Bild aus besseren Tagen: Nelson Piquet, Flavio Briatore und Fernando Alonso

Formel 1 2009

— 10.09.2009

"Crashgate": Das Piquet-Statement

Die Anschuldigungen von Nelson Piquet jun. lassen kaum noch Zweifel daran, dass der Grand Prix von Singapur 2008 manipuliert wurde

Der angebliche Manipulationsskandal um das Renault-Team in Singapur 2008 war heute in Monza das Thema des Tages. Die Beweislage lässt inzwischen kaum noch Zweifel zu, wie umfangreiche Dokumente belegen, die 'Motorsport-Total.com' zur Durchsicht zur Verfügung gestellt wurden.

Dazu gehören unter anderem die beiden insgesamt sieben Seiten langen Statements, die Nelson Piquet jun. am 30. Juli und am 25. August an die FIA abgegeben hat, Abschriften der in Spa-Francorchamps durchgeführten Verhöre von verschiedenen Renault-Teammitgliedern, darunter auch Chefingenieur Pat Symonds, ein Transkript des Renault-Boxenfunks während des Rennens in Singapur sowie einige weitere Unterlagen.

Zusätzlich zu allen bisher bekannten Beweisen, die unsere aufmerksamen Leser bereits kennen, lässt vor allem die schriftliche Erklärung von Piquet kaum noch Spielraum für Interpretationen.

Auszüge aus den Piquet-Erklärungen im Wortlaut

"Während des Grand Prix von Singapur (...) wurde ich von Herrn Flavio Briatore, der sowohl mein Manager wie auch der Teamchef des ING Renault F1 Teams ist, sowie von Herrn Pat Symonds, Technischer Direktor des ING Renault F1 Teams, gebeten, absichtlich einen Unfall herbeizuführen, um das Abschneiden des ING Renault F1 Teams bei der betroffenen Veranstaltung zu verbessern. Ich stimmte diesem Vorschlag zu und krachte mit meinem Auto in Runde 13/14 des Rennens in die Mauer."

"Der Vorschlag, absichtlich einen Unfall herbeizuführen, wurde mir kurz vor Beginn des Rennens unterbreitet, als ich von Herrn Briatore und Herrn Symonds in Herrn Briatores Büro bestellt wurde. Herr Symonds hat mich im Beisein von Herr Briatore gefragt, ob ich dazu bereit wäre, mein Rennen zu opfern und 'ein Safety-Car zu verursachen'. Jeder Formel-1-Rennfahrer weiß, dass das Safety-Car auf die Strecke kommt, wenn es einen Unfall gibt, bei dem die Strecke durch Teile oder ein stehendes Auto blockiert ist und zwar an einer Stelle, auf der man ein beschädigtes Auto nur schwer bergen kann, wie es hier der Fall war."

"Zum Zeitpunkt dieser Unterhaltung befand ich mich in einem sehr fragilen und emotionalen Geisteszustand. Dieser Geisteszustand wurde dadurch ausgelöst, dass mir Herr Briatore nicht mitteilen wollte, ob mein Fahrervertrag für das nächste Rennjahr (2009) verlängert wird, wie dies üblicherweise gegen Jahresmitte (Juli oder August) der Fall ist. Stattdessen bat mich Herr Briatore wiederholt darum, eine Option zu unterzeichnen, was bedeutete, dass ich in der Zwischenzeit nicht mit anderen Teams verhandeln durfte."

"Er setzte mich regelmäßig unter Druck, diese Option zu verlängern, und bestellte mich während dieser Verlängerungen regelmäßig in sein Büro, selbst an Renntagen - in Momenten höchster Konzentration und Entspannung vor dem Rennen. Dieser Stress wurde dadurch untermauert, dass ich mich nur als 16. für den Grand Prix von Singapur qualifiziert hatte, also war ich mir meiner Zukunft im Renault-Team sehr unsicher. Als ich gebeten wurde, einen Unfall zu verursachen, um dem Team zu helfen, akzeptierte ich das, weil ich dachte, es würde meine Situation im Team während dieser entscheidenden Phase in der Rennsaison verbessern."

"Zu keinem Zeitpunkt wurde mir von irgendjemandem gesagt, dass mein Rennvertrag garantiert verlängert wird oder ich einen anderen Vorteil erhalte, wenn ich einen Zwischenfall verursache. In diesem Zusammenhang dachte ich aber, es würde mir dabei helfen, mein Ziel zu erreichen. Daher stimmte ich zu, den Zwischenfall zu verursachen."

Piquet fährt fort, indem er unter Angabe zahlreicher Details und Zeitangaben ausführlich schildert, wie ihm Symonds in einem separaten Meeting - diesmal ohne Briatores Beisein - erklärt hat, wo genau der Unfall erfolgen muss. Symonds habe ihm außerdem gesagt, er solle "vorsichtig sein", aber: "Die Sicherheitsimplikationen dieser Strategie für mich selbst, das Publikum oder andere Fahrer kamen nicht zur Sprache."

Und weiter: "Ich verursachte den Unfall, indem ich die Kontrolle über das Auto absichtlich vor der relevanten Kurve aufgab. Um sicherzustellen, dass ich den Zwischenfall in der richtigen Runde verursache, fragte ich das Team am Funk mehrere Male nach einer Bestätigung der aktuellen Runde, was ich normalerweise nie tat", so Piquet. Das Transkript des Boxenfunks, das uns ebenfalls vorliegt, untermauert diese Aussage.

Vater erst viel später informiert

Piquet vertraute sich nach dem Rennen seinem Freund und Berater Felipe Vargas an, was ein Einzelgesprächsnachweis seines Mobilfunkunternehmens belegen soll. Das Telefonat fand vom Hotelzimmer aus statt und dauerte wegen der immensen psychischen Belastung wohl besonders lange. Mit seinem Vater Nelson sen. sprach Piquet erst wesentlich später über die ungewöhnlichen Ereignisse des Rennens in Singapur.

Das Renault-Team will sich vorerst nicht zu den Anschuldigungen äußern, die der Motorsport-Weltrat der FIA am 21. September untersuchen wird. Als Fernando Alonso, der von der Manipulation laut den uns gezeigten Dokumenten nichts gewusst haben dürfte, heute von Journalisten wiederholt auf die Affäre angesprochen wurde, ging eine Renault-Sprecherin energisch dazwischen und stellte klar, dass dieses Thema nicht mehr behandelt werden darf...

Fotoquelle: Renault

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