Flavio Briatore ist auf die Familie Piquet nicht mehr gut zu sprechen...

Formel 1 2009

— 11.09.2009

Briatore: "'Nelsinho' ist ein verwöhnter Bengel"

Flavio Briatore ist sich "zu 80 Prozent" sicher, dass Renault vor Gericht gegen die Piquets gewinnen wird, und beteuert seine Unschuld im Manipulationsfall

Nach den schweren Anschuldigungen, die Nelson Piquet jun. und sen. bereits im Juli gegenüber der FIA erhoben haben und die später über die Medien an die Öffentlichkeit gelangt sind, ging das Renault-Team heute in die Offensive: Statt die Attacke auf sich sitzen zu lassen, erstattete Renault gegen die Piquets in Frankreich und Großbritannien Strafanzeige.

Angeblich, so behauptet Flavio Briatore, haben die Piquets Renault erpresst, um für den Rest der Saison im Team bleiben zu dürfen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Wahrheit herauskommen wird", sagte der Teamchef heute in Monza im Kreise einiger Journalisten. Er sei sich "zu 80 Prozent" sicher, dass Renault vor Gericht gewinnen wird. Man habe sich diesen Schritt sehr genau überlegt und nach Absprache mit den Anwälten entschieden, in die Offensive zu gehen.

Die Mühlen eines Großkonzerns

Dass es bis zu diesem Schritt so lange gedauert hat, lag einerseits an der Bitte der FIA, die Sache nicht öffentlich auszutragen, und andererseits an den Mechanismen eines Konzerns wie Renault: "Das ist keine kleine Firma", so Briatore. "So etwas muss abgesegnet werden. Wenn zum Beispiel jemand im Urlaub ist, dauert es länger. Wir haben uns bemüht, zu einer Vorgehensweise zu kommen, und jetzt haben wir eine."

Auf konkrete Piquet-Behauptungen angesprochen, verweigerte Briatore die Aussage: "Die FIA hat mein Statement - und das ist eindeutig." 'Motorsport-Total.com' wurde Einsicht in das Verhörprotokoll gewährt, auf das sich der Italiener bezieht. Daraus geht hervor, dass er jede Mitwisserschaft an einer möglichen Manipulation des Nachtrennens in Singapur 2008 abstreitet. Piquet wiederum behauptet, Briatore sei bei der Verschwörung genau wie Chefingenieur Pat Symonds im Raum gewesen.

Sauer ist Briatore darüber, dass das Dossier für die Mitglieder des Motorsport-Weltrats einigen Medien in die Hände gefallen ist: "Das Problem dieses Lecks ist, dass alles gegen Renault ist. Von wo auch immer es gekommen sein mag, es hat Renault und den Renault-Mitarbeitern großen Schaden zugefügt - nicht nur mir und den Fahrern, sondern 500 oder 600 Leuten. Renault glaubt nun, nicht mehr zu dieser Welt zu gehören."

Auch wenn er sich zu Details aus dem fraglichen Dossier nicht äußern wollte, so feuerte Briatore doch einige Giftpfeile in Richtung Piquet ab. Auf die Frage eines Kollegen, warum Piquet absichtlich gecrasht sein könnte, antwortete er nur schnippisch: "Nelson hatte schon 17 Crashes." Und auf die Frage, warum er den Brasilianer dann noch einmal verpflichtet hat, entgegnete er: "Weil ich keinen anderen Fahrer hatte."

"Ich habe das Gefühl, 'Nelsinho' ist ein verwöhnter Bengel. Jedes Mal, wenn er wo fährt, dann nur, weil seinem Vater das Team gehört. Er ist sehr wankelmütig. Wir haben alles versucht, aber letztendlich kommt es auf die Performance an", so Briatore. Aber nimmt man so einen Fahrer gleich als Manager unter Vertrag? "Sein Vater hat mich darum gebeten", erklärte er. "Und er hatte eine gute Saison in der GP2. Er und Hamilton waren eng beisammen."

Randnotiz: Alonso und Ferrari

"Im ersten Jahr war er Zweiter in Deutschland. Sein erstes Jahr war in Ordnung. Aber ich wusste erst in Brasilien, dass Fernando bleiben würde, denn er hat mit Ferrari verhandelt und so weiter. Ich wollte Grosjean ins Auto setzen, aber wir glaubten, dass er noch zu jung war. Das ist kein Geheimnis", so Briatore. Im gleichen Atemzug stellte er aber auch klar, dass Piquet für 2009 nicht mehr unter den gleichen Konditionen fahren durfte.

"2008 hat Nelson 1,5 Millionen Dollar pro Jahr verdient. Ich habe seinen Vertrag nur noch um eine Million verlängert. Ich habe außerdem eine Klausel in den Vertrag geschrieben, dass er in Deutschland rausfliegt, wenn die Performance nicht passt", so der temperamentvolle Weltmeistermacher von Michael Schumacher und Fernando Alonso. Hätte er Alternativen gehabt, hätte er Piquet nicht mehr verpflichtet, behauptete er heute.

Abschließend ging er dann doch noch einmal auf Singapur ein, nachdem sich zuvor sogar eine Renault-Sprecherin lautstark eingeschaltet und derartige Fragen dezidiert unterbunden hatte. Briatore sagte: "Ich fühle nicht, dass ich verantwortlich bin, und wir fühlen nicht, dass wir irgendetwas falsch gemacht haben. Im Fall von Piquet werden wir nun den Weltrat abwarten." Der tagt bekanntlich am 21. September in Paris.

Und Briatore fügte zum fraglichen Rennen eine Art Schlussplädoyer an: "Es ist doch unmöglich, schon in der 14. Runde zu bestimmen, wenn noch 40 Runden zu fahren sind, dass jemand das Rennen gewinnt. Es gab noch einen weiteren Boxenstopp und ein weiteres Safety-Car. Wie soll man in der 14. Runde wissen können, was noch passieren wird? Wie soll man in der 14. Runde wissen, wie das Rennen verlaufen wird?"

Fotoquelle: xpb.cc

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