Die Autos des Williams-Teams waren die erklärten Favoriten in Monza, Juan Pablo Montoya startet von Pole-Position. Doch schon nach wenigen Runden hat Ralf Schumacher einen Motorschaden. Montoya pflügt durch ein Kiesbett und beschädigt sein Auto nachhaltig - vorbei der Traum vom Sieg. Rubens Barrichello indes kann sich vorne absetzen, seine Zweistoppstrategie geht voll auf und er gewinnt sein drittes Rennen der Saison vor Michael Schumacher. Überraschend ist der dritte Platz von Eddie Irvine im Jaguar, die "Raubkatzen" waren noch nie zuvor in der Saison so konkurrenzfähig. Jarno Trulli und Jenson Button bringen für Renault beide Autos in die Punkte, während Olivier Panis im BAR einen wichtigen Zähler einfährt.

2001:
Formel-1-Neuling Juan Pablo Montoya holt in seinem 15. Formel-1-Rennen seinen ersten Grand-Prix-Sieg und ist damit der erste Kolumbianer in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports, der die Ziellinie als Erster überquert. Mit 5,175 Sekunden Vorsprung sieht der damals 25-Jährige vor Ferrari-Pilot Rubens Barrichello die karierte Flagge. Das erfolgreiche Rennergebnis für das Williams-Team komplettiert Ralf Schumacher auf dem dritten Platz. Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ist das ganze Wochenende nach den Anschlägen des 11. Septembers geistig abwesend und beendet eines seiner bescheidensten Rennen auf dem vierten Platz. Vor dem Rennen sorgt der Ferrari-Pilot mit dem Vorschlag für Aufsehen, in der ersten Kurve nach dem Start ein Überholverbot auszusprechen. Die Sicherheitsinitiative wird von Jacques Villeneuve und drei Teamchefs abgelehnt.

2000:
Der Sieg von Michael Schumacher wird überschattet vom Tod des Feuerwehrmanns Paolo Ghislimberti, der nach einer schweren Kollision von einem umherfliegenden Reifen tödlich getroffen wurde. Schumacher bricht bei der Pressekonferenz in Tränen aus, er fuhr seinen 41. Sieg heraus und zog damit mit Ayrton Senna gleich. Mika Häkkinen kommt vor seinem McLaren-Mercedes-Teamkollegen David Coulthard auf den zweiten Platz.

1999:
Mika Häkkinen - der noch nie ein Rennen in Monza gewinnen konnte - rutscht in Führung liegend von der Strecke, und der Druck entleert sich in Tränen. Heinz-Harald Frentzen gewinnt im Jordan vor Ralf Schumacher im Williams und Mika Salo im Ferrari, der den nach dem Rennen in Silverstone verletzten Michael Schumacher vertritt.

1998:
Michael Schumacher holt vor seinem Teamkollegen Eddie Irvine den ersten Doppelsieg in Monza für Ferrari seit einem Jahrzehnt. Ralf Schumacher im Jordan wird Dritter. Johnny Herbert hat in Runde zwölf einen schweren Unfall, weil sich eine vergessene Zange eines Mechanikers unter dem Bremspedal verklemmt.

1997:
Sieg für David Coulthard im McLaren-Mercedes, den dieser der verstorbenen Prinzessin Diana widmet, die am Vortag beerdigt worden war. Jean Alesi im Benetton wird Zweiter vor Heinz-Harald Frentzen im Williams.

1996:
Mit dem "Gurken-Ferrari" holt Michael Schumacher zur Verblüffung aller seinen ersten Sieg für Ferrari in Italien und stellt dabei den Titelkampf zwischen den beiden Williams-Piloten Jacques Villeneuve und Damon Hill in den Schatten. Dem späteren Weltmeister Hill wurde zehn Tage vor dem Rennen mitgeteilt, dass er das Team verlassen muss. Der Brite dreht sich in Führung liegend von der Strecke.

Fotoquelle: xpb.cc

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