Im Rampenlicht: Hat Nelson Piquet den Unfall in Singapur absichtlich verursacht?

Formel 1 2009

— 09.09.2009

Renault: Was ist dran an der Betrugsaffäre?

Neue Details: Wurde der Crash von Singapur vor dem Rennen bei einem Gespräch zwischen Briatore, Piquet und Symonds geplant?

Ein Crash reißt Nelson Piquet beim Großen Preis von Singapur 2008 aus dem Rennen - und stößt die Tür weit auf, um seinem Teamkollegen Fernando Alonso den ersten Saisonsieg zu ermöglichen. Nur eine - für Alonso - glückliche Verkettung von Zufällen oder doch ein hervorragend geplanter Coup? In Spa-Francorchamps ging die FIA den Vorfällen des ersten Flutlichtrennens eingehend auf den Grund. Diese Untersuchung hat neue Details ans Tageslicht gebracht.

Alles begann mit einem Hinweis aus den eigenen Reihen: Ex-Renault-Pilot Piquet wurde am 30. Juli bei der FIA vorstellig und deutete gegenüber den Vertretern des Automobil-Weltverbandes an, dass beim Großen Preis von Singapur 2008 mehr geschah als nur ein simpler Fahrfehler. Aus diesem Grund wollte die FIA schon in Valencia intensive Nachforschungen anstellen, doch zunächst war nicht klar, ob Renault dort überhaupt starten würde.

Anhörung in Spa-Francorchamps

Der französisch-britische Rennstall wurde erst in der Woche vor dem Grand Prix in der spanischen Hafenstadt offiziell zum Rennen zugelassen, nachdem das internationale Berufungsgericht die Sperre für den Valencia-Event aufhob. Doch dadurch wurde die Befragung der Beteiligten nur um eine Woche verzögert: In Spa-Francorchamps mussten die Renault-Verantwortlichen den FIA-Vertretern ausführlich Rede und Antwort stehen.

Zu diesem Zweck führten die Rennkommissare in Spa-Francorchamps Gespräche mit Fernando Alonso, Teamchef Flavio Briatore, Chefingenieur Pat Symonds und anderen Teammitgliedern durch. Unterstützt wurden sie durch das externe Unternehmen Quest, Herbie Blash fungierte als Beobachter.

Anschließend wurde ein Dossier mit den Ergebnissen der Befragungen angefertigt, das ein möglichst genaues Bild der Vorgänge von Singapur 2008 zeichnen soll. Der Report, welcher der FIA übergeben und 'Motorsport-Total.com' von einer Quelle erklärt wurde, deutet an, dass zumindest Alonso nicht an einer möglichen Verschwörung beteiligt gewesen ist: Der Spanier war bewusst mit wenig Benzin ins Flutlichtrennen geschickt worden.

Datenanomalie in Kurve 17

Hintergrund dieser Taktik war, möglichst flexibel auf eventuelle Safety-Car-Phasen reagieren und im Notfall von zwei auf drei Boxenstopps wechseln zu können - unter diesen Voraussetzungen gab sich Alonso mit dieser aggressiven Strategie zufrieden, die ihm von seinem Renningenieur unterbreitet wurde, der ebenfalls unschuldig sein soll. Als der Renault-Pilot im Rennen schließlich an die Tankstelle beordert wurde, soll er sogar noch einmal seine Bedenken zum Ausdruck gebracht haben.

Unmittelbar nach dem Boxenstopp von Alonso folgte der Crash seines Teamkollegen in Kurve 17. Wie die Untersuchungen der FIA ergeben haben sollen, weisen die Daten des R28 von Piquet just in dieser Kurve eine Anomalie auf: Dort verlieren die Räder für gewöhnlich kurz den Grip, weshalb der Pilot leicht vom Gas gehen muss, um ein Ausbrechen des Wagens zu verhindern. In Runde 14 blieb der brasilianische Rennfahrer dort aber voll auf dem Gas - trotz Gripverlust.

War diese Handlungsweise abgesprochen? Piquet soll der FIA am 30. Juli gesagt haben, dass die Daten seines Rennwagens in der fraglichen Runde im Bereich von Kurve 17 eine Unregelmäßigkeit beinhalten würden - und dass er den Unfall mutwillig herbeigeführt habe. Dieses Szenario habe er am Sonntagmorgen gemeinsam mit Briatore und Symonds besprochen - und glaubt man diesen Äußerungen, so hat Piquet alles mustergültig erledigt.

Symonds bestätigt Unfall-Überlegungen

"Ich bestätige das Treffen mit Piquet am Sonntagmorgen, doch über dergleichen wurde nicht gesprochen", wird Teamchef Briatore zitiert. "Ich kann mich zudem noch daran erinnern, dass sich Piquet in Singapur in einem fragilen Geisteszustand befand. Abgesehen davon gibt es Tonaufzeichnungen, wobei ich meine Enttäuschung formuliere, als ich auf den Bildschirmen gesehen habe, wie Piquet verunfallt war."

Anders dagegen die Aussage von Symonds: "Es stimmt - während des Treffens mit Piquet am Sonntag kam das Thema auf, eine Safety-Car-Phase mutwillig herbeizuführen. Das wurde allerdings von Piquet selbst vorgeschlagen. Es war nur eine Unterhaltung", so Symonds. Zusammen mit den Daten des verunfallten Fahrzeuges genügten diese Aussagen der FIA offenbar, um eine außerordentliche Anhörung vor dem Weltrat einzuberufen.

Eine offizielle Stellungnahme von Renault lässt indes weiter auf sich warten - das französisch-britische Team verzichtet darauf, vor der Anhörung am 21. September ein Statement in dieser Sache abzugeben. Sowohl Briatore als auch Symonds sollen hingegen die Vorwürfe Piquets in einem Schreiben an die FIA geleugnet und darauf verwiesen haben, dass der Anstoß zu einem Unfall einzig und alleine von Fahrer Piquet gekommen sei.

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch das Timing: Die Betrugsvorwürfe an Renault kamen erst auf, nachdem Piquet sein Cockpit bei der Équipe an Romain Grosjean verloren hatte. Beim Großen Preis von Ungarn auf dem Hungaroring bestritt Piquet sein bis dato letztes Formel-1-Rennen - und anschließend soll Vater Nelson Piquet sr. FIA-Präsident Max Mosley darauf aufmerksam gemacht haben, was in Singapur geschah.

Fotoquelle: Renault

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